Jetzt steht es da: Steinern und grau, so wie sich all‘ die Gebäude in dem Städtchen Dornoch hier oben in den Highlands präsentieren. Das neue Clubhaus des weltbekannten Royal Dornoch Golf Club, das Mitte Dezember eröffnet wurde, soll wieder ein Gebäude für mindestens ein Jahrhundert sein. Immerhin hat der Vorgänger 116 Jahre gehalten. Majestätisch sieht es aus, wie es da oberhalb der beiden Golfplätze sitzt. Kein Wunder, dass sich in den vergangenen Wochen die begeisterten Kommentare auf den diversen Social-Media-Kanälen gehäuft haben. „Überwältigend“ sei aber auch die Reaktion der Mitglieder gewesen, sagt General Manager Neil Hampton. „Als die Leute das Gebäude real sehen konnten, hat das viele Meinungen geändert. Die Innenbereiche waren von Beginn an ein Hit. Das Interior-Design-Team hat von Beginn an unser Briefing verstanden und hat uns unseren Club geschaffen.“
Was in all‘ den begeisterten Kommentaren kaum zur Sprache kommt, ist die Tatsache, dass dieses Clubhaus nun wahrscheinlich eines der nachhaltigsten Clubhäuser ist, die Großbritannien aufzubieten hat.“ Mit der Eröffnung des mehr als 13,9 Millionen Pfund teuren Gebäudes, hat man den Spagat zwischen historischer Ästhetik und radikaler technischer Innovation geschafft, eine Aufgabe, die nach Aussagen von Architekt Fraser Davie von Keppie Design keineswegs einfach war.
Versteckte Technologien
Das architektonische Leitmotiv des Projekts war die nahtlose Integration modernster Umwelttechnologie in ein klassisches Gewand. Davie nennt es „hidden in plain sight“, also: Die Technologie ist da, aber man sieht sie nicht. „Eigentlich ist es für uns ein Kompliment, wenn Beobachter heute anmerken, es gäbe keine Solarpaneelen“, meint er mit einem Lächeln, wenn er über das Süddach spricht: Die gesamte Dachfläche besteht aus einer 45,56 kWp Photovoltaik-Anlage, die farblich so exakt auf den natürlichen Schiefer abgestimmt ist, dass sie für den Laien kaum als Solaranlage erkennbar ist. Dieser „Build Less“-Ansatz ermöglichte es, die PV-Paneele direkt als Dacheindeckung zu nutzen und so wertvolles Material einzusparen.
Covid-Pandemie als Katalysator
Dabei war das Thema nachhaltige Architektur nach Aussagen Hamptons bei den ersten Überlegungen 2018 keineswegs so relevant wie im späteren Verlauf. Erst mit der Covid-Pandemie, den gestiegenen Material- und Energiekosten änderte sich die Einschätzung: „Wir dachten dann sehr viel stärker darüber nach, wofür und wie wir das Geld beim Bau und danach beim Betrieb des Gebäudes verwenden würden.“
Nachdem die Entscheidung für eine Erdwärmepumpe bereits zu Beginn der Planungen gefallen war, entschied man sich für die Photovoltaikanlage mit dem Speicher erst nach der Post-COVID-Phase, auch um den „explodierenden Energiekosten“ entgegenzuwirken.
Ein Stahlskelett mit Schiefer und Sandstein
Trotz der traditionellen Fassade aus Sandstein und Schiefer, eingefügt in ein Stahlskelett erreicht das Gebäude die Energieeffizienzklasse (EPC) A. Die technischen Spezifikationen sind für ein Gebäude in dieser exponierten Küstenlage beeindruckend:
- Wärmequelle: Eine Erdwärmepumpe (GSHP) mit 11 Bohrlöchern in 120 Metern Tiefe sorgt für Heizung und Kühlung. Sie wurde Luftwärmepumpen vorgezogen, da sie visuell unauffällig ist und keine störenden Ventilatorengeräusche verursacht.
- Dämmung: Die U-Werte der Gebäudehülle (Wände: 0,20; Dach: 0,15) übertreffen nicht nur die Standards von 2019, sondern liegen bereits heute über den geplanten britischen Normen für 2025.
- Klimaresilienz: Aufgrund der starken Winde an der schottischen Küste wurde eine Palette aus Stein und Schiefer gewählt, die laut Davie dem Gebäude eine Lebensdauer von 100 Jahren verleihen soll.
