Nachhaltigkeits-Zertifikate im Golf auf dem Prüfstand

Reine Imagepflege oder echter Mehrwert? Was genau bringt ein Zertifikat, in dem Nachhaltigkeitsaspekte im Golfsport untersucht werden? Fragen, die sich so mancher Golfanlagenbetreiber stellen mag, nachdem Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen auch im Golf-Business zunehmend an Bedeutung gewinnen. Tatsächlich gibt es bis dato wenig Erhebungen, die sich mit der Wertigkeit der vorhandenen Nachhaltigkeits-Zertifikate im Golfsport beschäftigen. Aber immerhin: Sowohl eine Studie der Universität Bayreuth, die den Mehrwert des Zertifikats „Golf und Natur“ des Deutschen Golf Verbandes untersuchte, als auch eine Schweizer Arbeit der Autorin Mirjam Fassold unter dem Titel „Marktvorteile für Golfanlagen mit grünem Image“, haben sich in den vergangenen zwei Jahren mit dem Thema auseinandergesetzt. Während in Deutschland das Zertifikat „Golf & Natur“ der Marktführer ist, wird in der Schweiz weitgehend die Zertifizierung der englischen GEO Foundation eingesetzt.

Reine Imagepflege oder wirtschaftliche Vorteile? 
Die Ausgangslage ist dabei in beiden Märkten ähnlich: Die Nachhaltigkeits-Affinität der Golfer ist relativ hoch, der Klimawandel betrifft den Golfsport in ganz Europa. Golfanlagen sind einerseits aufgrund behördlicher Auflagen zunehmend zum Sparen von Ressourcen wie etwa Wasser gezwungen, daneben ist aber auch ein positives Images in Sachen Ökologie wesentlich. Hinzu kommt das Bemühen, durch Nachhaltigkeits-Zertifikate auch den Wert einer Mitgliedschaft zu steigern. Schließlich sind Konsumenten sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz bereit, zum Beispiel für Bio-Produkte einen höheren Preis zu zahlen. Unter Umständen, so die Schlussfolgerung, kann der Nachweis einer umweltschonenden Golf Club-Führung also auch zu ökonomischen Vorteilen führen.
Die 69 deutschen Anlagen, die an der Studie der Universität Bayreuth teilnahmen, waren offenbar zum Großteil von der Sinnhaftigkeit des Golf & Natur-Zertifikats überzeugt. „Alles in allem kann festgestellt werden, dass das Golf & Natur-Zertifikat einen Mehrwert im ökologischen Sektor und – mit Einschränkungen – auch im ökonomischen Sektor schafft, vor allem aus der Sicht der zertifizierten Plätze. Die zertifizierten Clubs profitieren damit nicht nur im Bereich des Umweltschutzes, sondern auch im Bereich des Managements,“ resümiert der Autor Prof. Christopher Huth. Die Glaubwürdigkeit der Golfanlagen in Sachen Nachhaltigkeit steigt demnach durch die Teilnahme am Programm Golf & Natur, Arbeits- und Spielbedingungen werden langfristig verbessert.

Kommunikation des Nachhaltigkeitsthemas noch mangelhaft
„Ein grünes Image verschafft einer Golfanlage einen Wettbewerbsvorteil“, resümiert die Schweizerin Mirjam Fassold in ihrer Diplomarbeit aus dem Frühjahr 2019 zum Thema, fügt aber auch hinzu: „Dies unter dem Vorbehalt, dass diese Nachhaltigkeit dem Kunden auch bekannt ist. Im Kommunikationsbereich schlummert großes, bislang nur wenig genutztes Potenzial.“ Denn: Zumindest die Umfrage unter den Schweizer Clubs ergab, dass sich „74% der Umfrageteilnehmer nur rudimentär oder gar nicht informiert über die Nachhaltigkeitsbestrebungen des eigenen Golfclubs“ informiert fühlten. „Über 70 Prozent der Befragten würden sich aber mehr Informationen zu den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz wünschen.“

Diese Nachhaltigkeits-Zertifikate gibt es:
Golf & Natur: Das Zertifikat des Deutschen Golf Verbandes zielt auf eine „Verbesserung der Spiel- und Arbeitsbedingungen auf Golfanlagen bei gleichzeitig größtmöglichem Schutz der Natur und der Ressourcen“. Es ist dreistufig von Stufe Bronze bis Golf.
GEO (Golf Environment Organization): Die britische Non-Profi-Organisation hat ein zweistufiges Zertifizierungssystem entwickelt. In Europa ist es das Zertifikat mit der stärksten Verbreitung.
Audubon Cooperative Sanctuary Program for Golf (Audubon Society): Die Zertifizierung der Audubon Society ist vor allem in den USA extrem verbreitet und im deutschsprachigen Raum kaum bekannt.