GC Memmingen ist ein Vorzeigemodell bei Wildbienen

Beim Thema Wildbienen ist der GC Memmingen Gut Westerhart ein Vorzeigemodell. Der Wildbienenspezialist und Biologe Sebastian Hopfenmüller von der Universität Ulm machte im Rahmen des Programms „Golf & Natur“ eine Bestandsaufnahme in Sachen „kleine Brummer und Hüpfer“. Drei Wiesenbereiche und eine kleine Blumen-Ansaat wählte der Experte als Untersuchungsflächen aus. Das Ergebnis war nicht nur für den Spezialisten positiv überraschend:

60 Wildbienenarten auf einem Golfplatz

Insgesamt gingen dem Experte 60 unterschiedliche Wildbienenarten, die auf dem Golfplatz ihr „zu Hause“ gefunden haben, in den Kescher. Drei davon stehen laut Hopfenmüller auf der „Roten Liste“, in der gefährdete Arten aufgeführt sind. Dies sind die in Bayern vom Aussterben bedrohte Waldrand-Wespenbiene (Nomada facilis) und die deutschlandweit gefährdete Pippau-Sandbiene (Andrena fulvago) sowie die Zweihöckrige Mauerbiene (Osmia leaiana).

„Ein besonders bemerkenswerter Fund ist die vom Aussterben bedrohte Waldrand-Wespenbiene, die in Bayern sehr selten vorkommt. Ich habe leider nur ein einzelnes Männchen gefunden“, sagt der Biologe.  Der Lebensraum der Waldrand-Wespenbiene sind blütenreiche Waldränder und magere Wiesen. Als sogenannte Kuckucksbiene ist diese Art auf die Anwesenheit von „Wirtsarten“ angewiesen, zu denen die Pippau-Sandbiene gehört, die ebenfalls auf dem Golfplatz gefunden wurde. Die zweite „Wirtin“, die Gewöhnliche Dörnchensandbiene (Andrena humilis), hat der Experte in Westerhart nicht entdeckt.  Dafür stehen drei weitere Arten, die er während seiner Exkursionen auf dem Golfplatz begutachten konnte, ebenfalls auf der Vorwarnliste für Bayern bzw. Deutschland.

Aktion übertrifft Erwartungen des Spezialisten

Wie der Fachmann in seinem sechsseitigen Bericht ausführt, fand er acht weitere Wildbienen-Arten, die es auf die Pollen spezieller Pflanzen abgesehen haben. Drei von ihnen sind auf Korbblütler spezialisiert, zwei auf Glockenblumen, zwei weitere Arten auf Schmetterlingsblütler wie Wicken und Platterbsen und eine Art, die Reseden bevorzugt. (Resede oder Wau genannt, ist eine Pflanzengattung in der Familie der Resedagewächse. Sie ist die einzige in Mitteleuropa vorkommende Gattung dieser Familie. Anm. der Red.) Die Pippau-Sandbiene (Andrena fulvago) mag Korbblütler und besucht gerne Pflanzen wie Pippeau, Habichtskraut, Löwenzahn und Ferkelkrau. Sie lebt an Waldrändern, Hecken und auf magerem Grünland und benötigt kahle oder schütter bewachsene Bodenstellen, um ihre Nester anzulegen.

„Die Aktion hat meine Erwartungen übertroffen. Ein solch breites Artenspektrum habe ich auf einem Golfplatz nicht erwartet“, sagt der Biologe, der auf vier ausgewiesenen Untersuchungsflächen des Golfplatzes unterwegs war. Tiere, die er vor Ort bestimmen konnte, ließ er nach der Begutachtung wieder frei, alle anderen wurden mit Ethylacetat abgetötet und anschließend im Labor präpariert und bestimmt.

Wie fördert man Wildbienen?

Grundsätzlich hat die Golfanlage Gut Westerhart, die sich westlich von Memmingen im Naturraum „Unteres Illertal“ befindet, viel für die Förderung der Artenvielfalt getan. Der Golfplatz umfasst 75 Hektar. Das gesamte Gelände ist von vielen Gehölzreihen und -inseln durchzogen. Im östlichen Teil der Anlage befindet sich eine ausgedehnte Streuobstwiese mit alten Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume. Im Herbst 2020 wurden weitere 50 junge Obstbäume gepflanzt.  Mehrere stehende Gewässer sind die Heimat von zahlreichen Seerosen.

Biologe Hopfenmüller rät daneben zu weiteren Projekten: So könne man durch zusätzliche Nist- und Nahrungsressourcen die Wildbienenvielfalt auf dem Golfplatz noch deutlich steigern. Die Ausbreitung der nicht einheimischen Vielblättrigen Lupine (Lupinus Polyphyllus) sollte unbedingt verhindert werden, da sie seltene Pflanzen – wie zum Beispiel Orchideen – verdrängt. „Auch für offene Bodenstellen, Nisthügel oder angelegte Sandbereiche im gewissen Abstand zu den Spielbahnen wäre noch genügend Platz“, erklärt der Experte, der auch darauf hinwies, dass die sogenannten „Bienenhotels“, die oft zu sehen sind, für Wildbienen nichts bringen.

Bezuschussung der Bestandsaufnahme

Die Aktion „Wildbienen“  auf dem Memminger Golfplatz wurde von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Unterallgäu zu 50 Prozent bezuschusst. Der Golfclub dankte Katharina Grimm für die hervorragende Zusammenarbeit, die hoffentlich, so Christian Montén, weiterhin Früchte tragen werde. „Die Wildbienenkartierung war ein unerwarteter Erfolg. Wir sind begeistert“, schwärmt der Clubmanager.

Im Laufe des Jahres 2021 sollen zehn weitere Bienenvölker auf dem Golfplatz angesiedelt und zusätzliche Nistkästen aufgehängt werden. Das Gras, das beim Mähen anfällt, soll als Bioheu verkauft werden. Des Weiteren ist daran gedacht, Führungen durch die „Landschaftsoase Golfplatz“ anzubieten, um Interessierte über die Naturschutz-Maßnahmen des Clubs zu informieren. Im Herbst wollen die Westerharter Golffreunde die Äpfel und Birnen zu Saft verarbeiten lassen. „Wir schätzen und schützen die Natur, denn ohne sie macht ein Golfplatz keinen Sinn“, resümiert Hermann Kutter, Ehrenpräsident und Erbauer des Golfplatzes. Das Engagement trägt Früchte: Der GC Memmingen Gut Westerhart zählt auch zu den ersten zehn Golfanlagen in Bayern, die im Rahmen des Blühpakts Bayern ausgezeichnet wurden.

Text: Jürgen Rasemann