Fairtrade-Kaffee auf Golfanlagen

Fairtrade-Kaffee wird auf immer mehr Golfanlagen verkauft. Ist damit das Thema Nachhaltigkeit beim Kaffeekonsum schon geklärt? Eine Frage, die angesichts der Tatsache, dass der Deutsche rund 150 Liter Kaffee im Jahr im Schnitt verzehrt, nicht unwesentlich ist. Auf 18-Löcher-Anlagen gehen im Schnitt durchaus monatlich über 1000 Tassen Kaffee über die Theke. Wir werfen einen Blick auf Umfänge, Kosten und Erfahrungen bei Golfanlagen beim Verkauf dieses Produkts, auf unterschiedliche Konzepte und auf die Anbieterseite. /""

Beim Golfclub Domäne Niederreutin hat man sich dafür entschieden, Fairtrade-Kaffee auszuschenken. Der fair gehandelte Kaffee der Firma Azul (Tierra Verde Café Crema) wird von der Kundschaft gut angenommen. Die zehn Monate im Jahr geöffnete Gastronomie des Golfclubs in Baden-Württemberg verbraucht laut eigenen Angaben für alleangebotenen Kaffeesorten (Café Creme, Espresso, Latte Macchiato, Milchkaffee, Cappuccino) rund 13 bis 14 kg Kaffeebohnen im Monat. Das Produkt ist gegenüber handelsüblichem Kaffee ca. drei Euro je Kilogramm teurer.

Tierra Verde Café Crema mit Fairtrade Logo (photo by Azul)

Open.9 in Eichenried hat sich ebenso dem Verkauf von Fairtrade-Kaffee verschrieben, hier gibt es Kaffee der bayerischen Firma Dinzler. Wenngleich dieses Produkt laut Geschäftsführerin Daniela Schön-Horder „wesentlich teurer“ sei, habe man sich bewusst für eine Umstellung auf Fairtrade-Kaffee entschieden. „Ich wollte einfach ein Zeichen setzen“, meint Schön-Horder. Lediglich beim Espresso entschied man sich auf der Anlage vor den Toren Münchens gegen eine Umstellung. Wesentlich teurere Preise werden hierbei ebenso als Gründe angegeben wie eine kleine und ungünstige Verpackungsgröße von 250g Päckchen anstatt wie üblich kiloweise. Hierbei würde mehr Müll entstehen.

Fairtrade-Kaffee auf Golfanlagen ist eines der Geschäftskonzepte von Lecobo, einer Kaffeerösterei mit Bio- und Fairtrade-Zertifikat aus Erfurt. Der Betrieb aus Thüringen fasst laut Geschäftsführer Dirk Spengler in diesem Markt immer mehr Fuß. Abnehmer erhalten ein Produkt mit Bio- und Fairtrade-Zertifikat, das entweder in Gastronomie-Verpackungen oder personalisierten Verpackungen angeboten wird.

Das Restaurant im Wengerhof beim Golfclub Berchtesgadener Land

Kontrollsiegel und schonende Herstellung

Laut Firmenangaben zählt Lecobo mittlerweile rund 15 Golfplätze in Deutschland zu seinem Kundenstamm. Im Vergleich zu handelsüblichen Kaffeesorten ist das Produkt etwas teurer als handelsüblicher Kaffee (7,50 Euro lautet die unverbindliche Verkaufspreis-Empfehlung des Herstellers für 250 Gramm). Dafür wird mit dem Produktsiegel Fairtrade auf faire Arbeitsbedingungen auf Kaffee-Plantagen gesetzt, die laut Spengler bei den eigenen Produkten in Indien, Afrika und Mittelamerika beheimatet sind.

Unter dem Fairtrade- sowie Bio-Label werden über die fairen Arbeitsbedingungen hinaus zudem Aspekte wie der Einsatz von Pestiziden strengstens überwacht. Ein- und Verkäufe muss das Unternehmen in einem Intranet der Fairtrade Label Organisation genau dokumentieren.

Clubgastronomie in Entscheidung einbeziehen

Das Lebensmittel wird mit der sogenannten Trommelröstung in Erfurt in einer kleinen Manufaktur mit fünf Mitarbeitern hergestellt. Anschließend wird der Kaffee in 250-Gramm-Verpackungen oder in Größen von jeweils einem Kilogramm vor Ort abgepackt und verschickt. Für den Vertrieb des nachhaltigen Produktes gelte es laut Spengler vor allem, die eigene Gastronomie mit ins Boot zu holen. Denn hierbei besteht gelegentlich Uneinigkeit über die Produktwahl, weil Club-Gastronomen auf Golfanlagen oftmals gegenüber Betreibern autark agieren und eigene Marken bevorzugen.

Die Gastronomie mit Buffet und Bar beim Golfclub Berchtesgadener Land

Potenzial bei Verpackungen – gute Resonanz bei Golfern

Beim Vertrieb mit den kleineren und in China hergestellten 250-Gramm-Hochglanz-Plastik-Verpackungstüten und dem Hermes-Versand ohne klimaneutrale Labels bei Lecobo steckt in Sachen Nachhaltigkeit noch Potenzial. Hier stößt die Nachhaltigkeit eindeutig an ihre Grenzen. Der Versandanteil der Verpackung ist enorm, das Material unterliegt hier keinem Kontrolllabel. Eine regionale Kaffeerösterei um die Ecke kann hier als Alternative unter Umständen gerade im Hinblick auf das Thema Versand deutlich besser punkten.

Dass nachhaltiger Kaffee bei Golfanlagen eine gute Entscheidung sein kann, bestätigt Clubmanager Christian Rau vom GC Berchtesgadener Land. „Wir sind bemüht, mit Nachhaltigkeit zu werben. Insofern passt das sehr gut“, sagt der Verantwortliche der 18-Löcher-Anlage in der Gemeinde Ainring nahe Salzburg. „Wir haben durchaus positive Reaktionen.“