Co2-Neutralität ein Mammutprojekt für Golfanlagen

Wie wird man eigentlich klimaneutral? Die Frage bewegt immer mehr Unternehmen in Deutschland, die ihre Bemühungen zum Thema Klimaschutz zunehmend dokumentieren und kommunizieren. Im Golfsport sind damit bis dato nur die großen Produzenten und Versorger beschäftigt – bei den Schuhherstellern Adidas und Puma oder dem Bekleidungshersteller Peak Performance ist Klimaneutralität ebenso ein Thema wie bei großen Dünge- und Spritzmittelherstellern wie Syngenta.

Sentosa Golf Club will Vorreiter bei Klimaneutralität werden

Bei den Golfanlagen sorgte der Sentosa Golf Club, einer der Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit, in diesem Jahr mit der Ankündigung klimaneutral zu werden, für Aufsehen. Für Golf Sustainable Grund genug, um bei Climate Partner– einem der großen deutschen Anbieter für Lösungsansätze im Klimaschutz – nachzufragen, inwieweit Golfanlagen durch ihre großen Extensivflächen besonders gute Ausgangsvoraussetzungen haben, klimaneutral zu werden.

Keine zertifizierten Klimaschutzprojekte in Deutschland

Die Antwort war allerdings ernüchternd: „Ein Ausgleich des CO2-Verbrauchs durch hochwertige Flächen auf dem Gelände ist nicht möglich“, resümiert Sebastian Dietl von Climate Parnter. Dazu müsste eine Golfanlage ihre hochwertigen Flächen nämlich zuerst einmal als zertifiziertes Klimaschutzprojekt anerkennen lassen können. Climate Partner, das immerhin schon mehr als 3000 Unternehmen zu Klimaneutralität verholfen hat, formuliert es so: „Im Grunde sind Klimaschutzprojekte Projekte, die anderen auf dieser Welt zu einem würdigeren Leben verhelfen. Weil diese Projekte dabei auch nachweislich Treibhausgasemissionen einsparen, schützen sie das Klima.“ Und: In Deutschland gibt es derzeit überhaupt keine zertifizierten Klimaschutzprojekte, weil die Bundesregierung dafür einen Prozess zur Vermeidung von Emissionen und Emissionsminderungen installieren müsste. Dieser existiert noch nicht.

Extensivflächen auf der Golfanlage werden nicht angerechnet

Für eine Golfanlage mit dem ambitionierten Ziel klimaneutral zu werden, bedeutet dies: Sie muss mit einem zertifizierten Klimapartner eine Bestandsaufnahme ihrer Emissionen machen und kann dann anhand von eigenen Projekten versuchen, ihre Emissionen zu senken. Nachdem dies nie bis zu einem Nullpunkt möglich ist, wird sie die verbleibenden Emissionen monetär über ein internationales Klimaschutzprojekt ausgleichen.

Alles in allem ein aufwändiger Prozess, dem sich nur besonders engagierte Anlagen stellen dürften. Im deutschsprachigen Raum gibt es noch keine Anwärter, international hat sich Sentosa Golf Club als erste Anlage gemeldet. Der First-Class Club in Singapur mit 36 Löchern, der bereits Schauplatz zahlreicher internationaler Weltklasseturniere war, arbeitet mit der britischen GEO Foundation bei der Erarbeitung von Konzepten zum Einsparen von Ressourcen zusammen.

Bei uns jätet jeder Mitarbeiter täglich 15 Unkräuter

Nachdem der Sentosa Golf Club als durchaus wohlhabender Golfclub mit zahlungskräftigen Inhabern, Sponsoren und Mitgliedern gilt, drängt sich die  Frage auf, ob der Club seine CO2-Emissionen womöglich nur durch den Kauf von CO2-Zertifikaten ausgleicht. Andrew Johnston, General Manager und Director of Agronomy der Anlage, erklärte Golf Sustainable das Projekt daraufhin genauer:

Wieviel CO2 muss der Sentosa Golf Club tatsächlich einsparen, um klimaneutral zu werden?

Johnston: Der Club hat vor kurzem sein erstes CO2-Audit durchgeführt, das uns gezeigt hat, wo wir derzeit mit unserem CO2-Fußabdruck stehen. Das Audit hat es uns ermöglicht, unser Geschäft eingehend zu untersuchen und die verschiedenen Bereiche herauszuarbeiten, auf die wir uns konzentrieren müssen. Jetzt beginnen wir mit der Erstellung eines Masterplans, der eine vollständige Strategie enthält, wie wir unseren gesamten CO2-Fußabdruck auf Null reduzieren können. In den nächsten zwölf Monaten hoffen wir, unsere verbleibenden 4.009 Tonnen CO2-Äquivalente an geschätzten jährlichen Restemissionen durch zertifizierte Kohlenstoffkompensationen an regionale Forst- oder Blue Carbon-Projekte auszugleichen.

Gibt es eine Übersicht, welche Bereiche des Golfclubs das meiste CO2 verbrauchen? Die Maschinen im Greenkeeping, der Betrieb des Clubhauses oder ein anderer Aspekt?

