Der Golfplatz als Brutplatz: Storchenpaare sind wählerisch

Hans Albert macht Pause. Der Sendestorch des NABU, der den Winter wie üblich auf einer Mülldeponie in Spanien verbracht hat, ist inzwischen auf der Rückreise Richtung Deutschland. So wie alle Störche, die gerade dabei sind aus  ihren Winterquartieren nach Deutschland zurückzukehren.

Im Golf Club Großensee nahe Hamburg hofft man darauf, dass sich eines der Storchenpaare in diesem Jahr für das Nest nahe der Driving Range als Brutplatz entscheidet. Greenkeeper Heiko Tock hat zusammen mit zahlreichen anderen Helfern erst einmal ein Genehmigungsverfahren und dann einen sehr aufwändigen Aufbau der hohen Storchennest-Stangen hinter sich gebracht, um den Tieren einen perfekten Brutplatz zu bieten. Das Nest wurde sogar farbig bespritzt, um den Eindruck zu erwecken, es sei bereits bewohnt worden.

Die Ansiedlung von Störchen, von vielen Golfanlagen in Deutschland gewünscht, ist schwierig. „In vielen Clubs gibt es dafür auch Spenden, aber wenn die Lebensbedingungen nicht stimmen, dann nützt es alles nichts“, erklärt Dr. Gunther Hardt, beim Deutschen Golf Verband für das Thema Biodiversität zuständig. „Bevor man hier Geld für ein Storchenrad in die Hand nimmt, sollte man sich mit professioneller Hilfe zum Beispiel vom NABU informieren, ob es überhaupt Sinn macht, die Maßnahme aufzusetzen.“

Beispiele für erfolgreiche Storchenansiedlungen auf Golf-Anlagen gibt es durchaus – manchmal in durchaus skurriler Form: Auf der Starkstromleitung des GC St. Leon-Rot an der Driving Range nistet seit Jahren ein Paar. Insgesamt hat die Golfanlage drei Nester. Sie sind alle besetzt, finden hier allerdings mit zahlreichen Feuchtflächen und großen extensiven Bereichen perfekte Lebensbedingungen vor.  Nicht weit davon entfernt, auf dem Gelände des Golfplatz Heddesheim, wurden ebenfalls immer wieder Brutvögel gesichtet.

Die Ansiedlung hier haben Ornithologen schon 2012 genauer untersucht. „Offensichtlich sind die Nahrungshabitate der Storchenpaare auf dem Golfplatz und in dessen Umgebung ergiebig genug, um die gesamte dortige (kleine) Storchenpopulation zu ernähren“, resümierte Autor Dietmar Matt in den Ornithologischen Mitteilungen. Regenwürmer, Heuschrecken, Mäuse und Kleinsäuger zählen dort zur Nahrung der Storchen, für die der Head-Greenkeeper Robert C. Coombe 2009 einen zehn Meter hohen Holzmast aufstellte. Die naturnahe Fläche darum ist etwa einen halben Hektar groß.

Trotz aller Bemühungen lässt sich die Ansiedlung von Störchen nicht planen. Ansonsten hätte wohl längst ein Paar an Bahn 12 des GC Hubbelrath gebrütet:  Dort steht seit Jahren ein Storchenrad, direkt darunter findet sich das größte Grasfroschvorkommen Düsseldorfs. Trotzdem hat es mit dem Brüten eines Storchenpaares auf der Golfanlage noch nicht geklappt: „Die haben ihren eigenen Kopf. Wenn sie nicht wollen, dann wollen sie eben nicht,“ resümiert Gerd Thörner, der sich um das Thema Biodiversität auf der Traditionsanlage kümmert.

Chancen für die Ansiedlung von Storchen-Brutpaaren gibt es also auf jeden Fall: Gut möglich, dass auf so manchem Golfplatz, vor allem dann, wenn er in der Nähe weitläufiger Überschwemmungsgebiete liegt, ein Storch vorbeikommt. Wer einen Storch sichtet, kann dies übrigens über die Website naturgucker.de melden, so dass die Beobachtung in ein europaweites Datennetz einläuft.