Ein Park erzählt deutsche Golfgeschichte

Die Zeiten haben sich geändert. Aus Golf ist ein Breitensport geändert, was man auch den Golfanlagen ansieht: Es geht um Greenfeeverkäufe, Mitgliedschaftsmodelle, Wirtschaftlichkeit und die Frage, wie man gutes Personal findet. Kleine 9-Löcher-Anlagen werden zunehmend zu Einzelkämpfern, weshalb man auch im Ort Gutach mit seinen knapp 2300 Einwohnern im Falle des GC Gütermann Gutach nicht auf eine brummende touristische Anlage in der Schwarzwaldregion trifft, sondern auf einen klassischen Verein, der bei schneller Betrachtung vielleicht kein Aufsehen erwecken würde.

Golf hat den Ort Gutach geprägt

Bei genauem Hinsehen ist der GC Gütermann Gutach ein Paradebeispiel für die Losung, die der R&A in seinen Prinzipien für Nachhaltigkeit ausgibt. „Golf trägt positiv zum Wohlbefinden der Kommunen bei, wenn es um finanzielle, soziale Aspekte sowie den Umweltschutz geht.“  In Gutach ist wohl wie in wenigen anderen Städten Deutschlands der Golfsport ein fixer Bestandteil des Städtchens.

Ein Blick auf die neun Bahnen mitten im Ort erzählt viel über die Geschichte. Man trifft auf einen Park, in dem sich riesige Solitäre sammeln: Schwarzerle und Walnuss, Platane und Roteiche, Salweide, Schwarznuss, Linden, Silberweiden und Hainbuchen. Viele davon sind Mitbringsel von Italienfahrten, die einer der Gründer, Paul Gütermann, anstellte. 1924, als man hier auf 16 Hektar in direkter Nachbarschaft zur Nähgarnfirma Gütermann einen Golfplatz anlegte, war Golf in Deutschland extrem exklusiv. 1927 bauten die britischen Golfplatzarchitekten Morrison und May die Bahnen um. Geblieben ist bis heute ein klassischer, britisch angehauchter Parklandkurs, dem seine zahlreichen Bäume den Charme geben.

Vom exklusiven Treffpunkt zu Golf für Alle

So exklusiv die Mitgliedschaft und deren Gäste in den ersten Jahrzehnten waren – als Teil der Gemeinschaft hat die Anlage eben auch so manches geleistet, was man heute nicht so wirklich mit dem Golfsport in Verbindung bringen würde: Ein wesentlicher Teil des Platzes diente während des Zweiten Weltkrieges als Kleingärten, auf dem anderen Teil wurde ein Schäfer mit Herde eingesetzt, um das Mähen des Rasens so zu gewährleisten und gleichzeitig Wolle zu produzieren.

Die Idee des Firmen-Golfclubs, wie man sie heute von großen Konzernen kennt, kam hier schon 1938 auf, als man die Betriebssportabteilung Golf gründete, die gegen einen erschwinglichen Mitgliedsbeitrag Golf für die Firmenangehörigen erlaubte.

Parkcharakter erhalten

All‘ die Historie erahnt man bei einer Runde auf dem Platz nur noch, wenn man die herrschaftlichen Villen entlang des Golfplatzes erachtet, ein Großteil davon einst im Besitz der Firma Gütermann. Inzwischen hat sich die Lage gewandelt: Die Firma ist verkauft, die Golfanlage gehört längst einem eingetragenen Verein, geblieben ist der Golfplatz, der inzwischen noch einmal geändert und durch ein neues Gelände erweitert wurde.

Der Charme der Anlage aber findet sich im alten Park, der mit seinen großen Bäumen wuchert. Auf gerade einmal 26 Hektar sind die Möglichkeiten zur Anlage von Biotopen, großen Wasserflächen oder Wiesen klein. Die Pflege der Bäume steht hier im Mittelpunkt, wie Alexandra Gütermann, die heute im Vorstand tätig ist, erklärt. Deren Erhalt ist für den Parkcharakter des Platzes wesentlich. Auch deshalb nimmt man am Projekt Lebensraum Golfplatz teil. Am Ende trägt dieser aber auch zum wirtschaftlichen Überleben des Platzes bei: Die Greenfeegäste, die hier aus der Schweiz oder der Region vorbeikommen, schätzen die eingewachsenen Strukturen, die eben auch eine bald hundertjährige Geschichte wiedergeben.

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