Ralf Czajkowski aus Bad Hersfeld ist seit vielen Jahren branchenübergreifend als freiberuflicher Fördermittelexperte tätig. In den vergangenen zwei Jahren hat er auch zahlreiche Golfclubs beraten, die als eingetragene Vereine organisiert sind. Wir wollten wissen: Was können deutsche Golfclubs aus diesen Erfahrungen lernen?
Sie haben in den vergangenen zwei Jahren mindestens acht deutsche Golfanlagen im Fördermittelmanagement beraten oder bei der Projektentwicklung begleitet. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?
Czajkowski: Es war und ist auf jeden Fall interessant. Es gab viele Möglichkeiten, kurzfristig oder längerfristig zu helfen und manchmal zunächst eine Orientierung zu geben. Dabei zeigte sich: Häufig fehlen nicht die passenden Programme, sondern klar beschriebene Projekte, verlässliche Daten und die Zeit, einen Antrag sorgfältig vorzubereiten.
Wie häufig hatten die von Ihnen beratenen Golfanlagen bereits Kontakt mit professionellem Fördermittelmanagement?
Czajkowski: Bei den von mir beratenen Clubs war das eher die Ausnahme. Teilweise waren kommunale Fördermöglichkeiten bekannt, doch auch die Zusammenarbeit mit Stadt oder Landkreis war häufig wenig ausgeprägt. Viele Clubs sind in dieser Hinsicht noch nicht ausreichend vernetzt. Sie waren lange auf sich selbst gestellt und haben deshalb externe Unterstützung bislang kaum als Möglichkeit wahrgenommen.
Wie verschafft sich eine deutsche Golfanlage eine erste Orientierung zum Thema Fördermittelmanagement?
Czajkowski: Zuerst sollte man den IST-Zustand erfassen und klären, welchen Bedarf der Club hat. Erst danach prüft man, welche Förderprogramme dazu passen. Diese Bestandsaufnahme kann ein externer Berater begleiten; auch die regionale Wirtschaftsförderung, die Sportabteilung der Kommune oder der Landessportbund sind wichtige Ansprechpartner. Bei Energiefragen kann ein gefördertes Energieaudit eine belastbare Grundlage schaffen. So entsteht ein Überblick über kommunale und regionale Angebote, Landessportförderung und Bundesprogramme.
Wie kann sich ein Club einen Überblick über Fördermittel verschaffen, ohne sofort einen externen Berater hinzuzuziehen?
Czajkowski: Eine KI-gestützte Recherche kann einen ersten Überblick liefern. Dafür sollte man Standort, Rechtsform und geplantes Vorhaben möglichst konkret beschreiben. Die Ergebnisse müssen anschließend anhand der aktuellen Originalquellen geprüft werden, insbesondere hinsichtlich Antragsberechtigung, Fristen und Förderbedingungen. Für offene Fragen kann man gezielt einen Berater hinzuziehen. Wenn sich im Vorstand eine Person monatlich zwei bis drei Stunden mit der Fördermittelrecherche befassen würde, wäre bereits ein wichtiger Schritt getan.
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Welche Bereiche eines Golfclubs werden durch Förderprogramme abgedeckt?
Czajkowski: Ansatzpunkte gibt es unter anderem bei Kinder- und Jugendarbeit, Sportstätten, Umwelt- und Naturschutz sowie Energie- und Ressourceneffizienz. Beim Thema Wasser, das viele Golfanlagen beschäftigt, ist der Austausch ineffizienter Pumpen ein Beispiel. Im BAFA-Programm zur Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft, Modul 1, sind dafür aktuell 25 Prozent Zuschuss für kleine und 20 Prozent für mittlere Unternehmen vorgesehen. Ob ein Club antragsberechtigt ist und die Pumpe die technischen Anforderungen erfüllt, muss jedoch im Einzelfall geprüft werden. Entscheidend sind außerdem die rechtzeitige Antragstellung und vollständige Unterlagen.
Gerade beim Thema Energie hört man häufig, Energieberater seien schwer zu finden. Stimmt das?
Czajkowski: Wir haben beispielsweise beim GC Fulda festgestellt, dass eine regionale Suche sinnvoll ist. Außerdem sollte man prüfen, ob sich unter den eigenen Mitgliedern ein Energieberater befindet. Ein weiteres Hilfsmittel ist die von der dena betreute Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes. Dort kann man gezielt nach Fachleuten für Nichtwohngebäude sowie Anlagen und Prozesse suchen. Wichtig ist, dass die Qualifikation und die Zulassung zum jeweiligen Förderprogramm passen.
Sie waren bei einigen Clubs bei der Förderung von Speicherteichen aktiv. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Czajkowski: Der Bedarf war bei mehreren Clubs sehr groß. Im KfW-Umweltprogramm gab es für bestimmte Maßnahmen des natürlichen Klimaschutzes Tilgungszuschüsse von 40 bis 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Diese Zuschussförderung wurde zum 31. Dezember 2025 eingestellt; das KfW-Umweltprogramm als Kreditangebot besteht dagegen weiter. Interessant waren Speicherteiche, wenn Wasserrückhalt und eine naturnahe Gestaltung zusammenkamen. Ein zusätzlicher Biotopbereich allein begründete allerdings noch keine Förderfähigkeit. Entscheidend waren das Gesamtkonzept, die fachlichen Nachweise und die jeweiligen Programmvorgaben.
