E-Tankstellen als Pluspunkt für Golfer nützen

Eigentlich ist die Internationale Automobil Ausstellung in den Münchener Messehallen ganz weit weg. Auf dem Parkplatz des Allgäuer Golf- und Landclub Ottobeuren macht sich bei bestem Wetter kaum ein Golfer vor der Runde Gedanken über den CO2-Ausstoß im Jahr 2030 und die Zukunft der E-Mobilität. Andererseits spricht in dieser Woche ganz Deutschland viel über die Zukunft des Verkehrs mit Elektroautos. Wie sie auf einer Golfanlage aussehen kann – dieses Thema hat Johannes Siemenczuk (Bild) , Clubmanager der Anlage in Ottobeuren, im Detail durchgeplant.

Acht E-Ladestationen an vier Tanksäulen

„Wir haben jetzt drei weitere Ladesäulen mit sechs Anschlüssen geplant, werden die über ChargePoint managen lassen, so dass sie für jeden E-Auto-Fahrer auf einer deutschlandweiten Karte angezeigt sind und angefahren werden können“, erklärt er vor einer kleinen Baustelle, auf der neue Ladestationen entstehen. „Die App auf dem Handy zeigt dem Kunden an, ob die Ladesäule verfügbar ist.“ In Zukunft, so die Vorstellung von Siemenczuk, wird der Allgäuer Golf- und Landclub in Sachen Photovoltaik und E-Mobilität in der Golfszene Akzente setzen.

Eigene Stromproduktion steigt weiter an

Vor kurzem hat man eine zweite Photovoltaik-Anlage auf einem Dach installiert, so dass man inzwischen auf 100 KilowattPeak an Leistung kommt. „Bisher hatten wir 40 Prozent weniger, was aber bereits dazu geführt hat, dass wir die Hälfte unserer Stromkosten einsparen konnten.“ Jetzt kann der Club die Stromproduktion, die 2019 bei 55.000 Kilowattstunden lag, noch einmal deutlich steigern.

Staatliche Förderung der Tanksäulen

Ein Teil des Stroms fließt in die zwei Tankstellen für E-Bikes und die bereits vorhandene eine Ladesäule, die auch immer wieder von Mitgliedern genützt wird. Mit der Ausweitung auf insgesamt acht Ladestationen wird das Thema E-Mobilität für die Golfanlage aber komplex. „Die Kosten liegen bei rund 10.000 Euro für eine der Ladesäulen, die Infrastruktur kommt dann noch dazu. Deshalb haben wir einen Förderantrag gestellt“, resümiert Siemenczuk. Sobald dieser positiv beschieden ist, werden die drei weiteren Ladesäulen installiert.

Die komplette Abwicklung der Logistik übernimmt der Dienstleister ChargePoint, der in diesem Bereich zu den führenden Anbietern gehört und unter anderem auch Google und Ikea ausgerüstet hat. Der heimische Golfer findet ebenso wie ein normaler Greenfeegast, so der Plan im Allgäuer G&LC, die Ladestationen auf einer Deutschlandkarte, bucht über die ChargePoint App seinen Ladevorgang und parkt während der Runde oder einem Besuch in der Gastronomie sein Auto. „Natürlich werden wir das dann berechnen, wobei man natürlich auch darüber nachdenken kann, ob das Tanken dann Teil eines vollen Greenfees sein kann.“ Hier, so Siemenczuk, sei das Thema Marketing dann wieder relevant. „Bei verbilligten Greenfeegutscheinen könnte man dann den vollen Tankpreis zu verlangen.“

„Nicht dass dem Koch der Strom ausgeht, wenn alle tanken“

Neben der Bepreisung des Tankprozesses, der wohl bei 40 bis 50 Cent pro Kilowattstunde liegen wird, ist auch der reibungslose Ablauf wesentlich: „Zum einen ist wichtig, dass ein Golfer nicht fünf Stunden die Tankstelle blockiert, zum anderen müssen wir sicherstellen, dass nicht unsere komplette Infrastruktur in die Knie geht, weil die Tankstellen so viel genützt werden, dass womöglich unser Koch dann keinen Strom für die Gastro mehr hat.“ Der genaue Ablauf auf der Anlage, so die Erkenntnis in Ottobeuren, müsse vorab genau geplant werden. „Hier sind Lademanagementsysteme und die Erstellung von Lastenprofilen wesentlich“, stellt der Clubmanager fest. Der Golfer wird über seine App benachrichtigt, wenn das Auto betankt ist, sodass er nach neun Löchern umparken kann. Je nach Strombedarf im Clubhaus wird der verfügbare Strom der Ladestationen gedrosselt.

E-Tankstellen für Touristen wichtig

Das Thema E-Mobilität ist aber auch aus touristischen Gesichtspunkten für den Allgäuer G&LC wesentlich: „Wir liegen nah an der A7, damit sind wir einfach auch Teil einer Urlaubsroute Richtung Österreich und Schweiz. Wenn wir hier einen E-Tankprozess anbieten können, der professionell abgewickelt wird, kombinieren die Golfer das vielleicht mit einem Tag auf unserer Anlage.“ Damit sei auf Dauer dann eben auch die Rentabilität der Tanksäulen gesichert.

Nur eines gibt Johannes Siemenczuk eventuellen Nachahmern auf anderen Golfanlagen mit auf den Weg: „Mit schnellschnell mal E-Tanken im Golfclub einführen, geht da nichts. Das muss man schon ziemlich genau planen, vor allem, wenn es auch um Fördergelder geht. Ein halbes Jahr ist da schnell um.“