GEO-Tag im GC Altötting: Feldforschung auf dem Golfplatz

Die erste Bilanz fällt sehr positiv aus: „Das ist toll abgelaufen“, resümiert Eveline Merches die Ergebnisse des GEO-Tages der Kreisgruppe Altötting des Bund Naturschutz, der erstmalig auf dem Gelände des GC Altötting-Burghausen stattgefunden hat. „Das Gebiet hat viel Potential“, stellt Merches fest, die seit 13 Jahren in Altötting den sogenannten GEO-Tag organisiert, der inzwischen sogar als UN-Dekade Projekt ausgezeichnet wurde. Das jedenfalls war die einhellige Meinung der Experten für Vögel, Insekten, Amphibien, Pilze und Pflanzen, die am vergangenen Wochenende zwei Tage lang die Ausgleichs- und Extensivflächen der Golfanlage nach Arten durchsuchten.

Wertvolle Rote Liste-Arten wurden gefunden

„Die genauen Erhebungen werden wir in den nächsten Wochen bekommen, aber schon jetzt steht fest, dass wir einige Rote Liste-Arten gefunden haben“, stellt Merches fest, die selbst die Spinnen vor Ort analysiert hat und auch dort eine bedrohte Art feststellen konnte. Positiv sei für sie auch die Erkenntnis gewesen, dass die Golfanlage aufgrund ihrer großen Fläche nicht das Problem der Verinselung mitbringe. Vielmehr sei hier eine Vernetzung der Flächen gegeben, so dass sich die Tiere auf Dauer gut ausbreiten können.

Für die Experten kam die Vielfalt an Arten dabei durchaus überraschend. „Es gab durchaus Vorbehalte beim Thema Golfplatz“, stellt Merches fest. Aber eine erste Begehung durch einen Vertreter des Landschaftspflegeverbandes habe ergeben, dass die Golfanlage für den GEO-Tag durchaus interessant sein könnte.

Größte Feldforschungsaktion Mitteleuropas

Die GEO-Tage, die von der Zeitschrift GEO 1999 ins Leben gerufen wurden, sind die größte Feldforschungsaktion Mitteleuropas. Die Teilnehmer, seit 2015 jeweils über 15.000 Personen,  ermitteln in einem Zeitraum von 24 Stunden möglichst viele verschiedene Pflanzen und Tiere. Ziel ist eine Bestandsaufnahme der unmittelbaren Umwelt und das Wecken von mehr Bewusstsein für die Biodiversität vor der eigenen Haustür.

Die Kreisgruppe Altötting des Bund Naturschutz gilt als besonders engagiert bei der Durchführung des Projektes, was auch an der Auszeichnung als „Projekt der UN-Dekade biologische Vielfalt“ erkennbar ist. Neben einer Integration von Kindern und Jugendlichen über einen GEO-Jugendtag zum Auftakt der alljährlichen Aktion kann auch die örtliche Bevölkerung vom Wissen der Experten profitieren, denen man sich bei der Artenerhebung anschließen kann. Dies war am vergangenen Wochenende ebenso wie die Einbindung der Kinder aufgrund der Hygienemaßnahmen zur Corona-Krise nicht möglich. Das Projekt in Altötting wird ergänzt durch den GEO-Tag Pilze, der jeweils im Herbst stattfindet.

Für den GC Altötting-Burghausen, der vergangene Woche die Zertifizierung in Silber im Rahmen des Projektes „Golf und Natur“ des Deutschen Golf Verbandes erhielt, brachten die Expertenbegehungen wichtige neue Erkenntnisse zur Biodiversität auf der Anlage. Der Nachweis des Jungen Grünspecht (Picus viridis) und des Pilz Hainbuchen-Röhrling (Leccinum carpini) war zum Beispiel neu. Clubmanager Markus Löffl wartet nun auf die genauen Ergebnisse der Erhebung, die bis September vorliegen sollen. „Es gibt hier natürlich noch Möglichkeiten, etwas besser zu machen“, stellt Eveline Merches fest. Der Austausch zwischen den Experten des Bund Naturschutz und den Verantwortlichen des Golfclubs könnte in Zukunft eine weitere Aufwertung der Ausgleichs- und Extensivflächen bedeuten. Für Löffl aber war auch der Abbau von Imageproblemen des Golfsports ein wesentlicher Aspekt des GEO-Tages. „Die Wissenschaftler haben erkennbar einen völlig neuen Eindruck vom Thema Golf bekommen.“

Mehr Infos zu den Ergebnissen der GEO-Tage in Altötting finden Sie hier: