Der Goldstandard aus Augusta funktioniert nicht mehr

Der Gold-Standard in Sachen Platzpflege hatte Jahrzehnte einen Namen: Augusta National. Grashalme, die in tiefstem Grün in Reih und Glied stehen. Fairways, die mehrfach so cross gemäht werden, dass Halme gegen die Spielrichtung ragen. Ein Spielplatz der Exklusivität, fast unwirklich anzusehen mit den blühenden Azaleen, dem tiefblauen Wasser, keinem Blatt Laub am Boden.

Das Masters-Bild taugt nicht für die Wirklichkeit

Die Sache ist nur: Der Goldstandard ist nicht mehr zeitgemäß, vor allem aber taugt er nicht mehr als Vorbild für abertausende von Golfanlagen, die sich mit anderen Problemen herumschlagen. Teuren Dieselpreisen, Begrenzung der Wassermengen, Verbot von Pestiziden. Und: Der Ruf nach nachhaltigen Großereignissen im Sport ist riesig. Klimaneutralität wird dabei zum beherrschenden Thema.

Die United States Golf Association hat die “United Nations Sports for Climate Action Initiative” unterzeichnet, Hinweise auf Nachhaltigkeits-Maßnahmen zur Umsetzung der US Open in diesem Jahr findet man trotzdem nicht. In Augusta National schiebt man die Anfrage nach Nachhaltigkeitsbemühungen des Turniers in dieser Woche unbeantwortet zur Seite. Wie immer, wenn es Fragen gibt, die ein wenig ungemütlich sind. Bei der Players Championship veranstaltete man im Clubhaus immerhin eine Podiumsdiskussion zum Thema „Championing Change“ mit Wissenschaftlern für Meereskunde und Biologie. Für die PGA Championship im Mai in Oak Hill in Oklahoma gibt es noch keinerlei kommunizierte Projekte. Einzig die Open in St. Andrews arbeitet mit dem R&A weiter an den Themen Plastikvermeidung und Reduzierung fossiler Energien.

Kurzum: Anders als etwa im Fußball, wo das Thema CO₂ Neutralität inzwischen groß gespielt wird, sind die Veranstalter von Major-Turnieren im Golf in weiten Teilen nicht up to date. Die Chance, Millionen von Zuschauern und Golffans mit einer Thematik vertraut zu machen, die den Golfsport in Zukunft begleiten wird, verfällt. Um nur ein Beispiel zu bringen: Das SubAir System unter Augusta National Grüns, das für die perfekte Temperatur des Bodens sorgt, bringt seit seiner Einführung Golfer zum Staunen. Sollte Augusta National seinen Energiehaushalt komplett auf regenerative Energien umstellen, würde dies international in der Golfszene für Furore sorgen und Nachahmer finden.

Augusta National historisch immer Trendsetter

Andererseits: Der Augusta National Golf Club ist mit dem US Masters immer der Vorreiter schlechthin in Sachen Technologie im Golfsport gewesen, egal ob es um Scoring, TV-Übertragungen oder Wlan im Pressezentrum ging. Das Turnier, das nach außen oft so traditionell und leicht verstaubt wirkt, ist in Wahrheit eine perfekt datengesteuerte Maschinerie. Trends, Fortschritt sind hier also durchaus gut aufgehoben.

Und so bleibt die Hoffnung, dass der Augusta National Golf Club im April 2023 wie aus dem Nichts verkündet, dass das Turnier klimaneutral geworden ist. Ruckzuck hat man über den Winter ein weiteres Einkaufszentrum an der Washington Road gekauft, eingestampft und den Parkplatz mit Solarpaneelen bestückt. Zwischen den Büschen vor dem Clubhaus stehen plötzlich Wärmepumpen und neben der Mercedes-Fahrflotte für die Spieler auf dem Parkplatz ein Fahrzeug mit Containern, der den Müll verpresst. Die grünen Plastikbecher wurden durch Glasbecher ersetzt und neben dem Programm „Drive Chip and Putt“ hat Augusta National die Initiative „Green Masters“ installiert. Der Präsident des Clubs mit der besten CO²-Bilanz der USA erhält dann auch ein spezielles grünes Jackett.

Alles völlig verstörte Ideen? Vielleicht. Aber der Blick auf die tiefgrünen Bahnen des Augusta National Golf Club hat ja schon immer zum Träumen über eine bessere Golfwelt angeregt. Nur die Träume haben sich geändert.