Viele kleine Stücke fügen sich zu einem großen Bild: Auf der Golf Range Berlin-Großbeeren ist der Platz angesichts der 24 Hektar großen 9-Löcher-Anlage begrenzt. Raum für die Schaffung biodiverser Flächen hat Anlagenleiter Sven Geißler zusammen mit dem Greenkeeping-Team der Anlage trotzdem gefunden. Mal wird zwischen den Bahnen auf das Mähen der Roughs verzichtet, mal steht ein Randstreifen mit Blumen an den Seiten der Fairways. Ein Imker hält Bienenstöcke gut versteckt hinter Gras und hohen Büschen, ein Turmfalke nistet in einer Bruthilfe auf der Hochspannungsleitung. Und wer genau hinsieht, findet in den Extensivflächen auch die eine oder andere heimische Orchidee.
Die richtige Pflege macht die Entwicklung hochwertiger Wiesen, egal welcher Größe, möglich. „Wir mähen diese Flächen nur einmal im Jahr ab“, erklärt Geißler den Ansatz. Das Mahdgut wird abtransportiert, so dass in den Boden der Flächen nicht zu viele neue Nährstoffe eingetragen werden. Auch den Einsatz von Dünger hat man, entsprechend dem internationalen Trend, deutlich zurückgenommen.
Auf der einen Seite steht die Schonung der Ressourcen, auf der anderen Seite der Betrieb einer 9-Löcher-Anlage, die starken Spielbetrieb verzeichnet und als eine gefragte Anlaufstelle für Golfer jeder Altersgruppe gilt. Das Naturerlebnis, so Geißler, ist den Besuchern der Anlage aber wichtig. Die Golf Range Berlin-Großbeeren macht es auf den ehemaligen Brachflächen möglich. In den Randstreifen der Fairways, in den vereinzelten Großbäumen und einem Biotop in der Platzmitte sowie entlang eines Waldstreifens wurden im Rahmen einer faunistischen Kartierung zahlreiche Reviere von Brutvögeln entdeckt.
Vor allem der Neuntöter, der auf der Roten Liste Brandenburg geführt wird, fühlt sich inmitten der Golfer offenbar wohl. Er sucht Waldränder, Hecken und Baumreihen als Lebensraum, welche die Golf Range Großbeeren bietet. Aber auch Arten wie die Dorngrasmücke, das Schwarzkehlchen, der Jagdfasan, die Golfammer und der Sumpfrohrsänger haben sich auf dem Gelände der Golfanlage inzwischen angesiedelt.
Als Lebensraum nicht zu unterschätzen, sind auch Gebäude auf Golfanlagen, die immer wieder von unterschiedlichsten Arten wie etwa Fledermäusen, Hornissen oder Mauerseglern genutzt werden. Im Fall der Golf Range Großbeeren haben der Haussperling, der Hausrotschwand und die Bachstelze Nistplätze in Gebäuden gebaut.
Für Gunther Hardt, Leiter des Arbeitskreises Biodiversität im Deutschen Golf Verband, ist eine derartige Symbiose von Golfsport und Biodiversität wichtig. „Oftmals wird unterschätzt, welche Möglichkeiten zur Ansiedlung von Vögeln oder Insekten aber auch zur Etablierung seltener Pflanzenarten auch Golfanlagen bieten, die über kleinere Flächen verfügen.“ Entscheidend, so Hardt, sei nicht die Fläche, sondern immer deren Bewirtschaftung. „Wer zwischen den Spielbahnen oder in Bereichen, die kaum ins Spiel kommen, nur einmal im Jahr mäht, nicht düngt und das Mahdgut abfährt, steigert die Artenvielfalt und schafft Lebensräume“, erklärt der Biodiversitäts-Experte.
Gut möglich, dass die Anzahl der Lebensräume auf der Golf-Range Großbeeren in Zukunft noch steigt. Derzeit in Planung ist die Erweiterung der Anlage auf 18-Löcher. Ein angrenzendes landwirtschaftliches Gelände soll für den Bau weiterer neun Löcher genutzt werden. Auch hier ist die Zielsetzung für Anlagenleiter Geißler klar: Egal wie groß die Fläche – neben den Spielbahnen ist immer Raum für ein Stück Natur.
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