Der Golfsport vor der Stufe 2 beim Artenschutz

Die Sache mit der Honigbiene läuft ja blendend: Kaum eine Golfanlage in Deutschland, die nicht mit einem Imker kooperiert, Bienenkästen aufgestellt hat, Honig von der Golfanlage verkauft. Das Thema „Bienensterben“ hat in der Golfszene Bewusstsein für den Artenschutz geschaffen. Jetzt geht es um die Stufe 2: Die Förderung der Artenvielfalt über die Honigbiene hinaus.  „Es geht eben nicht nur um die Biene, andere Arten haben genauso viele oder vielleicht sogar mehr Probleme“, resümiert Hubert Fleischmann, ehrenamtlich als Ameisenschutzwart in Bayern tätig. „Heute habe ich gerade erst wieder sechs tote Völker aufgenommen“, lautet seine ernüchterte Bilanz. „Wir verzeichnen seit sechs Jahren ein extremes Ameisensterben.“

Seinem Kollegen Markus Liebl, Fledermausexperte beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern, geht es nicht wesentlich anders: „Die Bestände gehen zurück, weil die Insekten weniger werden und strukturreiche Landschaften auch. Vier der 24 heimischen Fledermausarten gelten als vom Aussterben bedroht, zahlreiche Arten als gefährdet.

Expertenwissen gesucht

Golfanlagen, so die Aussage beider Experten, hätten das Potenzial, die Lage der Tiere zu verbessern. Große ungenützte Flächen, strukturreiche Areale mit Hecken, Bäumen, Roughs und Biotopen stellen Lebensräume dar, die in diesem Ausmaß sonst nur noch selten zu finden sind. Das Problem der Golfclubs: Der sachgerechte Umgang mit stark gefährdeten Arten, erfordert Expertenwissen, das findet sich auf Golfanlagen meist nur selten.

Die Einbringung von Fläche einerseits, die Einschätzung von Experten andererseits – diese Kombination bringt am Ende den Erfolg für die Tiere. „Wir wussten ja nicht, was wir mit ihnen machen sollten“, erklärt Kurt Knote, Ex-Präsident und Golf & Natur-Betreuer beim GC Schwanhof mit Blick auf einen großen Ameisenhügel neben einem Fairway des Clubs in der Oberpfalz. Knote rief bei Ameisenwart Fleischmann an, der die verschiedenen Ameisenvölker auf der Anlage begutachtete. Man legte eine Strategie zum Schutz der Tiere fest – seitdem inspiziert Knote ebenso wie Head-Greenkeeper Ian McNiven die Vorkommen immer wieder. Das Projekt war vergleichsweise einfach umzusetzen: Entscheidend war, dass man die Tiere nicht störte und behinderte.

Genauso wie die Fledermäuse im Haus neben der Ballausgabe des GC Schwanhof. „Sie schmutzen natürlich ein wenig, aber das nehmen wir jetzt einfach mal hin“, erklärt Geschäftsführer Detlef Hennings mit Blick auf den Fledermauskot. Er sei ja eigentlich großartig, dass sich die Fledermäuse auf der Anlage wohlfühlten. „Dann wird eben einmal mehr geputzt.“ Auch in diesem Fall hatte Knote zum Telefon gegriffen und sich eine Expertenmeinung eingeholt. Man landete bei Markus Liebl vom LBV Bayern, der noch ein paar Optimierungsmöglichkeiten für den Lebensraum der Tiere vorschlug.

Golfanlagen bieten Fläche für mehr Biodiversität

Die Kooperation zwischen Naturschutzverbänden und Experten für spezielle Tierarten wird für Deutschlands Golfanlagen in den nächsten Jahren wesentlich. Nachdem über die Honigbiene in vielen Golfclubs der Einstieg in das Thema Biodiversität geschaffen wurde, wird die Thematik „Artenvielfalt“ in der Folge weitere Bereiche und Arten umfassen. Der richtige Umgang mit den Tieren ist dabei essenziell.

„Einen Ameisenhügel einfach umzusetzen, ist keine gute Idee“, erklärt Fleischmann. Dieser werde oft über mehrere Generationen von einem Volk bewohnt. „Das ist, als wenn man einen Flüchtling mal eben umsiedelt.“ Dabei werde auch vergessen, dass die Ameisen eine wesentliche Nahrungsquelle für andere Tierarten darstellen, die ebenfalls bedroht seien – der Specht zum Beispiel. Schon deshalb bieten Ameisenschutzwarte in ganz Deutschland die Inspektion von Ameisenvölkern an, wobei diese oftmals nur schwer zu erkennen sind, wenn es sich nicht um die gut sichtbaren Waldameisen mit ihren großen Hügeln handelt.

Gleiches gilt für die manchmal winzigen Fledermäuse, die in Nebengebäuden von Golfanlagen, Nistkästen oder in Baumritzen zahlreiche Unterschlüpfe finden. Hier bietet der Landesbund für Vogelschutz in den verschiedenen Regionen Deutschland die Bestimmung der Arten an, macht nachts Führungen oder hilft, wenn sich die Tiere an einem extrem unpassenden Platz in einem Gebäude niedergelassen haben.

Daneben sind auch der NABU und der BUND in Sachen Artenschutz aktiv und Ansprechpartner bei Fragen. Im GC Konstanz in Baden-Württemberg zum Beispiel ging die Initiative für eine Kooperation von der örtlichen BUND-Gruppe aus. Früher herrschende Berührungsängste zwischen den Naturschutzverbänden und den Golfanlagen sind damit weitgehend überwunden. Beide Seiten haben erkannt, dass eine Zusammenarbeit eine Win-Win-Situation darstellt, welche die  Artenvielfalt in Deutschland fördert.