Blühender Golfplatz als neues Gemeinschaftsziel

Blühpakt – ein vielversprechender Name, der seit gestern auch Bayerns Golfer betrifft, nachdem eine Blühpakt-Allianz zwischen dem Bayerischen Umweltministerium und dem Bayerischen Golfverband im GC Herzogenaurach unterzeichnet wurde. Dahinter verbirgt sich der Versuch, weitreichenden Schutz von Insekten mit Hilfe der großen Ausgleichsflächen auf Golfplätzen zu forcieren.

Die Kooperation zwischen Umweltministerien und dem Golfsport in Deutschland ist ungewöhnlich. was auch damit zusammenhängt, dass man von Seite eher selten hinter die Kulissen der Golfanlagen blickt. Rund 10.000 Hektar an Fläche bringen Bayerns Golfplätze in die Kooperation mit ein, nur zirka ein Viertel davon wird wirklich auf Spielflächen verwendet. „Das ist eine gigantische Fläche, die man für eine naturnahe Bewirtschaftung nutzen kann“, resümiert Regierungsdirektor Dr. Stephan Niederleitner, der als Blühpaktmanager fungiert. „Es hat mich tatsächlich überrascht, was ich bei meinen Besuchen vor Ort vorgefunden hat.“ Auf den Golfanlagen München Riedhof, Abenberg und Herzogenaurach hatte sich Niederleitner ein Bild gemacht. „Dort hatte ich auf jeden Fall den Eindruck, dass man sich intensiv mit dem Thema der naturnahen Bewirtschaftung beschäftigt.“

Was soll der Blühpakt, der tatsächlich auch festgeschriebene Kriterien für Golfplätze beinhaltet, bringen? Vor allem den Bewußtseinswandel: „Was dem privaten Gartenbesitzer oder dem Bürger oft als „ungepflegt“ erscheint, sichert für unsere Insekten das Überleben“, formuliert es der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber. Auf den Golfplatz übertragen heißt das: Gerade auf den Ausgleichsflächen bringen scheinbar unordentliche Flächen zum Beispiel mit Totholz für die Förderung der Biodiversität mehr als eine perfekte gepflegte Umgebung. Das Bayerische Umweltministerium erhofft sich für die Zukunft außerdem weitere Blühpakt-Partner.

Golfanlagen können im Rahmen der Blühpakt-Allianz nun die Auszeichnung „Blühender Golfplatz“ erwerben. Premiere feierte die neue Kooperation dabei mit dem GC Abenberg, der diese Ehrung bereits erreicht hat. Dazu ist eine Bewerbung auf der Plattform der Blühpakt-Allianz erforderlich. Bei Interesse wird auch eine kostenlose Beratung zu Pflanzenauswahl, Bodenvorbereitung und Pflege für insektenfreundliche Areale zur Verfügung gestellt.

Mindestkriterien für die Auszeichnung „Blühender Golfplatz“

  • Mindestens 30 % der Freiflächen der Golfanlage sind naturnah gestaltet. Dies bedeutet insbesondere: durchgängiges Blütenangebot von Frühjahr bis Herbst; unterschiedliche Lebensräume aus heimischen, zweijährigen Wiesenblumen, Stauden, Sträuchern und Gehölzen.
  • Keine flächige Verwendung chemischer Pflanzenschutzmittel. Werden Pflanzenschutzmittel auf den Spielflächen eingesetzt, darf keine Wind-Abdrift erfolgen; der Einsatz erfolgt vorzugsweise morgens oder abends.
  • Bereiche der Blühflächen bleiben über den Winter ungemäht stehen (Erhalt von Fortpflanzungs- und Überwinterungsstätten für Insekten).
  • Kein Einsatz torfhaltiger Substrate bei der Gestaltung und Pflege von Freiflächen.
  •  Mindestens zwei Strukturhilfen (Insektenhotels, liegendes/stehendes Totholz, Sandflächen, insektengerechte Kleingewässer) sind vorhanden.
  • Zur Anmeldung muss eine Dokumentation vorgelegt werden mit
    • Pflanzen für ein ganzjähriges Blühangebot
      Pflegeplan mit abschnittsweiser Mahd der naturnahen Bereiche und Abtransport des Schnittgutes