Geduld, Strategie, Konstanz: das Erfolgsrezept des GC Abenberg
Drei Säulen bilden den Teil des Erfolgsrezeptes des GC Abenberg: Geduld, eine langfristige Strategie, Konstanz in der Clubführung und im Greenkeeping. Der fränkische Golfclub ist einer der deutschen Spitzenreiter, wenn es um die vorbildliche Umsetzung von Natur- und Umweltmaßnahmen geht. An Auszeichnungen und Zertifikaten beim Programm Golf & Natur oder dem Blühpakt Bayern des Bayerischen Golfverbandes in Kooperation mit dem Bayerischen Umweltministerium mangelt es dem Club nicht. Wirklich greifbar wird die Vielzahl der Projekte aber erst, wenn man sie bei einem Rundgang über die 125 Hektar große Anlage in der Realität betrachtet.
Mehrjährige Blühwiesen, 13 Hornissenkästen, kartierte Vogelkästen, Totholzhaufen – all‘ dies sind Initiativen, die von konstanter Betreuung leben und der fachgerechten Durchführung profitieren. Gerade erst hat das Greenkeeping-Team rund um Headgreenkeeper Alexander Bayer eine etwa 2000 m² große Blühwiese entlang der Außengrenze des Kurzplatzes angelegt. „Das Saatgut stimmen wir immer genau mit der Firma Rieger-Hofmann ab“, resümiert der Course Manager. „Dann schicken wir im Verlauf von ein paar Wochen immer ein paar Fotos ein und stimmen uns über den Entwicklungsstand ab, fragen, ob wir alles richtig machen.“ Bayer betreibt Vergleichsflächen auf der Anlage mit unterschiedlichen Böden, anderer Sonneneinstrahlung aber gleichem Saatgut, um die Entwicklung zu beurteilen. Der Verzicht auf das Mulchen der Flächen kommt den Wiesen zugute. Boxen für den Grasschnitt finden sich zwischen den einzelnen Spielbahnen. Regelmäßig wird das Schnittgut in einer Biogasanlage entsorgt.
Die Bereitschaft, sich über die Golfanlage hinaus mit Fachleuten abzustimmen, verschafft dem Club einen Wissensvorsprung, von dem Tiere und Pflanzen profitieren. Mit Hilfe eines Hornissen-Experten hat man inzwischen 13 Völker in Hornissenkästen umgesiedelt und dort untergebracht – eine in dieser Form einmalige Konstellation in Deutschland. Zusammen mit Experten vom Landesbund für Vogelschutz ist auch die digital geführte Kartierung der Nistkästen für Vögel entstanden, die aktuell gehalten wird und über die Website des Clubs einsehbar ist. Die Kooperation mit den LBV-Experten funktioniert seit Jahren reibungslos. Mehrmals im Jahr, so Greenkeeper Werner Nißlein, der als Vorgänger von Alexander Bayer im Amt des Headgreenkeepers viele Umweltprojekte mitinitiierte, seien LBV-Experten vor Ort, um den aktuellen Stand der Projekte zu beurteilen.
Sechs Hektar Biotop am Stück
Fast wie unberührte Wildnis wirkt das sechs Hektar große Biotop entlang der Bahnen A vier und 5, das längst einige Biberfamilien umtriebig für den Dammbau nutzen. Als Lebensraum für Insekten und Amphibien ist das sich selbst überlassene Gelände ein enormer Mehrwert. Allerdings weichen die Biber ab und an auch in andere Bereiche des Golfplatzes aus – „dann müssen wir natürlich für Verkehrssicherheit sorgen“, resümiert Bayer, der seit 2024 den Greenkeeping-Bereich verantwortet.
Die Basis der erfolgreichen Arbeit des Golfclubs mit über 1000 Mitgliedern im Segment Natur und Umwelt bildet ein 2015 gegründeter Förderverein, der sich der „Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege auf der Golfanlage des GC Abenberg e.V. und des Golfsports für Jugendliche“ verschrieben hat. Egal ob der Neubau des Waschplatzes, die Anschaffung von Saatgut oder auch der Kauf der neuen Striegelmaschine, mit denen sich die Wiesen noch besser entwickeln lassen – all‘ diese Investitionen waren mit Hilfe des Fördervereins möglich.
Trockenheit Herausforderung Nummer 1
Die größten Kopfschmerzen bereitet Bayer das Thema Trockenheit. Ein Blick über die Bahnen zeigt: Trotz des erstklassigen Pflegezustands der Fairways ohne Kahlstellen fallen der nahezu ausgetrocknete Kaltenbach oder auch ein völlig ausgetrockneter Teich entlang der Spielbahn A4 ins Auge. „Wenn das auf Dauer so bleibt, müssen wir uns etwas überlegen“, sinniert Bayer mit Blick auf die lehmige Fläche, in der zurzeit nur die Fußspuren der Golfer zu erkennen sind, die hier ihre Bälle suchen.
Über 750 Stunden Handwässerung der Grüns und Fairways hat Bayer im vergangenen Sommer zusammen mit seinem Team abgeleistet, um die Spielbahnen trotz der langen Dürre und der begrenzten Entnahmemengen auf dem gewohnten Qualitätsniveau zu halten. Jetzt denkt er über eine Optimierung der Beregnungsanlage nach, um besser auf ähnliche Sommer eingestellt zu sein.
Kommunikation wird immer wichtiger
Gerade beim Thema Golfplatzbewässerung spielt für ihn auch die Kommunikation eine entscheidende Rolle. „Durch den Golfplatz gehen öffentliche Wanderwege, da wird die Bewässerung immer mehr zum Thema.“ Für die Golfanlage ist es wichtig an dieser Stelle auch ihren Mehrwert für die Natur und damit die Allgemeinheit zu dokumentieren. Zahlreiche Infotafeln weisen auf den Blühpakt Bayern oder Golf & Natur hin, stellen die Flächenaufstellung dar und erklären den Ansatz der Golfanlage in Sachen Lebensraumgestaltung.
Das Verständnis der Golfer im Club für die wichtigen Biodiversitätsprojekte ist auf diese Weise über die Jahre gewachsen. An Spenden mangelt es dem Förderverein nicht – und Projektideen hat das Greenkeeping-Team reichlich. Insofern war die Teilnahme am Blühpakt Bayern für den Club selbstverständlich. „Wir sind gerade zum fünften Mal bei Golf & Natur mit Golf zertifiziert worden“, resümiert Alexander Bayer. Projekte für die sechste Zertifizierung sind bereits in Planung. Die Kombination aus hochklassigen Spielflächen und der Schaffung hochwertiger Lebensräume für Fauna & Flora – all‘ das lässt sich gut kombinieren, wenn die Voraussetzungen stimmen: Geduld, Strategie und Konstanz.
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Foto: Canva/AI generated