Sentosa Golf Club will Co2-neutral werden

„Nein, die Ideen kamen erst mal nicht gut an“ – die Vermeidung von Wasserflaschen im schwülwarmen Klima von Singapur war keine Idee, mit der Andrew Johnston, General Manager und Director of Agronomy, des renommierten Sentosa Golf Clubs in Singapur auf viel Gegenliebe stieß. Die Vermeidung von Plastik, in Asien derzeit verglichen mit Europa deutlich weniger ausgeprägt, war für die Mitglieder der 36-Löcher-Anlage kein Thema. Für den Amerikaner Johnston aber durchaus. Vor drei Jahren setzte er sich mit seiner Idee durch, installierte feste Wasserspender auf der gesamten Anlage, verkaufte und verschenkte wiederverwertbare Flaschen im Proshop und im Restaurant. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: „Im zweiten Jahr haben wir 122.000 Plastikflaschen eingespart, insgesamt sind wir inzwischen bei über 300.000 Stück. Das entspricht der Füllmenge von 20 Pools in Olympia-Dimensionen“ lautet seine Bilanz.

Der Erfolg sorgte im Sentosa Golf Club für Motivation: „Uns hat es einfach angefeuert nach mehr Plastik zu suchen“, resümiert Johnston, der inzwischen als Verfechter einer Umorientierung zu einer deutlich ökologischeren Bewirtschaftung von Golfanlagen im asiatischen Raum gilt.

  • Die Deckel und Becher für Kaffee oder andere mitnehmbare Getränke sind nun aus Pappe oder Papier.
  • Boxen für Essen im Cart, im asiatischen und amerikanischen Raum sehr populär, sind ebenfalls plastikfrei.

Johnston weiß, das Umweltbewusstsein in Asien ist im Moment mit jenem in Europa nicht vergleichbar. Insofern sind viele Schritte, die hier als erste Erfolge zählen, in anderen Ländern schon etabliert. Für ihn aber ist wichtig, dass das Thema an Präsenz gewinnt. Der Sentosa Golf Club als Ausrichter der Singapore Open, der HSBC Women’s World Championship und der Asia Pacific Amateur Championship genießt weltweit extrem hohes Ansehen. Das Thema Ökologie kann damit auch leichter kommuniziert werden.

Die Ziele des Greenkeeping-Teams mit immerhin 75 Arbeitern sind dabei hoch gesteckt: „Wir wollen Co2-neutral werden,“ lautet die Losung. Auch deshalb lässt der Sentosa Golf Club gerade in Zusammenarbeit mit der University of Wisconsin seinen Co2-Abruck ermitteln. Gleichzeitig wird in allen Bereichen auf das Einsparen von Energie und Ressourcen gesetzt.

  • Eine Kooperation mit einem lokalen Energiehersteller soll dazu führen, dass ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien verwendet wird. Anders als zum Beispiel in Deutschland ist es in Singapur noch nicht möglich, Öko-Strom vertraglich zu beziehen.• Das Wasser für die komplette Anlage wird aus Regenwasserreservoirs bezogen. Bedingt durch die hohen Niederschlagswerte der Region und eine spezielle Kanalisierung des Regenwassers aus den Hanglagen der Umgebung in die tiefer gelegenen Tanks und Teiche gibt es keinerlei Wassermangel.
  •  Die Bewässerungssysteme der Golfplätze wurden komplett erneuert. Durch die Umstellung auf Ansteuerung von zwei auf einen Regner wurde der Wasserverbrauch um 40 % gesenkt.
  • Die Cart-Flotte mit 230 Fahrzeugen wurde komplett auf Lithium-Batterien umgestellt. Diese haben nicht nur statt der hier üblichen Garantiezeit von einem Jahr acht Jahre Garantie und speichern problemlos Energie für 36 Löcher. Sie müssen auch deutlich seltener ausgetauscht werden. Allein das Investment in die Carts betrug 300.000 Dollar, „die Lithium-Batterien sind aber so viel effizienter und halten so viel länger, das sich das auf Dauer rechnet“, wie Johnston erklärt.
  •  Die Maschinen, die für das Aufbringen von Düngern und Spritzmitteln auf den Grüns verwendet werden, erhielten neue sogenannte GPS-Ringe, die zu einer extrem präzisen Auftragung der Materialien führen. „Dadurch wird ein zweiter Auftragungsvorgang überflüssig. Wir sparen Zeit und Material.“
  • Mit GameOn wurde eine komplette Kommunikationskampagne entwickelt, die im asiatischen Raum die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit im Golfsport fördern und erklären soll. Sie ist einerseits als Antwort der Golfindustrie auf die Herausforderungen des Klimawandels gedacht, unterstützt aber auch die Golfplatz Nachhaltigkeitsoffensive des R&A 2030. Wesentliches Ziel dieses R&A Projektes ist die Reduzierung des Co2-Fußabdruckes von Golfclubs weltweit. GameOn soll anderen Golfanlagen einen Einblick in die Nachhaltigkeitsprogramme des Sentosa Golf Clubs verschaffen und deshalb auch ein kostenloses Tool Kit beinhalten, das im Verlauf des Jahres 2020 zum Download bereitstehen wird.

Die Vorhaben des Clubs sind ambitioniert. Sie werden durch die Besitzer der Anlage gefördert und unterstützt. Und: Der Clubs besitzt sowohl die Manpower als auch die Finanzen, um ambitionierte Vorhaben umzusetzen. Das allein aber ist nach Johnstons Meinung nicht die alleinige Basis, auf der die Umorientierung zu mehr Ökologie steht. „Ich war in Amerika auch schon für einen Club mit 54 Löchern und 27 Angestellten zuständig. Selbst bei wenig Geld, muss man Ideen entwickeln. Am Ende geht es um das Ziel, das man hat.“
Das haben inzwischen auch die Mitglieder im Sentosa Golf Club verstanden. Wasserflaschen aus Plastik sind ein No-Go auf der Anlage. Aus einer ungeliebten Idee ist Gewohnheit geworden.