- Umgang mit Glasflächen: Um die Aussicht nach Süden, Osten und Westen zu maximieren, wurden Gläser mit optimierten G-Werten (Solarfaktor) verwendet, um die Sonneneinstrahlung zu begrenzen. Im Winter sorgt der passive solare Ertrag für zusätzliche Wärme, die durch interne Jalousien und dicke Vorhänge reguliert werden kann.
- Nordfassade: Kleinere Öffnungen zur Minimierung von Wärmeverlusten
- Die komplette Küche ist elektrisch
Ohne Kompromisse geht es nicht
Dabei macht Davie auch klar: Kompromisse waren nötig, schon deshalb, weil sonst die Baupreise weiter explodiert wären. Während die Innenwände ökologisch vorteilhaft mit Holz (Timber) gefüllt wurden, musste für das Grundgerüst Stahl verwendet werden, um die Flexibilität der großen Gastronomiebereiche zu gewährleisten. Hier können durch große Schiebetüren die Größen der Räume geändert werden.
Auch bei der Beschaffung der Materialien stieß man an Grenzen: Da kein lokaler Sandstein-Lieferant verfügbar war, wurde Stein aus Yorkshire verwendet. Der Schiefer für das Dach stammt aus Spanien, da schottischer Schiefer dreimal so teuer gewesen wäre. Ja, sagt Davie, diese Transportwege seien zweifellos nicht ideal, aber die Balance zwischen Budget und Nachhaltigkeit sei am Ende eben auch ein wichtiges Element.
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Ein Clubhaus für die Gemeinschaft
Für Neil Hampton ist entscheidend, dass die Architektur des Clubhauses weiterhin den offenen Charakter des Clubs verdeutlicht, unabhängig von seiner Platzierung unter den besten und bekanntesten Golfplätzen der Welt. Das Clubhaus ist so konzipiert, dass es flexibel für Gemeindeveranstaltungen genutzt werden kann. Die Einbeziehung der gesamten Bevölkerung von Dornoch durch den Golfsport in Dornoch, ist Hampton extrem wichtig. Soziale Nachhaltigkeit ist eines der Schlüsselelemente des Clubs. Davon profitieren dann übrigens auch die Spitzenspieler: Die Umkleideräume sind so modular aufgebaut, dass sie für rein männliche oder weibliche Großturniere – wie den Curtis Cup 2028 – angepasst werden können.
Die Sache mit den Batterien: Sicherheit geht vor
Ein spezielles Kapitel in der Baugeschichte des Clubhauses ist die Unterbringung der Solarbatterien: „Der Vorschlag die Batterien für die Solarpaneelen im Haus unterzubringen hat uns enormes Kopfzerbrechen bereitet“, erinnert er sich.
Ursprünglich war geplant, den 33 kWh Batteriespeicher innerhalb des Gebäudes zu platzieren. Die Architekten hatten dafür bereits eine besonders sichere, nicht brennbare Umgebung aus Betonwänden und einer massiven Betonplatte geschaffen, um jedes Risiko „No chance“, lautete das Urteil der Versicherer für eine Platzierung im Gebäudeinneren.
Als Konsequenz mussten die Batterien in einen separaten Bereich im Außengelände verlegt werden. Damit wurde jegliches Brandrisiko für das historische Clubhaus-Gefüge eliminiert, während die gewonnene Energie dennoch effizient zwischengespeichert werden kann, um beispielsweise von günstigen Nachttarifen zu profitieren.
Skeptiker beim Thema Nachhaltigkeit kommen an dieser Stelle übrigens gerne mit dem Einwand, so hoch im Norden sei die Anbringung von Solarpaneelen wohl ohnehin nicht sinnvoll. So viel Sonne sei da schließlich nicht. Solch‘ eine Kritik wiegelt Davie schnell ab:
Selbst ohne direkte Sonneneinstrahlung ist eine Batterielösung nachhaltig und effizient, da sie es ermöglicht, günstigen Nachtstrom zu beziehen, wenn im Netz ein Überschuss herrscht. Dies schont das Budget des Clubs und entlastet das Stromnetz. In Royal Dornoch jedenfalls geht man davon aus, dass sich die Kosten für die nachhaltige Technologien in zehn Jahren amortisiert haben.








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