Profigolf setzt 2022 positive Zeichen bei CO2-Bilanzierung

Die Major-Saison 2022 im Golf ist zu Ende. Mit der Ankündigung der European Tour Group bis 2040 bei den von ihr selbst veranstalteten Turnieren wie der BMW PGA Championship in London die CO₂-Emissionen auf null senken zu wollen, stellt sich die Frage: Wie einfach ist das überhaupt?

Ein Blick auf den Presidents Cup und die Major-Turniere der Damen und Herren in diesem Jahr zeigt sich, dass die großen Golf-Veranstaltungen weitgehend noch am Beginn eines Weges in eine nachhaltige Zukunft stehen. Beim Presidents Cup zum Beispiel gab es ebenso wenig wie bei der PGA Championship kommunizierte Programme zum Thema CO₂-Vermeidung, Plastikreduzierung oder ähnlichem. Beide wurden von der PGA of America veranstaltet. Die USGA als Veranstalter der US Open für Damen und Herren unterzeichnete in diesem Jahr das United Nations Programm Sports for Climate Action und startete mit ersten kleinen Projekten im Bereich Müllvermeidung und Mobilität.

European Tour startet CO₂-Bilanzierung

Ansonsten machte die European Tour im Hinblick auf das Thema CO₂-Neutralität einen großen Schritt in die Zukunft. Bei insgesamt sieben Veranstaltungen im Jahr 2022 wurden die CO₂-Emissionen inklusive des Fan-Verkehrs ermittelt, dazu kommt die Abu Dhabi HSBC Championship im Januar. Bereits Ende des Jahres rechnet man mit den CO₂-Bilanzen der Turniere. Diese können dann im nächsten Jahr verbessert werden. Nachdem die European Tour Group insgesamt rund 20 Turniere veranstaltet und inzwischen bekannt gegeben hat, dass man bis 2040 eine klimaneutrale Bilanz vorlegen will, müssen in Zukunft die Emissionen bei allen Turnieren gemessen werden, um überhaupt eine Verbesserungsgrundlage zu schaffen. Ein Blick auf die Waste Management Phoenix Open und das Dow Great Lakes Bay Invitational in den USA zeigt, dass es in den USA inzwischen zwei Turniere gibt, die im Bereich der Nachhaltigkeit nennenswerte Projekte vorweisen können.

Mit Abstand den größten Aufschlag im Bereich der Nachhaltigkeitsaktivitäten machte der R&A in Schottland als Ausrichter der Open in St. Andrews, der Senior Open und der AIG Women’s Open in Muirfield. Während man sich in Muirfield weitgehend auf das Wasserprojekt zusammen mit den Sponsoren Mastercard und adidas konzentrierte, um die Vermeidung von Plastikflaschen zu optimieren, setzte man bei der Open an zahlreichen Punkten an.

Über die Erfahrungen bei dem Projekt, die CO₂-Emissionen zu ermitteln und zu minimieren, sprachen wir mit Arlette Anderson, Director für Sustainable Golf beim R&A.

Der R&A hat in diesem Jahr den CO2-Abdruck ermittelt. Wie sehen die Ergebnisse der Emissionen bei Scope 1, 2 und 3 aus?

Anderson: Die Berechnungen der CO₂-Emissionen für 2022 sind im Gange.  Es ist sehr zeitaufwendig, sicherzustellen, dass alle korrekten Daten im Anwendungsbereich robust und genau sind.  Als Branche sind wir bestrebt, die Emissionsergebnisse am Ende des Kalenderjahres zu veröffentlichen.  Wir berechnen den CO₂-Fußabdruck von The Open seit 2017 und beziehen ab 2019 Scope-3-Emissionen in unsere Berechnungen ein.

Also haben Sie auch die Anreise der Fans miteinbezogen?

