Beim Wasser ist jede Anlage selbst verantwortlich

Ein Kommentar von Petra Himmel

Wasser ist die Ressource, ohne die das Gras nicht kann. Wasser fehlt dieser Tage, nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Teilen Europas. Genaugenommen fehlt es seit Jahren in immer mehr Ecken dieser Welt. Wassersparen ist deshalb eines der Top-Themen – in den USA genauso wie Spanien, Portugal oder eben in Frankfurt oder Hamburg. Der DGV-Arbeitskreis Bewässerung weist in dieser Woche in einem Brief an die Golfanlagen darauf hin, dies könne bedeuten, „dass bei regionaler Wasserknappheit das Bewässern von Sportrasenflächen behördlich untersagt wird, so wie es teilweise schon in den europäischen Nachbarländern der Fall ist.“

Jede Golfanlage hat andere Mengen zur Verfügung

Womit wir bei einem Thema wären, das so manchen Clubpräsidenten oder Geschäftsführer erregt: Es gibt weder einheitliche Wasserentnahmeregelungen noch allgemein gültige Bestimmungen zum Ausbringen von Wasser – national nicht und international schon gar nicht. International gefasst bedeutet das: Eine Top-Golfanlage im amerikanischen Nevada kann einen Wasserverbrauch von 700.000 m³ Wasser als großen Fortschritt beim Wassersparen vermelden, während eine Golfanlage in Schleswig-Holstein womöglich schon froh wäre, wenn sie mit Grundwasserbrunnen ein Zehntel davon genehmigt bekäme.

Keine Standards, keine Regeln

Die Verordnungen zum Thema Wasser sind europaweit und auch in Deutschland komplett unterschiedlich. In Berlin müssen einige Anlagen teilweise monatlich ihre Wasserstandsspiegel beim Grundwasser melden, während andere ganz normal entsprechend ihrer Genehmigung wässern. In Hessen wird einem Teil der Anlagen die Entnahme von Wasser aus fließendem Oberflächengewässer, sprich Bächen und Teichen, untersagt, während andere auf die städtische Wasserampel blicken, die über ihr Schicksal in Sachen Wasser entscheidet. In Deutschland gibt es Golfanlagen, die können unbegrenzt Wasser aus Seen entnehmen, und andere versuchen mit 20.000 Kubikmetern im Jahr sorgsam Abschläge und Grüns zu beregnen.

Beim Thema Wasser gibt es keine Standards und damit auch keine Gerechtigkeit. Wasser ist ein Qualitätsthema. Wer Wasser bekommt und sorgsam damit umgeht, kann Kahlstellen und teure Neuansaaten vermeiden, wirbt leichter Mitglieder und hat mehr Greenfeegäste. Wer heute als Golfer nach einer Golfclubmitgliedschaft fragt, sollte auch nach der Wassergenehmigung und der Wasserversorgung des Clubs fragen. Oder nach den Konzepten zur Bereitstellung von recyceltem Wasser oder Regenwasser.

Jede Anlage ist selbstverantwortlich

Wasser ist ein Qualitätsthema, ein Wettbewerbsthema, ein existenzielles Thema  – nicht nur für das Gras auf dem Fairway, sondern für die ganze Golfanlage.

Die Rufe nach Verbandslösungen und staatlichen Vorgaben laufen dabei ins Leere. Über ihr Wasser entscheiden Kommunen, Landkreise und örtliche Wasserbehörden. Damit wird das Thema Wassermanagement zu einem individuellen Thema einer Golfanlage. Hier kann sie glänzen, indem sie ihr Platzdesign wassersparend gestaltet, die Bewässerung optimiert, das Personal schult, Wasser sammelt, auf Klärwasser umstellt, und, und, und.

Auf der Suche nach individuellen Lösungen

So unterschiedlich wie die Golfanlagen sind auch die möglichen Lösungen. Die eine Lösung für alle gibt es nicht. Genauso wenig wie es das eine Klima für alle gibt. Wetter ist eben unfair: Hier regnet es mehr, hier weniger. Hier wird es braun auf den Fairways, dort nicht. Es bringt wenig, darüber zu klagen.

An diesen äußeren Umständen wird sich nichts ändern. Ändern können sich nur die Golfer und die Verantwortlichen der Golfanlage in Ihrem Umgang mit Wasser. Tun sie es nicht, wird das Problem ernst. Und manchmal existenziell.