GC München Eichenried: Eine Vision und 100 Bienenvölker

Still ist es auf dem Golfplatz München Eichenried. Kein Golfer weit und breit wegen der Corona-Schließung, aber hier hinten, abseits der Fairways des C-Courses bei den Bienen, ist die Hölle los. „Jetzt legt die Bienenkönigin am Tag mehr als 1000 Eier. 80 Prozent der Bienen, die jetzt schlüpfen, sind Honigbienen“, erzählt Willi Hermann, eigentlich einer der Greenkeeper der Golfanlage, die zu den Leading Golf Clubs of Germany zählt und Ausrichtungsort der BMW International Open ist. Eine Anlage also, die – wie Geschäftsführer Wolfgang Michel betont –  „sportlich top ist und gleichzeitig viel Wert auf Fragen der Nachhaltigkeit, Biodiversität und Umweltschutz legt“.
Die Auszeichnung mit Gold im DGV-Programm Golf & Natur hat man seit Jahren. Greenkeeper Willi Hermann, der gleichzeitig eben auch Imker ist, und seine Bienen, sind quasi die Basis dieser Ausrichtung. „Als ich mit meinen drei Bienenstöcken vor zehn Jahren angefangen habe“, hat das alles noch niemand interessiert, erzählt er. Im Gegenteil, die Vorbehalte waren groß: Stechen die Bienen die Kinder und die Golfer nicht, wofür braucht man die Bienen – und überhaupt ist das ja vor allem mal ein Golfplatz….Gegen-Argumente gab es reichlich.
Inzwischen sind die Bienen fixer Bestandteil der Golfanlage. Hermann hat den Jugendlichen im vergangenen Jahr ein Bienenvolk und seine Arbeits- und Lebensweise genau erklärt. Die Kinder haben ein Turnier ausgespielt, bei dem es Obstbäume als Preise gab. Jetzt Anfang April, sieht man an den Kirschen die ersten Knospen… der Pollen ist bei den Bienen heiß begehrt. „Jetzt werden die Jungbienen fit gemacht“, erklärt Hermann weiter. Er kennt seine Stöcke – „das muss man mit Herzblut und Verstand angehen“.
Mit rund 100 Bienenstöcken ist die Golf-Anlage in Eichenried Spitzenreiter in Deutschland in Sachen Imkerei. „Der Aufwand ist überschaubar“, erklärt Michel, „aber man muss am Anfang eine Vision haben und sich genau überlegen, was man machen will.“ An Hermanns Bienenvölkern nämlich lässt sich leicht erkennen, wie stark die Aufzucht und Pflege nur als Teil eines Gesamtkonzeptes funktionieren kann. „Du brauchst eine unglaubliche Folge von Nahrungsstätten, damit die Bienen tatsächlich das ganze Jahr überleben.“
Kornkirschen, Schlehen, Löwenzahn, Apfel …..hier eine Streuobstwiese, die man mit Hilfe der Allianz Umweltstiftung angelegt hat, dort Lavendel auf der aufgeschütteten Kiesböschung hinter dem Badehaus. Dazwischen Magerrasenflächen, Blumenwiesen, auffällige Einzelbäume – Vielfalt eben. „Früher waren da nur Fairways und einfaches Rough, jetzt haben wir unglaublich viele unterschiedliche Bereiche zu bieten, von denen eben nicht nur die Bienen profitieren. Unser jüngstes Projekt sind Rebhühner, die wir ausgesetzt haben“, resümiert Michel.
Die Biene ist dabei in vielerlei Hinsicht der Ursprung und das Symbol der Hinwendung des Golfsports zu einer besseren Vereinbarkeit von Golf & Natur: Ein ziemlich kleines, ziemlich schutzbedürftiges Tier, dessen Lebensraum in den vergangenen Jahrzehnten gelitten hat – auf Golfplätzen wie hier atmet es wieder auf. „Meine Bienenstöcke hier auf dem Golfplatz bringen doppelt so viel Ertrag wie die, die ich zuhause habe“, erklärt Hermann. Die Vielfalt an Nahrung ist einfach so viel höher.
Mit dem Bürgerbegehren „Rettet die Bienen“ ist auch in Eichenried das Bewusstsein für die Thematik des Artenschutzes in Eichenried noch einmal gewachsen. Eine Arbeitsgruppe „Artenschutz“ mit Mitgliedern kümmert sich jetzt um die Thematik. Bereits 2019 hat der Club ein eigenes Logo „Wir fördern Artenvielfalt“ entwickeln lassen, Mittelpunkt ist eine Biene.
Die sind in Eichenried übrigens bestens aus dem Winter gekommen. „Jeder Stock hat überlebt“, resümiert Willi Hermann, obwohl ein Volk während des Winters zirka 20 Kilogramm Futter benötigt. „Aber ich musste teilweise schon zufüttern“. Mit eigenem Honig natürlich, nicht mit minderwertigem Ersatz.

Willi Hermann im Sommer bei seinen Bienenstöcken (Foto: Gamböck/GCE)

Willi Hermann im Sommer bei seinen Bienenstöcken (Foto: Gamböck/GCE)

Willi Hermanns Tipps für Golfanlagen: 

  • Wer Interesse hat, auf einer Golfanlage Bienenvölker zu halten, sollte zuerst Kontakt mit einem Imker aufnehmen, um sich eine Informationsgrundlage zu schaffen.
  • Nehmen Sie dann Kontakt zum örtlichen Imkerverein auf. Die Person auf der Golfanlage, die für die Bienen zuständig sein soll, belegt am besten einen Imkerkurs, um sich das nötige Grundlagenwissen anzueignen.
  • Versuchen Sie im Imkerverein einen Imkerpaten für Ihre Golfanlage zu gewinnen, der im ersten Jahr bei der Einführung des Bienenprogramms hilft.

Vielfältige Informationen zum Thema Bienen finden sich auf der Website des Länderinstitut für Bienenkunde, das auch zahlreiche Links zu Imkereiverbänden und anderen Instituten anbietet.

Wolfgang Michel, Geschäftsführer, mit dem Honig aus der Club-Imkerei