GC Hamburg-Ahrensburg: Ein Klassiker mit Ambitionen

Die Kombination aus Top-Qualität und Ressourcenschonung – dieses Ziel ist eine Herausforderung. Im GC Hamburg-Ahrensburg versucht Head-Greenkeeper Karsten Könemann mit seinem Platzpflegeteam täglich dem Ziel ein Stückchen näherzukommen. „Den tiefen Schnitt von zwölf Millimeter auf der Driving Range kann man natürlich nur umsetzen, wenn das Gras gesund ist und wenn man ein rigides Divot-Programm durchführt“, nennt er ein Beispiel. Täglich werden die Divots befüllt, auch sonntags.

Parklandplatz mit Herausforderungen

Einfach war diese Saison auch auf dem Hamburger Traditionsplatz nicht, der vor allem von seinem alten Baumbestand und dem Parklandcharakter lebt. Die starke Dürre auch im Norden Deutschlands machte 2022 nicht nur den Fichten, sondern vor allem auch den Fairways sehr zu schaffen. „Da kommt noch eine Menge Nacharbeit auf uns zu“, wusste Könemann schon Ende des Sommers. Selbst wenn man mit vorbeugenden Maßnahmen wie dem Höherstehenlassen des Grases oder dem Einsatz von Wetting Agents arbeitet, bleibt für den Herbst und Winter die Aufgabe, die entstandenen Kahlstellen mechanisch zu bearbeiten und mit einem Nachsaatprogramm für gute Verhältnisse im Jahr 2023 zu sorgen.

Individuelle Pflegeprogramm wichtig

„Grundsätzlich stellen wir fest, dass bei den neuen Herausforderungen im Bereich des Klimas, kleinteiliges Arbeiten immer wichtiger wird“, resümiert Könemann. Jeder Bereich des Golfplatzes muss im Hinblick auf Sonneneinstrahlung, Wind und Wasser einzeln betrachtet werden. Individuelle Pflegeprogramme sind angesagt, um am Ende mit möglichst wenig chemischem Einsatz und möglichst geringem Wasserverbrauch zu einem optimalen Ergebnis zu gelangen.

Größere Rodungen haben dem Platz, der in den Jahren 2017 und 2018 komplett umgebaut wurde, mehr Freiraum gegeben und die Wachstumsverhältnisse deutlich verbessert. Auch die neuen Wasserflächen rund um das neu geschaffene Loch 12 und das Grün 16 bieten nun Speicherpotenzial für Wasser, das der Club ausnützen will. „Trotzdem ist bei uns natürlich nur eine selektive Fairwayberegnung angesagt“, resümiert Könemann, der auch viele Bereiche der Grüns im Sommer mit seinen Mitarbeitern per Hand wässerte, um punktuell die Trockenheit richtig zu bearbeiten.

Neue Auenlandschaft geschaffen

Die Tatsache, dass die Golfanlage durch die Kündigung eines Pachtvertrages, der das Inselgrün an Bahn 11 mit einer alten Eiche betraf, diesen Teil des Platzes im insgesamt 35 Hektar großen Bredenbeker Teich verlor, hat dem Golfplatz nun die vernetzten neuen Wasserflächen beschert, die auf Dauer den Charakter einer Auenlandschaft entwickeln sollen. 27 m³ Boden wurden ausgehoben, anschließend über 2.000 Moderlieschen gepflanzt. Teichmuscheln und Bitterlinge sind hier reichlich zu finden.

Komplett anders ist der Charakter am neuen Par 3-Loch Bahn 2, bei dem überhaupt kein Wasser ins Spiel kommt. Hier wurde eine Streuobstwiese mit regionalen Sorten angelegt und linkerhand außerdem ein großer Rohbodenbereich geschaffen. Auf dem kargen Gelände entwickeln sich sukzessive Pflanzen für magere Böden. Der sandige Untergrund zieht kleine Amphibien an. Der stetige Wind in diesem Bereich sorgt für die zusätzliche Austrocknung des Bereichs, der mit den Jahren die mit 44 Hektar sehr kleine Anlage auch ökologisch weiter aufwerten soll.

Viele Platz für große Wiesen und üppige vernetzte Bereiche ist bei 44 Hektar ohnehin nicht vorhanden. Einzelmaßnahmen wie die Teilnahme an einem Wildbienenprojekt zusammen mit der Deutschen Wildtierstiftung im Jahr 2017 setzt man aber immer gerne auch. Auch deshalb gilt bei dem Club, der gerade an der Rezertifizierung für das Programm Golf & Natur arbeitet, beim Thema Ökologie das Gleiche wie bei der Platzpflege: Stark im Detail will man sein. „Wir schauen eben genau hin“, sagt Könemann. Das ist mehr Aufwand, aber der zahlt sich aus.