Das Erfolgsrezept des Nachhaltigkeits-Champions

Schottlands Dünenplätze sind für Golfer weltweit oftmals das Maß aller Dinge, wenn es um die Einbindung des Golfplatzes in die natürliche Landschaft geht. Dabei gilt auch für diese Golfkurse: Je nach Pflege und Ausrichtung des Platzes können durchaus auch historische Strukturen kaputtgehen. Mit den Bemühungen, auf möglichst nachhaltige Art und Weise die klassische Dünenlandschaft der Küste zu rekonstruieren, macht sich  Nairn Dunbar Golf Links seit Jahren einen Namen. Im Dezember 2020 wurde die Anlage, deren Ursprünge ins Jahr 1899 zurückgehen,  als Sieger der britischen Golf Environment Awards ausgezeichnet. Treibende Kraft hinter den verschiedenen Projekten ist Richard Johnstone, Superintendent des Platzes.

Nairn Dunbar Golf Links  ist Britain’s 2021 Sustainability Champion – warum interessiert Sie das Thema?

Ich habe mich eigentlich schon während meiner gesamten Greenkeeping-Karriere für das Thema Nachhaltigkeit interessiert, aber erst als ich 2016 Golf Golfplatzmanager wurde, hatte ich die Möglichkeit, meine Ideen durchzusetzen und ein nachhaltiges Management einzuführen. Nachhaltiges Management war ein wichtiger Teil meiner Präsentation während des Interviewprozesses für den Job des Course Managers und passte perfekt in den Plan, den Links-Charakter des Platzes wiederherzustellen. Bis jetzt hatte ich viel Unterstützung vom Management, dem Clubkomitee, den Mitgliedern und positives Feedback von Gästen.

Wie schwierig war es, die Mitglieder von nachhaltigen Ansätzen zu überzeugen?

Keine Frage, am Anfang war es für die Mitglieder schwierig, sich vorzustellen, wie ihr Platz nach der Umsetzung eines nachhaltigen Ansatzes im Golfmanagement aussehen würde. Es war wichtig gut zu kommunizieren, damit die Mitglieder die Gründe für die Arbeit auf dem Platz besser verstehen konnten. Dafür nützen wir eine Vielzahl von Methoden wie soziale Medien, Platzbegehungen, Newsletter, Emails, Mitgliederinformationsabende und unseren Golfplatz-Blog, der 2018 als bester Golfplatz-Blog des GCI ausgezeichnet wurde.

Inwieweit steigern Sie die Qualität des Platzes durch nachhaltiges Management?

Wir haben eine Reihe von Managementplänen umgesetzt, um den Links-Charakter unseres Golfplatzes wiederherzustellen. Unser Fokus lag auf der Wiederherstellung des fein strukturierten Rasens, der einst auf diesem Linksplatz vorherrschte, bevor übermäßige Düngung und Bewässerung eine unglückliche Veränderung verursachten. Durch die Reduzierung der organischen Substanz, gefolgt von einem nachhaltigen Nachsaatprogramm sind wir nun viel weniger auf Chemikalien angewiesen. Der Einsatz von Sand als Topdressing in Kombination mit erhöhter Sonneneinstrahlung und Luftbewegung hat nicht nur unsere Oberflächen gefestigt, sondern auch den Regenwurmbefall drastisch reduziert. Außerdem haben wir ein komplettes Wetting-Agent-Programm auf allen Flächen eingeführt, das die Etablierung der feinblättrigen Gräser fördert. Die feinen Gräser sind viel billiger zu pflegen und sorgen für weniger Krankheitsausbrüche. Die festen Platzbedingungen sind außerdem viel angenehmer zu spielen.

Stören sich Ihre Mitglieder an der eher bräunlichen Farbe der Fairways im Sommer?

