Landschaftsanalyse beim Münchener GC: Golfplatz fördert Lebensräume

Er gilt als stadtnah, als „der“ Münchner Golf Club: Die 27-Löcher-Anlage des Münchener Golf Clubs liegt tatsächlich nicht weit entfernt von den südlichen Ausläufern der bayerischen Hauptstadt. Pullach oder Solln sind vielleicht zehn Minuten mit dem Auto entfernt, dann fährt man auf der Landstraße hinaus in eine Gegend, die fachgerecht als „Jungmoränenlandschaft des Ammer-Loisach-Hügellandes“ bezeichnet wird. Als Laie empfindet man die Gegend als leicht wellige Wiesenlandschaft, in der sich Äcker und Wälder mit kleinen Orten und eben einem Golfplatz abwechseln.

Wie lässt sich eine Golfanlage wie diese, die 1963 in Straßlach-Dingharting zuerst mit einer Driving Range und 1964 mit den ersten 18 Löcher eröffnet wurde, unter dem Aspekt der Biodiversität des Geländes beurteilen? Die Studenten Krishna Cholleti und Francesca Simonetto haben sich 2018/2019 im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Technischen Universtität München Weihenstephan mit dieser Frage auseinandergesetzt und dabei auf die Methodik einer historischen Landschaftsanalyse zurückgegriffen.

Wie entwickeln sich Landschaftselemente in und um einen Golfplatz? 

Anhand von Kartenmaterial wurde dabei nicht nur die Entwicklung des Golfplatzgeländes an sich sondern auch der nähere Umgebung analysiert, schließlich sind auch die Auwälder der Isar nicht weit weg. Und: Die Golfanlage liegt innerhalb eines Landschaftsschutz- und Trinkwasserschutzgebietes. Die dritte 9-Löcher-Schleife des Platzes, der sogenannte C-Kurs, kam übrigens erst später hinzu – er wurde 1996 eröffnet.

Wichtig für die Analyse der Wertigkeit eines Golfplatzes im Hinblick auf die Biodiversität ist dabei die Menge und Vielfalt der Landschaftselemente: Gemeint sind Bäume, Baumreihen oder Hecken, Gewässer oder auch Äcker. Je größer und vielfältiger die Kombinationen desto wertvoller ist das Gelände, weil mehr Pflanzen, Tiere und Insekten hier einen Lebensraum finden.

Der Blick 150 Jahre zurück ergab für die Autoren ein eindeutiges Bild: 1864 zeigen die Karten auf dem heutigen Golfplatzgelände vorrangig Äcker, die bis 1951 aber weitgehend durch Grünland abgelöst wurden. Rund um das Golfplatzgelände entstehen vermehrt Gebäude, Bäume werden gepflanzt.

Seit der Fertigstellung der 27-Löcher-Anlage hat sich das Bild deutlich gewandelt: Die ursprünglich harten Übergänge aus Wald und offener Landschaft sind weicher geworden. Mehrere Teiche sind auf dem Gelände sind zu finden, dichte Gehölze, Hardroughs aber auch Einzelbäume haben in der Fläche auf den älteren 18 Löchern deutlich zugenommen.

Positive ökologische Bilanz 

Zahlreiche Arten profitierten laut den Autoren davon: Einzelne Großbäume „sorgen beispielsweise durch Windschutz oder Schatten für eine mikroklimatische Differenzierung.“ Brutplätze für Greifvögel entstehen, Vögel finden Deckung. Fledermäuse, die Haselmaus oder der Siebenschläfer profitieren von altem Baumbestand.

Positiv bewertet werden in der Studie auch die Streuobstbäume auf dem Gelände, die vor allem für Insekten, Kleinsäuger und Vögel einen Lebensraum schaffen. Bei den Teichen ist Cholleti und Simonetto der Hinweis wichtig, dass eine Verbindung zu Gebüschen und Wäldern bestehen sollte, damit sie als „Trittsteinbiotope zu weiteren Gewässern in Großdingharting, Beigarten sowie der Isar fungieren.“

In der Gesamtheit betrachtet fällt die Bilanz der Autoren positiv aus: Die ökologischen Bedingungen auf dem Golfplatz haben sich sowohl im dichten Gehölz als auch bei Einzelgehölzen verbessert. Die größte ökologische Vielfalt wird den Hardroughs bescheinigt, die sich auf dem ursprünglichen 18 Löcher-Platz vergrößert haben und vor allem oft miteinander vernetzt sind.  Der neuere C-Kurs ist in in Sachen Biodiversität noch nicht ganz so weit – entwickelt sich aber offensichtlich ebenfalls positiv.

Entscheidend ist die Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen und deren Beschaffenheit – sie haben die Biodiversität auf dem Gelände offenbar deutlich erhöht. Das reine Ackerland vor 150 Jahren war verglichen damit wenig wertvoll.

Golf trifft Wissenschaft

Biodiversität und Golfplätze – Historische Landschaftsanalyse der Golfanlage München-Straßlach, Krishna Cholleti & Francesca Simonetto, TUM Weihenstephan, Bachelor Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung, Lehrstuhl für Renaturierungsökologie, Prof. Dr. Johannes Kollmann, WiSe 2018/2019