GC Altötting will die 1000-Arten-Grenze knacken

„Der GEO-Tag war für uns ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl“ – mit diesen Worten beschrieb Franz Mayer, Koordinator des Biodiversität-Teams beim GC Altötting-Burghausen die Effekte der Feldforschungsaktion. Im Juni 2020 hatte die Kreisgruppe Altötting des BUND Naturschutz erstmals in Deutschland in einem Golfclub einen GEO-Tag durchgeführt. Dabei untersuchen Experten aus unterschiedlichsten Fachgebieten 24 Stunden am Stück ein vorher festgelegtes Areal auf Fauna und Flora.

Im Falle der Golfanlage von Piesing ermittelten 24 Experten 648 Arten, wobei vor allem bei den Pilzen, Libellen und Wildbienen besonders viele Exemplare zu finden waren. „Das ist eine ausgesprochen hohe Zahl für solch‘ eine Fläche“, resümierte Eveline Merches vom BUND Altötting, die auch mit einem Lächeln zugestand, dass sie der Golfanlage ebenso wie zahlreiche andere Experten vorab mit großer Skepsis begegnet sei.

Die Aktion hat im bayerischen Raum reichlich Wellen geschlagen, so dass der Golfclub bei der Präsentation der Ergebnisse im Juli 2021 nun auch viel Lob aus der Politik einheimste: „Es reden viele über Klimaschutz. Aber sie sind tatsächlich aktive Natur und Klimaschützer“, befand Stephan Mayer, Staatssekretär im Bundesinnenministerium.

Den Verantwortlichen der 27-Löcher-Anlage hat die Durchführung des GEO-Tages in vielerlei Hinsicht einen weiteren Schub gebracht: Unabhängig vom deutlichen Imagegewinn in der Öffentlichkeit, so Franz Mayer, profitiert man jetzt auch vom Kontakt mit den zum Teil hochrangigen internationalen Experten, die auf der Anlage waren. „Wir haben auf ihren Input hin unsere Biotope noch weiter verbessert“, erklärt Mayer, der außerdem gerade ein Biotop für Gelbbauchunken und Laubfrösche plant. Daneben wurde in diesem Jahr mit Hilfe der Unteren Naturschutzbehörde, die 18 Tonnen Nagelflug-Steine anlieferte, ein Ei-Ablageplatz für Eidechsen und Schlangen entwickelt. „Wir sind zuversichtlich, dass wir in den nächsten Jahren die 1000-Arten -Grenze knacken“, ist Mayer optimistisch.

Entsprechend planen die Clubverantwortlichen gerade auch bereits die Zertifizierung in Gold beim Programm Golf & Natur. Ein neuer Waschplatz wurde soeben beschlossen und soll für eine Optimierung der Arbeitsbedingungen des Greenkeeping-Teams sorgen.

Für Arno Malte Uhlig, Präsident des Bayerischen Golf Verbandes, ist die Anlage damit ein perfekter Beweis dafür, dass das Programm Golf & Natur als „praxisnaher Leitfaden“ für Golfanlagen weiterhin viel Potential birgt. Die Verbesserung der Biodiversität werde hier mit der Optimierung der Spielbedingungen und der betriebsinternen Prozesse kombiniert, stellte er fest. Golfanlagen, die wie der GC Altötting-Burghausen erfolgreich an dem Programm teilnehmen, „führen den Beweis, dass Golfer mit ihrem Gelände nachhaltig und sorgfältig umgehen müssen.“