Johnstone: Unsere Mitglieder haben die feste braune Farbe des Rasens akzeptiert. Nairn hat sein eigenes einzigartiges Mikroklima mit nur etwa 570 mm Niederschlag pro Jahr. Die Fairways sind außerdem von ökologischem, langem und offenem Rough gesäumt. Das verleiht dem Platz eine gewisse Definition und ermöglicht es den Mitgliedern und Besuchern, ihre Bälle zu finden und das Spiel zu beschleunigen. Gerade für ältere Mitglieder ist das ohnehin angenehmer, weil der Ball dann weiter fliegt, so dass sie mit einem kürzeren Schläger das Grün erreichen können.

Inwieweit haben Sie mit den Wasserbeschränkungen in Schottland zu kämpfen?

Johnstone: Wir haben das Glück, eine natürliche Quelle zu haben, die durch den Golfplatz fließt. Ansonsten haben wir hier eine Lizenz, die uns vorschreibt, wie viel Wasser wir jedes Jahr aus dem von der Quelle gespeisten Dünenschlick entnehmen dürfen.

Was ist Ihr Lieblingsprojekt im Rahmen der ganzen Nachhaltigkeitsmaßnahmen?

Johnstone: Da die Dünen heute zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen in Europa gehören, war es wichtig, dass wir die notwendigen Schritte einleiten, um den totalen Verlust der Artenvielfalt in Nairn Dunbar zu verhindern. Um gesündere und ökologisch vorteilhaftere Ginsterstränge zu schaffen, wurde der Ginster zurückgeschnitten und dort, wo er zu langbeinig und degeneriert war, vollständig entfernt. In Bereichen, in denen er sich negativ auf das Spielen auswirkte, haben wir nun kahle Sandflächen geschaffen. Die Rückmeldungen, die wir bisher zu den Arbeiten erhalten haben, waren fantastisch. Ein großer Teil des Dünenlebensraums ist nun wiederhergestellt und bietet einen echten Test für Linksgolf.

Aber auch Ihr Vogelprojekt hat für einiges Aufsehen gesorgt?

Johnstone: Das Projekt zur Beringung von Zugvögeln begann 2017. Insgesamt wurden 218 Vögel gefangen und freigelassen, darunter 16 verschiedene Arten. Einige wurden aus Spanien, Afrika und Frankreich wieder eingefangen und freigelassen. Um mehr über die Vögel zu erfahren, werden ihre biometrischen Daten aufgenommen, was ein guter Indikator für die Gesundheit der Umwelt ist. Wir hoffen, dass wir durch regelmäßige Untersuchungen die beringten Vögel wieder einfangen können, damit wir ihre Entwicklung überprüfen können. Die Ringe sind mit einer individuellen Nummer versehen, die für jeden Vogel spezifisch ist. Diese Nummer ermöglicht es uns in Verbindung mit der BTO-Datenbank, die Bewegungen des Vogels zu verfolgen. Wenn der Vogel wieder gefangen oder gefunden wird, werden wir informiert und können herausfinden, wie weit der Vogel gereist ist. Neben der Beringung jedes Vogels werden verschiedene andere Messungen vorgenommen, darunter Alter, Geschlecht, Flügellänge und Messwerte, die uns mitteilen, wie viel Fett und Muskeln sie haben. Dadurch konnten wir auch mehr über die vielen verschiedenen Vogelarten in Nairn Dunbar erfahren, z.B. wie lange die Vögel leben und wie hoch die Überlebensrate der Küken ist.

Gibt es neue Projekte, die Sie für 2021 ins Auge gefasst haben?

Johnstone: Ja, wir schauen uns weiterhin verschiedene Lebensräume auf den Links an. Es gibt immer noch große Flächen natürlichen Linkslands, die vollständig wiederhergestellt werden müssen, einschließlich Dünensystemen und hügeliger Topografie. Wir werden weiterhin nackte Sandhabitate einführen, die zu einem klassischen Merkmal unseres Platzes geworden sind, und wir wollen diesen Winter ein saisonales Feuchtbiotop einrichten, das ein idealer Lebensraum für Amphibien, Reptilien und eine reiche Vielfalt an Pflanzen und wirbellosen Wassertieren ist.