CO₂-Fußabdruck: GC Neuhof berechnet Emissionen

In Deutschland hat sich der Golf-Club Neuhof als Vorreiter mit der CO₂-Bilanz seiner Golfanlage beschäftigt. „Für mich ist das eigentlich das neue Mega-Thema, nachdem wir in Sachen Biodiversität bei uns im Club schon sehr viel erreicht haben“, erklärt Präsident Dr. Andreas Seum die Beweggründe für die Auseinandersetzung mit dem Thema. Für ihn ist klar, dass „der Carbon Footprint in Zukunft für die Clubmitglieder, die Gewinnung neuer Mitglieder und bei Genehmigungsprozessen eine immer größere Rolle in der Gesamtdarstellung des Clubs spielen wird.“

Der Golf-Club Neuhof beauftragte ein Gutachten auf Basis des „Greenhouse Gas Protocols“ des World Resources Institute und des World Business Council of Sustainable Development in Washington. Untersucht wurde in unterschiedlichen Einheiten (Scope 1 bis 3) zum einen die jährliche CO₂-Bindung durch die Golfanlage, zum anderen deren CO₂ Emissionen jeweils für das Jahr 2020/2021.

Minusbilanz von rund 170 Tonnen CO₂

Das Ergebnis hat die Club-Verantwortlichen überrascht: „Ich hätte aufgrund der Fläche und des Baumbestands eine positive CO₂-Bilanz erwartet“, resümiert Seum.

Insgesamt verursachte der Golf-Club Neuhof 2020 410,7 Tonnen CO₂-Emissionen, wobei das Gutachten 240 Tonnen CO₂-Kompensation durch den wachsenden, bei der Golfplatzanlage neu gepflanzten Baumbestand abzieht. Am Ende bleibt ein Minus von 169,60 Tonnen CO₂, die vermindert oder ausgeglichen werden müssten, um auf der Basis des Gutachtens eine Nullbilanz bzw. CO2-Neutralität zu erreichen. Eingerechnet wurden dabei nicht nur die Reisen der Mannschaftsspieler, sondern unter anderem auch die Fahrleistung von Golfern und Gästen, sowie Greenkeeping und Mitarbeiter. Allein die Mitglieder-Fahrten zum Club und nach Hause summierten sich immerhin auf 426.000 Kilometer, 76,9 Tonnen CO₂-Emissionen und damit 18,7 Prozent des Gesamtanteils.

Heizung und Mobilität sind heikel

Eine schon vorhandene Elektrotanksäule trägt hier schon zur Reduzierung der CO2-Emissionen bei. Mit einer signifikanten Zunahme der Elektromobilität wird dieser Effekt zukünftig noch deutlich steigen, da 92% der Clubmitglieder in einem Umkreis von 15km wohnen. Damit wird auch dieser Aspekt des CO2 Ausstoßes bereits angegangen.

Ein weiterer heikler Punkt, den die Golfanlage mehr als beim Thema Anreise, direkt beeinflussen kann, ist die Heizung. „Mit 67 Tonnen CO₂ bei der Heizung und 60 Tonnen CO₂ beim Strom macht der Energieverbrauch einen hohen Anteil der CO2-Emissionen aus“, erklärt Seum.“ Hier liegt jetzt der Fokus auf dem Ersatz der bestehenden Ölheizung.“

Eine gut gemeinte Absicht, die sich in der Praxis aber als relativ kompliziert in der Umsetzung herausstellt. Die Clubgebäude in Neuhof bestehen zu wesentlichen Teilen aus einem historischen Schafstall, der unter Denkmalschutz steht. Eine Umstellung auf Wärmepumpen macht schon aufgrund der unzureichenden Isolierung des Gebäudes keinen Sinn. Die angedachte Pelletheizung ist aber aufgrund der hohen Feinstaubwerte kritisch zu sehen. Die Lösung der Hotspot-Frage ist also noch nicht wirklich in Sicht. Auch über die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach einer Maschinenhalle denkt man gerade nach.

Thematik komplizierter als erwartet

Überhaupt hat Seum im Rahmen seiner Auseinandersetzung festgestellt, dass die Thematik in vielerlei Hinsicht tricky ist: „Inzwischen kenne ich den Unterschied zwischen schwarzem und grünem CO₂ und habe mich mit so Dingen wie CO₂ Kompensation durch Humusbildung auf der Anlage auseinandergesetzt, die über Jahrzehnte sicherlich relevant ist, aber auf Jahresbasis gesehen im Millimeterbereich liegt.“

Das Thema Carbon Footprint, davon ist er nach wie vor überzeugt, ist das Thema der Zukunft, und die frühzeitige Auseinandersetzung damit wichtig. Im Golf-Club Neuhof beeinflusst es inzwischen die Managemententscheidungen. Inzwischen hat der Präsident die CO₂-Berechnung auch bei einer Talkrunde des Golf Management Verbandes Deutschland vorgestellt. Die Präsentation ist hier zur Information hinterlegt.