Auf dem Golfplatz wird der Baum zum Pflegefall

„Unser Platz lebt von dem Baumbestand, die Bäume gehören einfach dazu.“ Christian Löffl, Head-Greenkeeper im Golf- und Land-Club Regensburg kennt die Solitäre auf der 18-Löcher-Anlage im östlichen Bayern genau. Und er weiß: „Der eine oder andere kränkelt schon dahin.“ Dabei reichen die Ursprünge des Gebietes ins Jahr 1813 zurück, als die Fürsten von Thurn und Taxis begannen den heutigen Fürstlichen Thiergarten als Jagdwald hier in der bayerischen Oberpfalz anzulegen.

Zunehmende Wetterextreme machen den Bäumen auf so manchem deutschen Golfplatz zunehmend zu schaffen. Denn der schlechte Zustand, den die Waldzustandserhebung 2020 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom Beginn dieses Jahres für Deutschlands Wälder zeigte, lässt sich in Teilen auch auf die Baumvorkommen auf Golfanlagen übertragen.

Uralte Bäume leiden unter Trockenstress

„Die Situation ist im Grunde dramatisch“, formuliert es Forstdirektor Peter Niggemeyer, der für den Wittelsbacher Ausgleichsfonds die Bereiche Forst- und Landwirtschaft leitet und damit auch Experte für den 18-Löcher-Golfplatz des Wittelsbacher Golfclub Rohrenfeld nahe der Donau ist. Auch dies ist einstiges Jagdgebiet, die Bäume waren als Schattenspender für die Pferde willkommen.

Für das Gebiet hier in Oberbayern gilt wie für das Gelände um den Golfplatz in Regensburg: In beiden Fällen finden sich jahrhundertealte Bäume, die zunehmend unter Trockenstress leiden, die Blätter einrollen, für die das Restwasser aus dem Oberboden nicht mehr reicht. Die Abwehrkräfte der Bäume sinken, Schädlinge wie der Borkenkäfer oder der Eichenprozessionsspinner ziehen dann gerne ein.

Zirka 100 m³ Totholz hat Christian Löffl im Verlauf der vergangenen Monate wieder aus den bewaldeten Flächen rund um die 18 Spielbahnen in Regensburg rausgeholt. „Bei uns regnet es fast nie, man sieht das auch daran, dass die Pflanzungen aus den 90er Jahren alle vor sich hinkränkeln und die Erhaltungspflanzungen enorme Startschwierigkeiten haben,“ stellt er fest.

Was tun? In Regensburg (Bild oben) und Neuburg, wo die Bäume das Erscheinungsbild der Parklandplätze wesentlich bedingen, werden die Solitäre inzwischen zum Teil von Hand bewässert und auch mit speziellen Nährstoffen versorgt.

Gezielte Maßnahmen halten Solitäre am Leben

Diese zeitaufwändige und damit kostenaufwändige Pflege, so Fachmann Niggemeyer, könnte auf so manchem Golfplatz auf Dauer Standard werden. „Während die Bestände im Wald weitgehend sich selbst überlassen sind, ziehen die Bäume auf dem Golfplatz einen Vorteil daraus, dass sich jemand um den Platz kümmert“. Schon von den Beregnungsmaßnahmen der Fairways und Semiroughs bekommen auch die Bäume oft ein wenig ab, dazu kommen gezielte Maßnahmen gegen Schädlingsbefall und eben die Möglichkeit die Bäume einzeln zu versorgen.

Wer vorsorglich gegen Trockenstress planen will, hat laut Niggemeyer noch andere Möglichkeiten, um den Boden feucht zu halten.

  • Bäume in Gruppen weisen eine höhere Kronenverdichtung und damit mehr schattigen Boden auf. „Am besten fühlt sich der Baum in Gesellschaft.“
  • Wer zwischen Baumgruppen Totholz nicht ausräumt und die Bepflanzung nicht zu stark herunterschneidet, hält den Boden leichter feucht.

Was die Auswahl der Pflanzen anbelangt, die sich für Neuanpflanzungen eignen, so verweist er auf die relativ große Ratlosigkeit, die derzeit bei deutschen Experten herrsche. „Eigentlich versuchen wir die Natur entscheiden zu lassen, was wächst“, aber angesichts der Tatsache, dass sich Bäume eben nur sehr langsam entwickelten, sei die Auswahl der Pflanzen oft schwierig. „Im Moment wird alles Mögliche versucht, zum Beispiel Douglasien oder Robinien.“ Auch die Eiche, so Niggemeyer, sei theoretisch ja ein Baum, der sowohl Trockenheit als auch Wasser gut vertrage. Angesichts der zunehmenden Schadstoffmengen in der Luft und im Wasser und Extremwetter sei die Lebensdauer von Eichen, die ansonsten bei bis zu 1000 Jahren liege, aber realistisch inzwischen eher bei 500 Jahren angelangt. Auch deshalb werden auf dem Golfplatz des Wittelsbacher Golfclubs (Bild unten) regelmäßig junge Eichen neben sehr alte Exemplare gesetzt.

„Unsere Eichen wollen wir natürlich unbedingt erhalten“ gibt Christian Löffl ein wesentliches Ziel seiner Arbeit in Regensburg Thiergarten aus. Die pflegebedürftigen Bäume sind längst ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. „Das hat sich extrem geändert. Vor 20 Jahren ging es die ganze Zeit nur um die Fairways, Abschläge und Grüns, jetzt ist die ganze Natur drumherum für das Greenkeeping auch ziemlich wesentlich.“

Das, so Niggemeyer, wird auf jeden Fall so bleiben. „Der Golfplatz ist artifiziell, anders als in der Wildnis kann und will man sich hier um den Bestand kümmern.“ Ansonsten dürfte es vielen Bäumen wie jenen ergehen, um die sich die jüngste Waldzustanderhebung dreht. Die Kronen werden licht, die Blätter fallen, die Schädlinge kommen.  Und so mancher Baum, oftmals auch strategisches Spielelement auf einem Platz, ist chancenlos und geht zugrunde.