Anderson: Ja.  Da dies einer der wichtigsten Bereiche jeder Großveranstaltung ist, glauben wir, dass es wichtig ist, dass wir dies genau verstehen und messen.  Man muss aber auch erkennen, dass wir von Zeit zu Zeit durch Ereignisse wie Streiks im öffentlichen Nahverkehr erheblich behindert werden.  In diesem Jahr wurden die Durchführung der Open und die Umsetzung unserer Pläne für einen nachhaltigen Verkehr durch die Streiks der Bahnangestellten in Schottland, die zu einem stark eingeschränkten Bahnverkehr in der Woche der Meisterschaft führten, stark beeinträchtigt.  Angesichts der kurzfristigen Ankündigung blieb uns nichts anderes übrig, als eine alternative Anreise nach St Andrews zu empfehlen.  An den Emissionen wird man die Auswirkungen dieses Streiks sehen.

Welche Zahl hat Sie am meisten überrascht?

Die Anreise der Zuschauer ist bei weitem die größte jährliche Auswirkung unserer Meisterschaft und ein Bereich der Emissionen, auf den wir nur begrenzt Einfluss haben und der am schwersten zu beeinflussen ist.  Wir bieten unseren Zuschauern kohlenstoffärmere Transportmöglichkeiten, einschließlich der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, an und ermutigen sie nachdrücklich dazu, und dies hat für uns weiterhin Priorität, da wir Jahr für Jahr nach neuen Wegen suchen, um dies zu fördern.

Welcher Teil der Emissionen kann bei einem Golfturnier am einfachsten reduziert werden?

Unser Greenlinks-Nachhaltigkeitsprogramm ist schon seit vielen Jahren ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung der Open.  Unsere Umstellung von herkömmlichen Dieselgeneratoren auf temporäre Solaranlagen und nachhaltig erzeugtes Flüssiggas (HVO), unterstützt durch effiziente Batteriespeichertechnologie, hat die Kohlenstoffauswirkungen unserer temporären Stromerzeugung erheblich reduziert.  Wenn möglich, versuchen wir auch, vorrangig Strom aus erneuerbaren Energien aus dem Netz zu verwenden.  Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem wir mit unseren Partnern und Lieferanten zusammenarbeiten müssen, um dauerhafte innovative Lösungen zu finden, um die schwierigeren Bereiche unseres CO2-Fußabdrucks, wie z. B. den Frachtverkehr und die Reisen der Spieler und Zuschauer, zu reduzieren.

Wie steht es um die Akzeptanz der Projekte bei den Fans?

95 Prozent der Zuschauer der 150. Open haben mindestens eine Nachhaltigkeitsmaßnahme während der Meisterschaft durchgeführt. Dazu zählen zum Beispiel Recycling oder Kompostierung ihrer Abfälle in den bereitgestellten Behältern, Nutzung der kostenlosen Wassernachfüllstationen und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.  63 Prozent der Teilnehmer wussten über die Arbeit von The Open im Bereich Nachhaltigkeit Bescheid.  Im Jahr 2022 haben wir gemeinsam mit unserem Schirmherrn NTT Data und der Cardiff University ein Projekt durchgeführt, um die Interaktion der Zuschauer mit unseren Nachhaltigkeitsinitiativen besser zu verstehen. Auf Grundlage dieser Ergebnisse wollen wir das Engagement und die Beteiligung in den kommenden Jahren zu verbessern.

Auf welche Weise werden die Profis in das Thema Nachhaltigkeit beim Turnier eingebunden? Die meisten reisen ja mit dem Flugzeug an und nutzen beim Turnier gerne jeweils nur mit einer Person ein eigenes Shuttle-Fahrzeug?

Der Transport der Spieler wirkt sich auf unsere Emissionen und damit auf die CO₂-Bilanz aus, obwohl wir keinen Einfluss darauf haben, wie die Spieler an- und abreisen.  Dank unseres Sponsors Mercedes Benz konnten wir in den letzten Jahren Elektrofahrzeuge für den Transport der Spieler während der Open einsetzen. Wir  bemühen uns, den Anteil der Elektrofahrzeuge in unserer Flotte von Jahr zu Jahr zu erhöhen.  Auch die Golfbuggys, die wir vor Ort einsetzen, sind elektrisch.  Wir hoffen, dass wir auf dem Weg zu einer wirklich nachhaltigen Meisterschaft noch mehr mit den Spielern über ihre eigene Wahl des Transportmittels sprechen können.