Green Eagle: Turniergolf plus Tierhaltung

Irgendwie wurden es immer mehr – die Hühner, die Schafe, die Ziegen, die Enten, der Hund. Die Golfanlage von Green Eagle am Rande der Lüneburger Heide ist ihr Zuhause. Es ist eine der deutschen Vorzeigeanlagen, die der interessierte Golfer als Austragungsort der Porsche European Open kennt, die dort auf dem Porsche Nord Course stattfindet. Allein das lässt keinen Zweifel daran, dass es auf der 36-Löcher-Anlage zuerst einmal um hochqualitatives Golf geht.

Green Eagle Nature als Gastronomie-Konzept 

Daneben aber ist es eine naturnahe und nachhaltige Herangehensweise an die Bewirtschaftung der Anlage, die Alexandra Schöning und Michael Blesch als Betreiber wichtig sind. Insofern geht es hier eben auch um Tiere. Zum Beispiel um die 300 Hühner, die jeden Tag gut eineinhalb Stunden Arbeitskraft binden, die aber ein fester Bestandteil des Projektes „Green Eagle Nature“ sind, dem sich Schöning und Blesch seit 2016 verschrieben haben. „Wir haben einfach ein Thema bei der Tierhaltung“, erklärt Schöning. Naturnahe und regionale Tierhaltung ist ihnen wichtig, weshalb sie in Sachen Hühnerhaltung selbst tätig geworden sind. Wer in der Gastronomie einkehrt, isst Eier und Hühner aus „Bleschi’s Chicken Club“.  Das Gemüse stammt von Bauer Peters nebenan, Fleisch- Geflügel- und Wurstprodukte von Bioland-Höfen aus der Region.

Hinter dem ersten Abschlag des Porsche Nord Courses weiden die Herford-Rinder aus der Familienzucht von Hans-Dieter Albers – Luhdorfer Weiderind heißt der Fachbegriff, den man auf der Speisekarte findet. Die Enten leben in der Nähe der Maschinenhalle, die Schafe ziehen mit ihrer Schäferin ohnehin über das ganze Gelände.

Mehr Aufwand und höhere Preise finden Akzeptanz

Auf der Speisekarte der Golfanlage sind fast alle Gerichte „zu 100 Prozent aus Lebensmitteln zubereitet, welche vor allem aus extrem naturnaher Tierhaltung stammen, regional angebaut wurden oder in Bioqualität sind“, erklären die Betreiber. Das kostet, weil es arbeitsintensiv ist und eben nicht auf Masse ausgelegt. „Am Anfang haben unsere Mitglieder ein wenig geschluckt, weil die Preise höher waren“, resümiert Schöning. „Inzwischen haben sie sich daran gewöhnt.“ Wer die Gesamt-Konzeption einmal verstanden hat und den Tieren obendrein bei den Golfrunden immer irgendwie begegnet, fängt an ein Verständnis für die Herangehensweise zu entwickeln.

Das gilt auch für die Schafe, rund 500 insgesamt, die aus der Schäferei Wümmeniederung von Nicole und Holger Benning aus der Lüneburger Heide stammen. Die Schäferei kümmert sich vor allem um den Erhalt alter Rassen, weshalb man im Rough von Green Eagle nicht nur auf die bekannten Heidschnucken stößt, sondern eben auch auf Bentheimer Land- oder Coburger Fuchsschafe.

Schafe sorgen für Auslichtung im Rough

Auf Golfplätzen werden Schafe oftmals eingesetzt, sie übernehmen gerade im Roughbereich einen Teil des Greenkeepings, weil sie sich zum Beispiel für Löwenzahn oder Gänseblümchen begeistern können, die Bereiche licht halten und ausmagern. Ab und an verschlägt es die zwei Herden, die sich auf den Porsche Nord Course und den Süd Course verteilen auch auf Fairways und Grüns. Kein Problem lassen die Besitzer wissen, die scharfen Hufklauen der Schafe sorgen dafür, dass die Sprossen der Graswurzeln gekappt werden und neue Halme wachsen. Um die Kollision mit den Golfern zu vermeiden, halten sich die Herden aber ohnehin weitgehend in den Bereichen jenseits der reinen Spielfläche auf.

Die Schäferin, die Anfang August die Oberaufsicht über die beiden Herden übernommen hat, kennt inzwischen nicht nur die Vorlieben der Schafe sondern auch die Gepflogenheiten der Golfer. Man kommt bestens aus miteinander. 500 Schafe auf einer 36-Löcher-Anlage – kein Problem, lautet das Fazit von Schöning. Am Ende ist die Tierhaltung auf dem Golfplatz eben eine Frage der Einstellung, der Flexibilität und des Wollens. In Green Eagle jedenfalls hat man einen Weg gefunden, die Thematik artgerechte Tierhaltung mit in das Clubkonzept miteinzubeziehen. Es ist Mehraufwand, aber irgendwie sorgt der einfach für ein gutes Gefühl.

Fotos/Video: Stefan von Stengel/Green Eagle