TU München forscht zum Thema Ökologie und Golf

Prof. Dr. Johannes Kollmann ist Geschäftsführer des Forschungsdepartments Ökologie und Ökosystemmangement an der Technischen Universität München. Seit 2017 setzt er auch international Projekte im Rahmen von Golf & Natur des Deutschen Golf Verbandes um. Golf trifft Wissenschaft – ein Interview

Wie sind Sie als Nicht-Golfer überhaupt auf Golfprojekte gestoßen?

Kollmann: Ich bin im Jahr 2017 über norwegische Kooperationspartner auf die ökologischen Aspekte des Golfsports aufmerksam geworden. Gerade die Kollegen aus Skandinavien betreiben ja besonders innovative Forschung zur Aufwertung von Golfplätzen. Über diese Schiene bin ich dann mit dem Deutschen Golf Verband in Kontakt gekommen.

Sie sind selbst kein Golfer, inwiefern hatten Sie Vorbehalte?

Kollmann: Ich kannte das Thema Golf schon ein wenig aus meiner Studienzeit in Freiburg. In den 1980er Jahren, als die große Golfplatzwachstumszeit war, war das Thema Golf in Naturschutzkreisen eher negativ besetzt. Ich habe aber in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen, dass es u.a. in Deutschland viel Potential einer naturschutzfachlichen Aufwertung von Golfplätzen gibt, und habe mir dann mehrere Plätze angeschaut. Dabei konnte ich feststellen, dass viele sehr erfolgreich aufgewertet worden sind. Das haben wir auch durch studentische Arbeiten belegt, mit klaren Hinweisen darauf, wie sich Landschaft und Natur durch Golfplätze positiv verändern, welche Vegetationstypen sich einstellen und wie viele Tierarten da vorkommen. Es gibt wirklich ganz hervorragende Beispiele, wie die Golfanlagen Valley oder Wörthsee im Raum München.

Wo hakt es bei den Kooperationen?

Kollmann: Die Herausforderung besteht in der Kommunikation mit den Golfern, weil es sich hier teilweise schon um einen speziellen Typ Mensch handelt. Es sind oft machtvolle Persönlichkeiten mit viel Einfluss in Wirtschaft und Gesellschaft, aber in der Herangehensweise eben manchmal etwas hemdsärmelig. Wenn wir ihnen dann den wissenschaftlichen Ansatz und unsere Ziele erklären, ist das oft eine interessante Mischung. Man muss eine spezielle Kommunikation hinkriegen, damit man Golfer wirklich für das Thema der ökologischen Aufwertung von Golfplätzen begeistert und sie die Komplexität der Ökosysteme auf ihren Plätzen in den Grundzügen verstehen.

Wie viele Projekte laufen gerade bei Ihnen in Zusammenhang mit Golf & Natur?

Kollmann: Im Moment läuft ein Kooperationsprojekt des skandinavischen Golfverbands, das ich als deutscher Partner bearbeite. Dann habe ich gerade ein neues großes Projekt beim Bundesamt für Naturschutz beantragt, das sich in der Vorprüfung befindet. Das würde sich über ganz Deutschland erstrecken. Und schließlich betreue ich mehrere studentische Projekte und Abschlussarbeiten, die ein vom Deutschen Golf Verband finanziertes Vorhaben zur ökologischen Aufwertung von Hardroughs unterstützen.

Prof. Dr. Johannes Kollmann (2.v.r.) mit Dr. Gunther Hardt, zuständig für das Projekt Golf & Natur beim Deutschen Golf Verband, bei einer Field Demonstration mit den Greenkeepern des Münchener GC

Wie reagieren Ihre Studenten auf Projekte aus dem Bereich Golf?