Johnston: Generell gibt es viele Bereiche eines Golfclubs, in denen eine Gesamtstrategie zur Reduzierung der CO2-Emissionen erforderlich ist. Jeder Golfclub auf der ganzen Welt muss ja Strom verbrauchen, um die Golfcarts nach jedem Spieltag wieder aufzuladen. Auch Energie für Clubhaus, Küche und verschiedene andere Einrichtungen, die den größten Teil des Jahres in Betrieb sind, braucht jeder Club. Wir in Sentosa betreiben täglich die Pumpstation auf den Golfplätzen, und da wir uns in den Tropen befinden, ist die Klimaanlage im Clubhaus jeden Tag in Betrieb. Wir brauchen also eine Gesamtstrategie zur Reduzierung des Kohlenstoff-Fußabdrucks.

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Sentosa Golf Club hat bereits in den vergangenen Jahren Maßnahmen zur Abfallreduzierung oder Verwendung der Solarenergie gestartet. Um wieviel Prozent wurde der CO2-Ausstoß dadurch reduziert?

Johnston: Leider wurden all diese wunderbaren Initiativen, an denen wir in den letzten zehn Jahren gearbeitet haben, nicht gemessen – wir haben also kein Gesamtbild zur CO2-Reduzierung, wissen aber, was wir an Ressourcen eingespart haben.  Wir haben zum Beispiel alle Einwegplastikflaschen von unseren Golfplätzen verbannt und stattdessen Wasserstationen installiert. Bislang konnten wir dadurch rund 300.000 Plastikwasserflaschen einsparen.

Andere Initiativen wie die Umstellung unseres Bewässerungssystems auf ein Bewässerungssystem mit Ein-Kopf-Steuerung haben es uns ermöglicht, unsere Wasserressourcen um bis zu 40 % zu reduzieren, während die Einführung von Kohlenstoffprodukten in unser Greenkeepingprogramm unsere Düngeranwendungen um 50 % und Pestizidanwendungen um bis zu 95 % reduziert hat. Durch den Kauf von GPS-Sprühgeräten sind wir nun in der Lage, bestimmte Bereiche des Golfplatzes gezielt zu besprühen, was die Verschwendung und den Einsatz von Produkten um bis zu 30 % reduziert.

Welche Maßnahmen können den CO2-Ausstoß in Zukunft drücken?

Johnston: Wir planen, unseren Energieverbrauch von traditionellen Energiequellen auf saubere Energie umzustellen. Die Installation von zwei Bio-Fermentern wird ebenfalls enorm helfen, da sie in der ursprünglichen Klimabilanz nicht berücksichtigt waren.

Die Biogasanlagen werden uns in die Lage versetzen, die Lebensmittel- und Gartenbauabfälle zu reduzieren, die wir derzeit auf die Mülldeponie schicken; eines der weltweit größten Probleme beim Methanausstoß. Durch den Einsatz der Fermenter hoffen wir, bis zu 40 kg Lebensmittelabfälle pro Tag und eine Tonne Gartenbauabfälle pro Monat zu Dünger zu zerkleinern, der auf unseren Golfplätzen wiederverwendet werden kann. Dies wird uns helfen, über einen Zeitraum von einem Jahr eine geschätzte Kostenersparnis von bis zu 30 % bei der monatlichen Abfallentsorgung zu erzielen.

Der ganze Prozess klingt durchaus aufwändig…

Johnston: Wir möchten alle Clubs auf der ganzen Welt dazu ermutigen, den Prozess der Erstellung eines CO2-Audits zu durchlaufen. Sobald diese Erhebung abgeschlossen ist, wird viel klarer, wie ein Club etwas bewirken und seinen gesamten CO2-Fußabdruck reduzieren kann.

Welche Bereiche des Clubs sind am einfachsten zu ändern?

Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Wir sind ja ein Servicebetrieb, es ist also unsere Aufgabe, ein 5-Sterne-Erlebnis zu bieten, und alles ist wichtig, was wir unseren Mitgliedern und Gästen bieten.

Alle unsere Mitarbeiter engagieren sich aber auch voll und ganz für unsere Nachhaltigkeitsagenda. Zum Beispiel jätet jedes Teammitglied täglich 15 Unkräuter, um die Umgebung des Clubs auf natürliche Weise zu pflegen, ohne Maschinen einsetzen zu müssen. Nachhaltig und umweltfreundlich zu sein, ist im Club tatsächlich zu einer Lebensart geworden.

Wie hoch ist der Prozentsatz, den der Club über bezahlten Kohlenstoffausgleich auslösen muss?

Andrew Johnston: Unser aktuelles Programm, sieht vor, jedem Golfer im Club eine CO2-freie Golfrunde anzubieten. Wir beabsichtigen, dies zu tun, indem wir von jeder gespielten Golfrunde einen Dollar pro Golfer für den Kauf unserer zertifizierten Kohlenstoffkompensationen bereitstellen. Da wir gleichzeitig unsere gesamte CO2-Bilanz verbessern, ist es unser Ziel, den monetären Ausgleich $1 auf fünfzig Cent zu reduzieren. Und am Ende hoffe wir natürlich, auch davon noch abzukommen.