Last Updated on 10. März 2022 by Petra Himmel

Budersand Hotel: Luxus setzt Nachhaltigkeit voraus

Luxus-Hotellerie ohne einen nachhaltigen Aspekt geht ja eigentlich gar nicht mehr. Christian Matthiesen, Marketing-Experte, sagt das. Er sitzt im Dezember 2021 in der Bar des 5-Sterne-Resorts Budersand auf Sylt und fängt an den Themenkomplex zu beackern, der gerade auch mit der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen hat: Was versteht der Gast eigentlich unter nachhaltigem Urlaub? Wie sichtbar oder versteckt kann Nachhaltigkeit sein? Und: Wann fängt die Thematik an zu nerven?

Das Budersand Resort, 2009 mit seinem 18 Löcher-Golfplatz in Hörnum direkt an der See eröffnet, ist Schleswig-Holsteins Aushängeschild, wenn es um Luxusurlaub geht. Hier trifft der Golfer auf die in Deutschland ansonsten sehr selten vorkommende Kombination aus einem Top-Hotel mit einem erstklassigen Golfplatz. Spitzen-Qualität innerhalb der Gebäudemauern und draußen vor der Tür, wo der stramme Linkskurs sich an der Inselspitze bewegt.

Nachhaltigkeit als Teil des Grundkonzeptes

Im Budersand Hotel ist das Konzept der Nachhaltigkeit kein neues. Ein eigenes Blockkraftheizwerk gibt es von Beginn. Bei Reparaturen werden nur Farben aus natürlichen Produkten verwendet, Bewegungsmelder und LED-Lampen sorgen für das Stromsparen. Seit 2015 bietet man jedes Hotelzimmer auch als Green Room an. Für 40 Euro mehr pro Person und Nacht sind Bettwäsche und Handtücher dann aus fair gehandelter Baumwolle. Sämtliche Pflegemittel im Bad sind biozertifiziert. Die Blumen, die auf dem Tisch stehen, stammen von der Insel, und in der Minibar steht die deutsche Biolimo.

Regionalität in der Gastronomie

„Das machen wir ja alles hier in Budersand schon sehr lang“, sagt Matthiesen. Vieles davon sind Kleinigkeiten, die auf den ersten Blick nicht auffallen. Die Halfway-Verpflegung beim Golfturnier wird eben in Porzellan-Schälchen serviert, Plastikverpackung ist tabu. Ein Blick aufs Frühstücksbüfett gleicht einem Streifzug durch Sylter Produkte: vom Meerrettich über die Krabben bis zum Brot – kurze Lieferwege, Unterstützung regionaler Produzenten. Wertschätzung heimischer Produkte. In Budersand laufen diese Nachhaltigkeitsstandards seit Jahren gekonnt mit.

Und doch hat sich in den vergangenen zwei Jahren einiges geändert: „Als es den Lockdown gab, die Insel quasi dicht war und alle Sylter Zeit hatten wieder an den Strand zu gehen, hat sich das Gefühl für die Insel verändert und die Wertschätzung“, erklärt Matthiesen. Das Bewusstsein dafür, dass die kleine Nordseeinsel mit ihren großen Schutzgebieten in ihren Ressourcen endlich ist, hat Nährstoff bekommen.

Mobilität auf der Insel als Herausforderung

Ein Gefühl, das in der Folge aufeinandertraf mit dem Drang der Deutschen nach einem sicheren Urlaub im Heimatland. Selten war Sylt so gesucht wie während der Corona-Pandemie – und das eben nicht nur in den klassischen Hochsaisonzeiten, sondern ganzjährig. „Die Vereinbarung von Tourismus und einer nachhaltigen Herangehensweise ist für uns hier die größte Herausforderung“, sagt Matthiesen und blickt Richtung Eingang des Hotels. Hinter dem Parkplatz beginnt die Durchgangsstraße über die Insel, die einzige Straße, die von Hörnum Richtung Westerland führt. Stau ist laut Matthiesen hier im Sommer ein großes Thema: „Gerade beim Verkehr wird der Druck immer größer. Wenn die Straße im Sommer voll ist, geht nichts mehr. Die Infrastruktur auf der Insel ist eine Herausforderung.“

Ressourcen sparen auf dem Golfplatz

An der Infrastruktur hängt auch die Personalfrage. Der morgendliche Weg auf die Insel ist nicht nur für Head Greenkeeper Stefan Hansen Standard. Aufwändig ist der Weg vom Festland nach Sylt, Personal bekommt auf der Insel nur, wer einen attraktiven Arbeitsplatz bietet. Hansen jedenfalls sagt, „ich will hier nie wieder weg.“ Hier in Hörnum versucht er auf dem Golfplatz Top-Qualität zu erzielen und gleichzeitig den Anforderungen von einem Zertifikat wie „Golf & Natur“ gerecht zu werden, mit dem Budersand ausgezeichnet ist.

Wenig Wasserverbrauch, strapazierfähige Gräser, neu angelegte Heideflächen, Dünenschutz und schnelle, harte Grüns – das sind die Details, für die Hansen mit seinem Team steht. Einfach ist auch dieser Bereich in den vergangenen zwei Jahren nicht gewesen: „Das war eine völlig neue Erfahrung, dass wir eigentlich ständig einen vollen Platz hatten“, resümiert Hansen. Sylt hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Golfdestination entwickelt. Linkskurse mit ihren engen Fairways, dem hohen Dünengras, dem vielen Wind, gelten dabei oft als schwer: Auch dem muss man in Budersand begegnen. „Die Leute wollen ja nicht ständig frustriert sein, weil es ihnen zu schwer ist“, resümiert Matthiesen. „Linksgolf gut spielbar“ ist deshalb die Devise.

Das Thema Nachhaltigkeit dezent verpackt

Überhaupt, so sein Fazit, sei man als Dienstleister im Tourismus auch dahingehend gefragt, das Thema „Nachhaltigkeit“ nicht zu überfrachten. Die unauffällige und konstante Eingliederung in den Hotel-Alltag, so die Erkenntnis hier, sei die beste Herangehensweise. „Tatsache ist, dass der Gast nicht auf Schritt und Tritt bei seinem Aufenthalt von Nachhaltigkeitsthemen verfolgt werden will.“ Wer den Luxusurlaub buche, erwarte Ruhe. In Budersand direkt neben der Hörnum Odde bekommt er eine große Portion Naturerlebnis an der Odde Hörnum und deutsches Linksgolf dazu.