Kein Problem mit der Energiekrise

Alle reden über die Energiekrise. Über Stromrechnungen, die sich vervierfachen. Über Clubhäuser, die nicht mehr beheizt werden können. Über Kosten und über Krisensitzungen der Vorstandschaft. Und doch fällt das Bild weit differenzierter aus, wenn man nach einer achttägigen Deutschlandtour und dem Besuch bei mehr als einem Dutzend Golfplätzen eine Energiebilanz zieht: Weit mehr Anlagen als vermutet sind beim Thema Energie vergleichsweise entspannt, weil sie bereits vor Jahren begonnen haben, auf sparsamen Ressourcenverbrauch oder alternative Technologien zu setzen. Das Bild, das sich dem Besucher auf dieser Reise zwischen Kiel in Schleswig-Holstein und Straubing in Niederbayern zeichnet, ist extrem vielfältig.

Vor 20 Jahren neu gedacht

Das Auffälligste daran: Anders als sonst so oft im Golfsport finden sich auf der einen Seite nicht die erfolgreichen, großen Anlagen aus deutschen Bestenlisten und auf der anderen Seite die kleinen Golfclubs, die kaum jemand kennt. Das Bild ist vielmehr bunt gemischt: Da ist der bayerische Top-Club, der auf der Suche nach der Energieoptimierung jetzt erst einmal analysieren muss, auf welche Einzel-Stromfresser sich die Rechnung von rund 150.000 Euro überhaupt aufteilen wird. Und da ist eine Durchschnittsanlage wie die des GC Altenstadt in Hessen, bei der die Investoren in vielen Bereichen selbst Hand angelegt haben: „Die Wärmepumpenheizung hatten wir von Anfang an, die Photovoltaikanlage mit 80 Kilowatt-Peak auf dem Dach haben wir auch schon ein paar Jahre. Vier E-Ladesäulen werden darüber ebenso gespeist wie alle Carts, die Bürogebäude und die Gastronomie.“ Warum das so ist? „Unser Investor hat sich von Beginn an für das Energiethema interessiert“, erklärt Clubmanager Markus Rott. Er wirkt ziemlich entspannt, wenn es um das Thema Stromkosten geht.

Photovoltaik in vielen Clubs vorhanden

Der GC Altenstadt ist keine Ausnahme: Im GC Attighof, nur eine halbe Stunde weiter weg, hat man auch seit mehr als 20 Jahren eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Die Holzheizung wird weitgehend mit Holz aus dem Waldbestand auf der Golfanlage befeuert. „Leider kämpfen wir hier mit dem Fichtensterben, aber immerhin können wir die Fichten dann selbst für die Heizung nutzen, erklärt Clubmanager Daniel Deutschmann. Knapp 600 Kilometer weiter oben im Norden steht Dieter Kollwitz vor den diversen Gebäuden der 27-Löcher-Anlage Golf am Donner Kleve und blickt auf die Dächer. Photovoltaik-Module, wohin man blickt. Der Gründer der Golfanlage und seine Partner haben jedes der Dächer vermietet, beziehen den Strom dann aber von den Mietern. Das Geschäftsmodell ist seit Anfang des Jahrtausends eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Wer in Deutschanlagen Golfanlagen in Serie besucht, stößt häufig auf Photovoltaikanlagen. Anfangs wurden sie gebaut, weil man mit der Einspeisung von Strom Geld verdienen konnte. Inzwischen ist neben dem rein finanziellen Aspekt die angenehme Sicherheit gewachsen, über einen Teil Autarkie im Energiemarkt zu verfügen. Wenn dann noch eine Wärmepumpe oder eine Grundwasserwärmepumpe dazukommt, wie etwa Beispiel auch beim GC Gäuboden in Straubing, fällt die Bilanz ganz positiv aus: „Diese Wärmepumpe war schon vor mehr als 20 Jahren für unsere Ansprüche energetisch sinnvoll“, resümiert Betreiber Florian Erhardsberger. Diese Aussage gilt heute um so mehr.

Wenig Dünger, wenig Mahd, wenig Diesel

Erfreulicherweise sorgt die Photovoltaikanlage des Clubs auch dafür, dass der elektrische Grünmäher ebenfalls durch eigenen Strom befüllt wird. „Das klappt primat mit den Akkus“, resümiert Head-Greenkeeper Robert Färber. Er kommt dann auch gleich zum Punkt: „Die meiste Energieeinsparung hast Du, wenn Du gar nicht mähst.“ Zu starke und falsche Düngung tragen genauso wie Überwässerung zu übermäßigem Graswuchs bei. Färber, dem in Bayern der Ruf vorauseilt, mit die besten Grüns in der Region abzuliefern, ist ein heftiger Verfechter eines sehr zurückgenommenen Einsatzes von Düngemitteln und Wasser. Das erstklassige Rollverhalten des Balles auf dem Grün gibt ihm recht.

„Erst zahlt man den Dünger, dann zahlt man Diesel und die Arbeitskraft und dann noch die Fungizide, weil man mit Krankheiten kämpft“, erklärt er den Hexenkreislauf, den er vermeiden will. „Wir düngen hier nicht auf Wachstum, und die Devise für das Gras ist brown is beautiful.“ Der Dieselverbrauch auf der Anlage hält sich in Grenzen.

Färber ist erkennbar bester Dinge, als er all‘ das erklärt. Von den Brüdern Erhardsberger, die Betreiber der Golfanlage sind, erntet er ein beifälliges Nicken. Von Krisenstimmung keine Spur.

Langfristige Verträge statt kurze Deals

Nach einer achttägigen Tour durch Deutschland, die natürlich nur einen kleinen Querschnitt liefert und keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, bleibt ein Eindruck: Beim Thema Energie kann von einer breiten Krisenstimmung in der deutschen Golfszene keine Krise sein. Keineswegs stützt sich die Branche allein auf Öl und Gas. Und selbst bei jenen Anlagen, die dies seit Jahrzehnten tun, trifft man dann noch auf einen Clubmanager einer anderen bayerischen Top-Anlage, der mit einem Lächeln sagt: „Wir haben erst letztes Jahr einen 5-Jahres-Vertrag abgeschlossen, weil die Preise so gut waren.“ Da wollte man lieber langfristige Sicherheit haben als kurzfristig Jahr für Jahr dem nächsten Deal nachzujagen. Auch das, so hat sich inzwischen herausgestellt, war die richtige Strategie.