Golfanlagen entdecken Wert der Rote-Liste-Arten

Die Gelbbauchunke war lange Zeit ein Schreckgespenst. Vor Rote-Liste-Arten wie dieser hatten Golfanlagenbetreiber und Clubvorstände über Jahrzehnte Angst. Angst, dass das Auftreten einer stark gefährdeten Tierart den Bestand eines Golfplatzes gefährden könnte. Angst, dass das Auffinden einer wertvollen Libelle, Orchidee oder Hummel zum Sperren einer Spielbahn führen würde. Dabei sind Rote-Liste-Arten häufig auf dem Golfplatz vertreten.

Rote-Liste-Arten meist abseits des Spielgeländes

Inzwischen hat sich die Lage gewandelt: „Früher war diese Angst zum Teil sehr verbreitet“, erklärt Sabine Tappertzhofen, Leiterin der Geschäftsstelle Bad Tölz-Wolfratshausen des Landesbund für Vogelschutz. „Inzwischen freut man sich in den Clubs.“ Das zumindest ist ihre Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Golfverband und diversen Golfanlagen. „Rote-Liste-Arten findet man ja in der Regel in Biotopen und an den Rändern des Platzes.“ Ihre Einschätzung: „Damit kommen sich Umwelt- und Artenschutz und die Golfer nur selten in die Quere.“

Gefährdete Arten werten Golfplatz auf

Gunther Hardt, Leiter des Ausschusses für Biodiversität beim Deutschen Golf Verband, macht Verantwortlichen bei Golfclubs sogar Lust auf Rote-Liste-Arten: „Viele haben noch nicht erkannt, welchen Wert sie damit auf ihrer Golfanlage haben.“ Damit dokumentiere man schließlich, wie wertvoll die Fläche für den Artenschutz sei. Und: Nicht nur Orchideen oder Libellen, an die viele Golfer zuerst beim Thema Rote Liste denken, sind relevant. „Es gibt ja auch viele schützenswerte Pilze oder Amphibien“, so Hardt.

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Der Golfplatz, so die Erkenntnis zahlreicher Bestandserhebungen auf Golfplätzen, bietet zahlreiche Lebensräume  für schützenswerte Arten. Der GC Altötting-Burghausen ermittelte im Rahmen eines GEO-Tagese 648 Arten, darunter viele gefährdete Exemplare. Manche Golfclubs, wie etwa der GC Hubbelrath nahe Düsseldorf, verfolgen den Schutz solch gefährdeter Arten sogar explizit. Mit Hilfe einer Artensuchmaschine des Rote-Liste-Zentrums kann man ganz leicht online die entsprechenden Spezies identifizieren. Herausgeber der Roten Listen ist dabei das Bundesamt für Naturschutz.

Umsiedlung bei Umbauten eine Lösung

Die einzigen Problemfälle für Golfanlagen mit Rote-Liste-Arten ergeben sich manchmal bei Umbauarbeiten am Platz. Dafür benötigt man häufig auch die Zustimmung der Naturschutzbehörde. Manchmal ist eine Bestandserhebung nötig. Findet man dann gefährdete Arten, suchen die Beteiligten nach der besten Lösung. „In den meisten Fällen finden wir einen Standort auf dem gleichen Gelände für eine Umsiedlung“, berichtet Sabine Tappertzhofen aus ihrer Erfahrung. In extrem seltenen Fällen müsse die Planung geändert werden.Auch deshalb hat sich die Angst vor der Gelbbauchunke längst gelegt. Im Gegenteil: Im GC Riedhof bei München arbeitet man gerade daran, das Umfeld für die Gelbbauchunke noch zu verbessern. Damit die Rote-Liste-Art ihren Lebensraum auf dem Golfplatz wirklich genießt.