Kollmann: Sie studieren an der TUM in Weihenstephan Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung und kennen daher das praxisorientierte ökologische Arbeiten. Viele wissen auch, dass Golfplätze designte Objekte sind, mit denen man Geld verdienen kann, und die entsprechend Respekt verdienen. Da gibt dann es kein großes Stirnrunzeln, und weil es ein originelleres Thema ist als was wir sonst so machen, wird „Golf & Natur“ gut nachgefragt. Ein Student, der ein Projekt im Münchener Golf Club gemacht hat, ist selbst Golfer, aber das sind Ausnahmen.

Ihr Ansatz und Ihre Arbeitsweisen sind wissenschaftlich. In den Golfanlagen treffen Sie beim Thema Ökologie großteils auf Laien – wie schwierig ist es dann, eine Arbeitsebene zu finden?

Kollmann: Eigentlich nicht, aber das hängt natürlich von den einzelnen Persönlichkeiten ab. Manchmal haben wir da schon einen Dialog durch die ‚Glasscheibe‘, aber insgesamt läuft die Kommunikation gut und gewinnbringend für beide Seiten. Ich lerne viel.

Was hat Sie bei Ihrer Arbeit auf Golfanlagen positiv überrascht, was fällt negativ auf?

Kollmann: Positiv ist, wenn Greenkeeper mit gutem Gefühl für ökologische Standorte und mit langer Erfahrung nachhaltig Veränderungen bewirken, wie zum Beispiel Hans Ruhdorfer im GC Wörthsee. Hier wird viel umgesetzt, und wenn es dann – wie in diesem Fall – freie Hand von der Clubleitung gibt, entsteht Positives für die Natur, z.B. bei der Einrichtung von Blühstreifen oder Gehölzpflanzungen. Negativ fällt bei manchen Clubs die etwas oberflächliche Behandlung des Themas auf mit entsprechend undifferenziertem Platzmanagement, z.B. durch Mulchen von Hardroughs zur falschen Zeit. Das führt bei Grünland mit ackerbaulicher Vornutzung und entsprechend hohem Nährstoffgehalt zu gräserdominierten, artenarmen Beständen, die für Insekten wenig interessant sind.

Auf Golfanlagen kommt es ja häufig zu Fällen von einer Art Kleingärtnerei, die wenig mit Ökologie zu tun hat – stört Sie das?

Kollmann: Diesen Fall haben wir oft im direkten Umfeld der Clubhäuser, wenn eine Art repräsentative Landhausoptik mit Zierpflanzen im Baumarktstil erzeugt werden soll. Das ist dann oft ein starker Kontrast zu den naturnäheren Teilen der Anlage. Manchmal werden aber auch in naturähnlichen Situationen die falschen Arten ausgebracht, also Schattenpflanzen in volle Sonne, Sauerbodenarten auf Kalkboden etc. Das stört mich schon, vor allem, weil es weder ökonomisch, noch ökologisch Sinn macht. Das kommt selbst bei Golfanlagen vor, die sonst sehr positiv aufgestellt sind: Da ist auf der einen Seite ein wirklich gelungener, blüten- und strukturreicher Magerrasen auf Kiesschotter – fast schon ein Naturschutzgebiet – und daneben stehen am Weiher gepflanzte Gelbe Iris und Rohrkolben, die vor sich hin kümmern, weil der Standort nicht passt.

Erfordert die ökologische Ausrichtung der Flächen neben den reinen Golflöchern vielleicht mehr Wissen, als oft da ist?

Kollmann: Einfach ist es nicht und guter Wille allein reicht nicht. Dazu kommt, dass manche Golfplätze große Schwierigkeiten mit den Standortgegebenheiten haben. Hier im Raum München ist der GC München Eichenried ein Fall, der mit dränierten und stark zersetzten Niedermoorböden kämpft. Da hat man dann heftige Bodensetzungen und enorme Nährstofffreisetzung. Also eine wirklich schwierige Geschichte, aber auch eine interessante Herausforderung, der wir uns in Zusammenarbeit mit den Betreibern gerne stellen.