Golfpark Weiherhof im deutschen Saarland: Fichtenstümpfe aus einem Wald dienen nun als ökologischer Lebensraum

Lebensraum Totholz: Ein Universum für Insekten

Mächtige Wurzeln, jenseits der Spielbahnen im Gelände des Golfpark Weiherhof verteilt. Ein toter Baumstamm, der aus der Spielbahn des Teichs an Bahn 13 des Golf & Country Club Zürich reicht, ein weiterer, der versunken im Wasser an Bahn 3 liegt: Totholz, so der Münchener Golfplatzdesigner Thomas Himmel wird im Rahmen der naturnahen Gestaltung der Ausgleichs- und Wasserflächen immer häufiger platziert, damit es Insekten, Vögeln und Pilzen Lebensraum bietet.

NABU oder Naturschutzbehörden, die den Neubau oder Umbau eines Platzes begleiten, weisen dabei immer auf den ökologischen Wert von Totholz hin, das vom Golfer selbst allerdings in der Vergangenheit oft als „nicht weggeräumt“ oder als „Unordnung“ verstanden wurde, erläutert Himmel. „Am Weiherhof hatten wir relativ viele Baumstümpfe zur Verfügung, weil ein nicht wertvoller Fichtenwald für die Erweiterung des Platzes gerodet wurde, mit Hilfe des NABU haben wir das Totholz über die komplette Anlage verteilt. Vieles davon ist gar nicht in Sichtweite, weil es deutlich außerhalb der Spielflächen liegt.“

Totholz dient Insekten als Wirt, Pilze wachsen darauf und Vögel nützen es zum Nistbau. Insofern sind auch Stämme, die aus dem Wasser ragen, oft nicht nur optisch sehr reizvoll, sondern obendrein für die Förderung diverser Tierarten sinnvoll. Wobei man unterscheiden muss: Totholz unterscheidet sich in der ökologischen Wertigkeit durchaus. Insekten bevorzugen Eichen oder Weiden als Lebensraum, auf Buchen und Fichten können besonders viele Insekten nachgewiesen werden. Wer deshalb über die Verwendung von Totholz auf der Golfanlage nachdenkt, sollte auch folgende Faktoren berücksichtigen:

  • Je nach Baumart variiert der Abbauprozess des Holzes. Bei Eichen dauert er bis zu 80 Jahre, bei Pappeln, Weiden und Birken dagegen nur 10 bis 20. Buche und Kiefer liegen mit 30 bis 50 Jahren dazwischen. Je länger die Zersetzung braucht, desto besser für die Unterstützung von Mikroorganismen.
  • Je größer der Baumstamm, desto mehr Vogelarten können dort nisten. In schlanken Baumstämmen finden große Vögel keinen Platz. Außerdem brauchen auch größere Käfer über lange Zeit genügend Nährstoff, der sich eher in großen Stämmen findet. Gleiches gilt für das Moos: Je dicker der Stamm, desto länger die Zersetzungszeit, desto mehr Nährstoff steht zur Verfügung.
  • Das Mikroklima im Totholz, das im Inneren für Feuchtigkeit sorgt und damit Amphibien und Schnecken im Winter vor dem Austrocknen schützt, wird ebenfalls von der Größe sowie vom Standort bestimmt.

Eine kleine Wissenschaft für sich also. Generell aber gilt: Die Nutzung von Totholz schafft auf jeden Fall ökologische Lebensräume. Ein einziger Baumstumpf oder Stamm wird vielfältig von Pflanzen und Tieren genützt.  Und: Totholz kann – richtig eingesetzt – auch optisch einen Mehrwert für eine Golfanlage bringen. Und das über Jahrzehnte hinweg.

Im Golf & Country Club Zürich in der Schweiz wurde zur ökologischen Aufwertung eines Teiches Totholz im Wasser versenkt.