Klimawandel: Mehr und neue Zecken auf dem Golfplatz

Hyalomma heißt das Tier, das Golfer in Zukunft in Sachen Gesundheit beschäftigen könnte. Die Rede ist von einer Tropischen Riesenzecke mit gelb geringelten Beinen, die aufgrund des Klimawandels inzwischen auch in Deutschland auftaucht. Hyalomma gelten als gefährlich, weil sie sogenannte Rickettsien-Bakterien übertragen, die das Zecken-Fleckfieber auslösen können. Außerdem ist die tropische Zecke Überträgerin des gefährlichen Krim-Kongo-Fiebers, gegen das es keine Impfung gibt.

Mit Phänomenen wie dem Auftreten der Hyalomma-Zecke befasst sich die international anerkannte Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann, die den Lehrstuhl für Umweltmedizin an der Universität Augsburg und am Helmholtz-Zentrum München leitet. In ihrem neuesten Buch „Überhitzt“ beschäftigt sie sich zusammen mit der Co-Autorin Katja Trippel mit den Folgen des Klimawandels für die Gesundheit.

Milde Winter und mehr Nahrung für die Parasiten

In Sachen Hyalomma-Zecke kommt sie zu der Erkenntnis, es sei wahrscheinlich „dass die Zecke, die ursprünglich aus heiß-trockenen Regionen Afrikas und Asiens stammt, mittlerweile die mild gewordenen deutschen Winter übersteht und sich hier weiterentwickeln kann.“ Sie beruft sich dabei auf eine Zecken-Studie der Parasitologin Ute Mackenstedt, die zusammen mit Forschern des Robert-Koch-Instituts in Berlin und der Tierärztlichen Hochschule in Hannover seit 2018 Riesenzecken im dreistelligen Bereich von Bürgern zugesandt bekamen. Erfreulicherweise trug demnach noch keine den Krim-Kongo-Virus in sich, jede zweite aber Rickettsien.

2020 Rekordjahr bei FSME-Fällen

Das bei Golfern allseits bekannte Thema Zecke nimmt ohnehin seit Jahren an Bedeutung zu. Das Robert-Koch-Institut vermeldete 2018 mit 583 FSME-Infektionen erstmals einen Rekord, 2020 stieg die Zahl aber bereits auf 748 Fälle – mehr als jemals zuvor. Gründe waren ein vergleichsweise milder Winter, schönes Wetter ab März und viele Personen, die sich aufgrund des Corona-Lockdowns in der Natur aufhielten.

Nachdem Zecken bereits ab etwa acht Grad Außentemperatur aktiv werden, verweisen Traidl-Hoffmann und Trippel in ihrem neuen Buch darauf hin, dass sich die Zeckensaison seit 2001 in Teilen Deutschlands um bis zu drei Wochen verlängert habe, die Tiere auch in Mittelgebirgslagen von über 600 Meter Höhe vorkommen und die Zeckendichte insgesamt zunehme. Und: Durch den Klimawandel hat sich demnach auch das Aufkommen an Mäusen vermehrt, die Zecken im Stadium der Larve gerne als Wirt nutzen. Je größer das Nahrungsaufkommen ist, desto besser sind die Entwicklungschancen für die Parasiten.

Impfung in Süddeutschlands Risikogebieten

Der Einfall der tropischen Riesenzecke Hyalomma, den Traidl-Hoffmann und Trippel beschreiben, mag auf den ersten Eindruck exotisch und abwegig klingen, anscheinend aber ist er es keineswegs. Vielmehr, so die Aussagen des Buchs zusammengefasst, scheint das Thema Zecken mit dem Klimawandel durchaus an Bedeutung zu gewinnen. Das gilt laut RKI vor allem für Deutschlands Risikogebiete Bayern, Baden-Württemberg, Sachen, Südhessen und das südöstliche Thüringen. Hier wird die FSME-Impfung dringend empfohlen.

Der Gemeine Holzbock, der das FSME-Virus und Borrelien-Bakterien überträgt, ist in Deutschland weitgehend erforscht. Bei der weit größeren Hyalomma-Zecke stehen die Studien in Sachen Auftreten, Verbreitung und Erreger-Übertragung offenbar noch am Anfang. Sicher ist demnach allerdings: Sie ist längst da.