Golfanlagen werden zu Selbstversorgern

Selbstversorgung lautet das Ziel – die Ressource Wasser, so die Erkenntnis zahlreicher Golfanlagen nach dem Rekordsommer 2018, wird ein immer wichtigeres Thema. Wie die Bewässerung von Sportplätzen in den kommenden Jahren bei Hitzeperioden in Deutschland, Österreich und der Schweiz von den Behörden geregelt wird, kann derzeit niemand abschätzen. Sicher ist nur: Der Zugang zu Wasser wird mit großer Sicherheit restriktiver und teurer.
„Selbst im Sommer 2018 hat unser eigenes Wasser gereicht. Andere Quellen brauchen wir nicht mehr“, erklärt Béatrice Fischer, Präsidentin des Golf & Country Club Hittnau-Zürich, wie der Züricher Traditionsclub das Problem gelöst hat. Im Rahmen eines umfassenden Platzumbaus in den Jahren 2015 und 2016 verschrieb sich die Golfanlage auch einem umfassenden Nachhaltigkeitskonzept. Darin enthalten ist unter anderem das Thema „vorausschauendes Wassermanagement.“ Inzwischen haben die Speicherteiche ein nutzbares Speichervolumen von rund 9750 m³, in Sachen Wasser ist Hittnau Selbstversorger.
Dieses Ziel hat auch Horst Wintrich, Eigentümer der Golfanlage Weiherhof im deutschen Saarland, vor Augen. Diese Woche rücken auf dem Golfplatz die Bagger an, um einen dritten großen Speicherteich für seine im Jahr 2018 auf 27 Löcher erweiterte Anlage anzulegen. Wintrich nützt die Spielpause während der Corona-Krise, um das Thema Wasserversorgung aktiv anzugehen. „Im Moment brauche ich den Speicherteich eigentlich noch nicht unbedingt, wir kommen mit unseren drei Brunnen gut klar. Aber wer weiß, wie das in zehn Jahren aussieht. Uns ist es wichtig, dass die Golfanlage Weiherhof auf Dauer ausreichend eigene Wasserreserven hat.“
Wie schnell Wassermangel für Golfanlagen kritisch werden kann, musste zum Beispiel der Golf- und Landclub Kronberg bei Frankfurt 2019 erleben, dem die Stadt Kronberg nach der Verhängung des Wassernotstands für das Stadtgebiet die tägliche Ration Wasser von 400 m³ auf 60 m³ senkte. Dank viel Ideenreichtum im Club, Handbewässerung eingeschlossen, überstand man die Krise.
Experten aber sind sich einig: Obwohl das Thema Wasser im Winter und aufgrund der anhaltenden Corona-Krise in den Hintergrund gedrängt wird, bleibt es ein Kernpunkt, den die Golfanlagen beachten müssen. Schließlich belegen zum Beispiel nicht nur Daten des hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie einen „signifikanten Trend“ bei der Abnahme der Niederschläge zwischen 1936 und 2019. Auch anhand des UFZ-Dürremonitors des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung erkennt man, dass der Gesamtboden in Deutschland in weiten Teilen noch immer vergleichsweise zu trocken ist.

Der UFZ-Dürremonitor. Hellgelb steht für ungewöhnlich trocken, dunkelrot für außergewöhnliche Dürre. Hier wird der Zustand des Gesamtbodens in Deutschland am 20.4.2020 angezeigt.

Die Anlage von ausreichend großen Speicherteichen ist beim Thema Wassermanagement ein wesentlicher Aspekt. „Natürlich hängt der Verbrauch jeder Anlage stark von individuellen Faktoren wie Bodenverhältnissen, Bewässerungskonzepten, ec ab“, erklärt Golfplatzdesigner Thomas Himmel. „Aber 5000 m³ Wasser sind leicht in zehn bis zwölf Tagen weg, weshalb es Sinn macht bei den Teichen eher groß zu denken. 10.000 m³ nutzbares Volumen sind nicht zu viel, wenn man es als Reservespeicher nutzt.“ Bei kleineren Teichen, so Himmel, verdunstet das Wasser schneller, die nutzbare Kapazität ist deutlich geringer und auch die Vernetzung der einzelnen Speicherteiche ist oft kompliziert.“
Wer allerdings glaubt, er könne mit einem Speicherteich unabhängig von einem besseren Wassermanagement auch sonst Öko-Punkte sammeln, täuscht: „Aufgrund der Tatsache, dass der Wasserspiegel in einem Speicherteich extrem wechselhaft ist, werden diese Flächen nicht als Biotop oder ökologisch wertvolles landschaftsplanerisches Element anerkannt“, stellt Himmel fest. „Trotzdem kann man die Uferbereiche natürlich schön anlegen und einen Speicherteich damit auch als optisch ansprechendes, strategisches Element auf dem Platz nutzen“, ist seine Erfahrung.

Einer der drei Speicherteiche der Golfanlage Weiherhof