Marine-GC-Sylt: Linksgolf heißt Ressourcen sparen

„Der Marine-Golf-Club Sylt möchte seinen Mitgliedern und Gästen die Faszination des Linksgolf nahebringen.“ Der Ankündigung auf der Website folgt das Live-Erlebnis auf dem Golfplatz, der sich in direkter Nähe des Flugplatzes auf Sylt befindet. Tatsächlich trifft man auf Topfbunker, die klassisch verteidigten harten Grüns, auf Täler und Wellen, die sich durch die Fairways ziehen. Der Wind pfeift, die Bälle rennen über den Boden, Bäume sind eher selten hier. Allein den Dünen seitlich der Fairways sieht man bei genauerem Hinsehen an, dass es sich hier nicht um natürliches Dünengelände handelt, sondern um eine Landschaft, die erst durch den Bau des Golfplatzes gewachsen ist.

Der älteste Club auf Sylt entstand mit der Royal Air Force, die hier als Besatzungsmacht lange einen Flugplatz unterhielt. Man baute erst sechs, später neun Löcher. Als die Briten abzogen, übernahm die Bundeswehr. Als diese 1989 die Insel komplett verließ, konnte der Golfclub das Gelände kaufen. „80 Hektar sind das insgesamt“, erklärt Roland Grüger, der sich im Vorstand um das Thema Platz kümmert. „Golf & Natur“, das Zertifizierungsprogramm des Deutschen Golf Verbandes, betreut er hier von Beginn an. Der Marine-Golf-Club wurde 2011 als erste Anlage Schleswig-Holsteins mit dem Gold-Zertifikat ausgezeichnet.

Für Grüger gibt das raue Klima der Insel die Zielsetzung aller Maßnahmen vor: „Wir haben hier immer wieder mit Wasserknappheit zu kämpfen, gleichzeitig leitet der lehmige Unterboden Niederschläge schlecht ab. Das Ziel ist es, hier mit möglichst wenig Dünger und Pflanzenschutz gute Spielbedingungen herzustellen.“ Als man den Platz erweiterte und die alten Bahnen umbaute, waren anspruchslose Festuca-Gräser erste Wahl. Sie brauchen wenig Wasser, kommen mit dem rauen Klima aus. Jenseits der Fairways wurde neben Wiesen im flachen Bereich in den Dünen viel Strandhafer gepflanzt, in manchen anderen Ecken außerdem die Heide renaturiert. „Glockenheide, Besenheide, Erika, das entwickelt sich eigentlich alles ganz gut hier“, resümiert Grüger. Schafe zur Pflege der Roughbereiche hat man in den vergangenen Jahren immer wieder eingesetzt, auch das passte zum Linksgolf-Konzept.

Linksgolf steht für wenig Wasserkonsum

Die Optimierung der Beregnung, der Einsatz von einzeln steuerbaren Regnern ist ein langfristiges Projekt, das der Club im Bereich des Wassermanagements verfolgt. „In den Sommermonaten ist es hier üblich, auf Fairways zu spielen, die eher bräunlich sind“, stellt Grüger fest. Ein Problem in der Außenkommunikation sei das nicht. Das Thema Linksgolf werde beim Golfer ohnehin nicht mit tiefgrünen Bahnen verbunden.

Dass das Management des Golfsports auf Deutschlands nördlichster Insel kein einfaches Gewerbe ist, lässt sich bei einem Gang über den Platz leicht erkennen: Ein Naturschutzgebiet schließt sich an den Golfplatz an, einen Fahrradweg möchte die Gemeinde bauen. Die Golfanlage selbst würde gerne einen Kurzplatz und ein verbessertes Übungsgelände einfügen. Flächen müssen getauscht werden, der Naturschutz hat ohnehin oberste Priorität. Andererseits spielt eben auch der Tourismus eine wichtige Rolle. Letztendlich beschäftigt auch die Frage, wie man Greenkeeping-Personal auf die Insel mit ihren hohen Lebenshaltungskosten bekommt, die Club-Verantwortlichen immer wieder. Die Nachhaltigkeitsfragen, welche die Insel Sylt seit geraumer Zeit prägen, spiegeln sich hier eben wie in einem Minikosmos wieder.