Last Updated on 1. Februar 2021 by adminGolfSustainable

Der Golfplatz als Park: Wo Bäume für Strategie und Optik sorgen

Manchmal muss man über die Bedeutung von Bäumen nicht lange nachdenken. Die Zufahrt zum Wittelsbacher Golf Club beginnt lange, bevor man die Anlage wirklich erreicht. Weg von der Autobahn führt der Weg ein wenig ins oberbayerische Niemandsland vor Neuburg an der Donau. Irgendwann liegt ein kleines Gestüt linkerhand, dann kommt die Allee. Große, eindrucksvolle Eichen, die einen ersten Eindruck davon geben, was den Golfer später erwartet.

18 Löcher Golf auf relativ flachem Gelände, auf denen Bäume eine alles entscheidende Rolle spielen. Als der Niederländer Joan Dudok van Heel den Golfplatz ab 1986 auf rund 67 Hektar anlegte, beinhaltete die Prämisse des Wittelsbacher Ausgleichsfonds, dem das Gelände gehört, auch einen Schutz der beeindruckenden Solitärbäume. „Einzelbäume sind bei uns ein strategisches Element“, erklärt der Geschäftsführer der Anlage Korbinian Kofler, der seit seinem Wechsel auf die Anlage auch gelernt hat, dass Bäume – wenn sie denn eine derartig wesentliche Rolle spielen wie hier – einen nicht unbedeutenden Zeitaufwand erfordern: „Wir wollen die Bäume hier natürlich fördern, müssen auf der anderen Seite aber den Einklang mit der Sportart Golf schaffen.“

  • Bäume, die so alt sind wie manche der mehrere hundert Jahre alten Riesen hier, können ein Sicherheitsthema sein, weshalb Sicherheitssysteme in den Ästen immer wieder gecheckt und neuangelegt werden.
  • Der Klimawandel macht auch hier der einen oder anderen Art zu schaffen. Heftige Stürme haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Bäume entwurzelt. Die Dürre manch‘ anderen Baum angreifbar für Schädlinge gemacht.
  • Bäume sind ein Lebensraum für Tiere verschiedenster Art, die sich auf dieser Anlage erkennbar wohl fühlen. Der Biber jedenfalls hat sich seinen Bereich an Bahn 12 längst geschaffen, einer seiner Kollegen hat an Bahn 15 höchst akkurat zwei Stämme zugeschnitzt. Schön zum Ansehen, für Kofler andererseits aber auch ein Thema, das manchmal Kopfzerbrechen bereitet, weil Biberschäden auf einer Golfanlage durchaus beträchtlich sein können.
  • Welche Bäume schließlich sollen gefördert werden, welche dagegen sind eher wertlos? „Wir wollen hier wieder Sichtachsen wie in einer Parklandschaft schaffen, so wie es bei der Anlage des Golfplatzes ursprünglich geplant war“, erklärt Kofler, als er vor einem größeren, eher wild durchwucherten Stück Land steht. Wo also soll man ausholzen, wo eventuell wieder nachpflanzen und vor allen Dingen welche Arten?
  • Wie lassen sich erstklassige Platzqualität und Pflege der Bäume optimal kombinieren? Wo sorgen große Bäume für zu viel Schatten und müssen zugeschnitten werden?

Ein Revierförster unterstützt das Golf-Management in der Beurteilung und der Pflege der Bäume, vieles hat Kofler in seinen nahezu täglichen Fahrten über die Anlage inzwischen dazugelernt. Hier fallen ihm die inzwischen eher seltenen Ulmen auf, über welche die Golfanlage noch verfügt, dort weist er auf einen üppigen halb vermoderten Stamm hin, der jetzt als Totholz jenseits der Bahnen als Lebensraum für Insekten dient. Und dann wäre da noch der einzelne tote Stamm, der im Dogleg der Bahn 1 direkt ins Bild fällt – gefällt das dem Golfer, wie reagiert er darauf?

Bäume als strategisches Element im Golf

Die Bäume, zwischen denen sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts die Pferde der Zucht des Herzogs Georg von Bayern bewegten, sind das vielleicht herausragendste Merkmal der Anlage, an denen sich schon so mancher Spitzengolfer die Zähne ausgebissen hat. Sie sind optisches wie strategisches Element. Kaum ein Loch, an dem nicht der eine oder andere Großbaum im Spiel ist. Kaum ein Abschlag, an dem man nicht vorab genau darüber nachdenken muss, wo der Ball landen muss, damit man beim nächsten Schlag nicht einen riesigen Ast, eine üppige Krone oder einen dicken Stamm im Wege hat. Dabei ist der Golfer stets hin- und hergerissen zwischen reiner Bewunderung für die Eichen, Linden oder Ahornbäume und einem kleinen, heimlichen Fluch zwecks ihrer spielbehinderten Eigenschaften.

Eine Parklandschaft, die auch Nicht-Golfer lockt

Alte Bäume schaffen Atmosphäre, Kofler hat die Wirkung der Bäume so richtig erst im letzten Jahr verstanden, als es einen Tag der offenen Tür auf der Anlage gab, die zu den Leading Golf Clubs of Germany gehört. Eines der Highlights sollte der Golf-Schnupperkurs sein. Tatsächlich avancierte die Rundfahrt über den Platz zur Attraktion des Tages. „Die Leute wollten sich einfach unbedingt diesen alten Park ansehen.“

Das Konzept der Parklandschaft will die Anlage, die auch an der Zertifizierung Golf & Natur des Deutschen Golf Verbandes teilnimmt, weiter verfolgen. Ein Baumkataster hat Kofler geplant, per Drohnenüberfliegung will man sich jetzt erst einmal eine genaue Übersicht bezüglich des Bestandes verschaffen. Der eine oder andere alte Baumriese, den man bis dato vielleicht noch nicht so im Blick hatte, wird bei dieser Gelegenheit vielleicht noch für Furore sorgen. Die Bäume hier sind alt, sie haben Geschichte …und sie machen Golf zu einem Erlebnis.