Viele Förderprogramme verlangen einen Eigenanteil, den manche Vereine nicht ohne Weiteres aufbringen können. Gibt es dafür Lösungen?
Czajkowski: Ja, ergänzend zu Zuschüssen kommen Förderkredite infrage. Für gemeinnützige Antragsteller kann beispielsweise der KfW-Investitionskredit Kommunale und Soziale Unternehmen relevant sein. Ob sich damit der Eigenanteil finanzieren lässt, hängt auch von den Bedingungen des jeweiligen Zuschussprogramms ab. Die Hausbank prüft Bonität, Sicherheiten und Rückzahlungsfähigkeit. Eine Haftungsfreistellung ist programmspezifisch und gilt nicht automatisch für jeden Verein. Deshalb sollte man Förderkredite frühzeitig und ausdrücklich im Bankgespräch ansprechen.
Welche Fehler können während eines Projekts dazu führen, dass eine Förderung verloren geht?
Czajkowski: Wichtig sind klare Zuständigkeiten und eine verlässliche Dokumentation. Wechselt der Vorstand während des Förderzeitraums, müssen Projektunterlagen, Fristen und Verpflichtungen vollständig übergeben werden. Wesentliche Änderungen oder Verzögerungen muss man dem Fördermittelgeber rechtzeitig mitteilen und, soweit vorgeschrieben, vor ihrer Umsetzung genehmigen zu lassen. Ein weiterer Fehler ist, Aufträge zu vergeben oder mit dem Bau zu beginnen, bevor die Regeln zum zulässigen Vorhabenbeginn geklärt sind. Auch Mittelabruf und Verwendungsnachweis müssen von Anfang an mitgedacht werden.
Inwieweit können Vereinsverantwortliche, nicht nur im Golfsport, beim Fördermittelmanagement überhaupt den Überblick behalten?
Czajkowski: Meine Erfahrung ist, dass viele Vereine das neben dem Tagesgeschäft nicht dauerhaft allein leisten können. Mehrere Fachgebiete und unterschiedliche Förderstellen müssen gleichzeitig berücksichtigt werden. Sinnvoll ist deshalb eine feste Ansprechperson im Verein, die den Überblick hält und bei konkreten Vorhaben gezielt externe Fachleute einbindet.
Welche Besonderheiten sind Ihnen bei Golfclubs in den vergangenen zwei Jahren aufgefallen?
Czajkowski: Viele Golfclubs sehen sich vor allem als Sportvereine. Zugleich bewirtschaften sie Flächen, betreiben Gebäude und investieren in Technik. Für wirtschaftlich tätige Clubs oder ihre Betreibergesellschaften können deshalb neben der Sportförderung auch Programme der Wirtschafts- oder Regionalförderung infrage kommen. Die Vereinsform allein begründet allerdings noch keine Antragsberechtigung; maßgeblich sind die konkrete Tätigkeit und die jeweiligen Programmvorgaben.
Ein zweiter Punkt ist, dass Förderansätze bei sozialen Angeboten, Kinder- und Jugendarbeit sowie Umwelt- und Naturschutz noch zu selten mitgedacht werden. Dazu können beispielsweise Konzepte zur Entwicklung des Baumbestands und zur Stärkung der Artenvielfalt gehören.
All das erfordert eine langfristige Planung, weil Förderprogramme oft zeitlich oder finanziell begrenzt sind, oder?
Czajkowski: Ja, unbedingt. Für größere Vorhaben ist ein Planungshorizont von zwei bis drei Jahren sinnvoll. Ein Antrag führt nicht automatisch zu einer kurzfristigen Bewilligung. Je nach Programm und Projekt kann die Entscheidung mehrere Monate, bei komplexeren Vorhaben auch sechs bis zwölf Monate dauern. Zuvor müssen Projektbeschreibung, Kosten- und Finanzierungsplan, gegebenenfalls Genehmigungen und weitere Nachweise vorbereitet werden.
Auch auf europäischer Ebene gibt es Förderprogramme für Vereine. Ist das für Golfclubs zu weit gedacht?
Czajkowski: Nein. Man könnte beispielsweise mit Golfvereinen aus Partnerstädten Austausch- und Bildungsprojekte oder gemeinsame Sportveranstaltungen entwickeln. Erasmus+ bietet unter anderem Förderansätze für europäische Sportpartnerschaften. Das ist allerdings kein allgemeiner Zuschuss für Clubreisen oder Turniere: Ziele, Partnerstruktur und Aktivitäten müssen zum jeweiligen Förderaufruf passen. Für viele Clubs wäre das ein sinnvoller zweiter Schritt, nachdem sie Erfahrungen mit deutschen Förderprogrammen gesammelt haben.
Mehr Infos unter czaj@live.de









Fotos: GolfRange Berlin Großbeeren, Petra Himmel