Weltklasse geht auch mit wenig Wasser

Die Zielsetzung ist einfach: „Die Spielbedingungen werden von der Natur diktiert.“ Sie klingt alt, überholt, wie aus Zeiten, in denen es hochtechnisierte Beregnungssoftware und -systeme noch nicht gab. Vielleicht, so könnte man mutmaßen, stammt sie von einem Platz,  bei dem es auch an den finanziellen Möglichkeiten mangelt, um die Anlage modern auszurüsten, mit reichlich Speicherteichen zu versehen und auf High-Tech-Niveau zu pflegen.

Nichts davon stimmt: Pinehurst No. 2 ist einer der bekanntesten und besten Golfplätze der Welt. Ein 18-Löcher-Platz im Pinehurst Resort von North Carolina, auf dem die normale Greenfeerunde je nach Saison mit 320 bis 495 Dollar zu Buche schlägt. Und trotzdem stehen die Spieler Schlange.

Wenn Alex Podlogar, für die Resort-Kommunikation zuständig, sagt: „Der neue Leitspruch für Pinehurst No. 2 ist: Die Spielbedingungen werden von der Natur diktiert“, spricht er von einer Kehrtwende in Pflege und Anlage des Platzes, die 2011 begann.

Redesign mit neuer Philosophie

Damals eröffnete der Kurs nach einem Redesign der beiden amerikanischen Golfplatz-Designer Bill Coore und Ben Crenshaw. Das Team hatte einerseits versucht, den natürlichen und historischen Charakter des Donald Ross-Platzes wiederherzustellen, die 18 Löcher daneben aber auch deutlich ressourcenschonender gemacht.

Klassisches Rough spielte bei diesem Ansatz keine Rolle mehr: Die Fairways wurden um bis zu 50 Prozent erweitert, jegliches Rough aus Bermudagras, das in den 1970er Jahren eingeführt worden war, eliminiert. Was blieb, waren nicht mehr abgestuft geschnittene Zonen von Gras, sondern nur noch zwei Höhen von Gras – jenes der Grüns und der Rest. Mehr als 14 Hektar der Fläche, die bis dahin beregnet worden war,  verschwand und wurde durch natürliche Sandflächen, Piniennnadeln und hohe natürliche Gräser aus der Gegend ersetzt. Mehr als 200.000 allein dieser Grasbüschel wurden gesetzt.

Das Redesign hat den Wasserhaushalt des Platzes dramatisch verändert, wobei hinzugefügt werden muss: Auf einem Spitzenplatz vom Kaliber eines Pinehurst No.2 steht in den USA normalerweise jeder einzelne Grashalm perfekt und tiefgrün in die Höhe. Nachdem Crenshaw & Coore 640 Regner ausbauen ließen und die in North Carolina übliche Maßnahme des „Overseedings“, bei der für den Winter neues Gras gesät wird, um das dann  braune Bermudagras zu verdrängen, einstellten, änderte sich die Lage. Statt der früher vorhandenen 1100 Regner gibt es jetzt noch 450, und die finden sich zum Großteil rund um Abschläge und Grüns, weit weniger auf den Fairways.

Wer als Golfer heute einen Schlag in die Mitte der Spielbahn macht, wird mit perfektem Gras belohnt. „Wir haben durch die Mitte der Fairways eine komplett neue Beregnungsreihe gezogen“, erklärte Bob Farren, Direktor für Golf Course and Grounds Management im Pinehurst Resort, gegenüber einem Reporter von Golf Digest. „Aber wir wussten, dass wir keine 100prozentige Abdeckung bei der Beregnung haben würden.“ Stattdessen rollen viele der Bälle in die Außenbereiche und die Sandfläche. High-Tech sei das nicht, sagt Bob Farren. Vielmehr eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Spielweise, wie sie zu Zeiten von Donald Ross, der den Platz 1907 fertigstellte, herrschte: „Wenn ein Ball damals nicht auf dem Fairway landete, endete er nicht in tiefem Rough. Er rollte über harten Sand, was den Platz so einzigartig machte.“

Und: Auf diese Weise ist er extrem ressourcenschonend. 2009 wurden für die Beregnung von Pinehurst No. 2 208 Millionen Liter Wasser verwendet, seit dem Redesign sind es etwa 57 Millionen Liter pro Jahr.

Kaymer gewinnt hier die U.S. Open

Trotzdem hat der Platz die Qualität eines Majorkurses: Martin Kaymer gewann hier 2014 die US Open. Die Grüns waren schnell und hart, die Fairways trocken aber sehr gut in Schuss. Die Trockenheit hatte das Greenkeeping-Team nicht absichtlich herbeigeführt – der wenige Regen vor dem Majorturnier war die Ursache. Als die U.S. Open der Damen einen Monat später stattfand, war der Platz deutlich grüner – es hatte einfach mehr geregnet.

Diese neue Herangehensweise an das Thema Greenkeeping war für die Golfszene Amerikas erstaunlich und ungewöhnlich, sie sorgte für reichlich Aufsehen – aber auch für die Auszeichnung mit den „Green Star Awards for Outstanding Environmental Practices“ im Jahr 2014. „Lernen wie es auch ohne Wasser geht“, titelte das Fachmagazin Golf Digest damals in einem Artikel über die neue Methode.

In Pinehurst hat man diese Herangehensweise schätzen gelernt. Im Umgang mit wenig Wasser hat das Greenkeeping Team von Bob Farren inzwischen reichlich Expertise.

Pinehurst No. 2  zählt übrigens immer noch zu den weltbesten Plätzen. Im aktuellen Ranking von golf.com wird der Klassiker an Position 16 gelistet. First class eben! Das geht auch mit wenig Wasser.