Die Sellbek schlängelt sich heute wieder sichtbar durch die Landschaft des Mittelholsteinischen Golfclubs Aukrug – ein naturnaher Bachlauf, der noch vor wenigen Jahrzehnten unter der Erde verschwand. Die Baumaßnahme ist ein gemeinsames Bauprojekt des Naturschutzrings Aukrug, des Mittelholsteinischen GC Aukrug und der örtlichen Naturschutzbehörden und damit ein Vorzeigebeispiel dafür, dass sinnvolle Kooperationen beim Thema Golf & NAturschutz funktionieren können.
„Ein Golfplatz nur für Golfer – dieser Sichtweise kann man im Mittelholsteinischen GC Aukrug nichts abgewinnen.“ Der Traditionsclub aus Schleswig-Holstein hat sich in den vergangenen Jahren bewusst neu positioniert. Kooperationen mit Wissenschaftlern, Naturschützern und regionalen Initiativen prägen inzwischen die Entwicklung der Anlage. Projekte wie Golf Biodivers oder die Initiative Blütenbunt-Insektenreich der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein zeigen, welches ökologische Potenzial in Golfanlagen steckt – etwa bei der Anlage artenreicher Wiesen oder der Förderung von Insektenpopulationen.
Im Zentrum der aktuellen Maßnahmen steht jedoch die Sellbek, ein Nebengewässer der Bünzau. Wie viele kleine Fließgewässer in Deutschland wurde sie vor rund 60 Jahren verrohrt – ein Eingriff, der zwar landwirtschaftliche und infrastrukturelle Vorteile brachte, aber gravierende ökologische Folgen hatte. Verrohrte Bäche verlieren ihre natürliche Dynamik, Lebensräume verschwinden, die Wasserqualität leidet.
Die Renaturierung der Sellbek kehrt diesen Prozess nun um. Über mehrere Monate hinweg wurde das Gewässer im Jahr 2025 freigelegt, entschlammt und naturnah umgestaltet. Unter der Leitung eines Bauingenieurs für Wasserwirtschaft und begleitet von Experten des Naturschutzrings Aukrug sowie der Unteren Naturschutzbehörde entstanden neue Strukturen wie sogenannte Sohlgleiten. Diese flachen Übergänge ermöglichen es Kleinstlebewesen, die Ufer zu überwinden und neue Lebensräume zu erschließen.
Mehr Arten – gesünderes Ökosystem
Besonders profitieren davon die sogenannten Makrozoobenthosen – wirbellose Organismen wie Insektenlarven, Würmer oder Kleinkrebse, die am Gewässergrund leben. Sie bilden das Fundament der aquatischen Nahrungskette und gelten als sensibler Indikator für die Wasserqualität. Je vielfältiger ihre Artenzusammensetzung, desto gesünder ist das Ökosystem. Durch die Renaturierung verbessert sich somit nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch die ökologische Funktion des Gewässers.
Für den Golfclub selbst war das Projekt mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand verbunden. Die Hauptlast der Kosten trugen öffentliche Stellen, während die Greenkeeper des Clubs, allen voran Arndt Harbeck und sein Kollege Malte Jeroschweski, vor allem praktische Arbeiten wie die Verlegung alter Drainagen übernahmen. „Das war wirklich interessant zu sehen, wie viel Geld auch in so eine Maßnahme wandert und wie hoch der Wert für Behörden ist“, resümiert Harbeck.
Auch bei den Mitgliedern stößt das Engagement auf Zustimmung. „Die Mitgliedschaft war sehr interessiert und hat das alles sehr positiv aufgenommen“, berichtet Platzwart Heinz-Peter Gloistein. Tatsächlich hat die Anlage durch die Maßnahmen auch optisch gewonnen: Offene Wasserläufe, naturnahe Uferzonen und blühende Randbereiche werten die Spielbahnen sichtbar auf.
Dabei bleibt für den Club ein Grundsatz zentral: Der Golfsport steht weiterhin im Mittelpunkt. Naturschutzmaßnahmen werden gezielt so umgesetzt, dass sie den Spielbetrieb nicht beeinträchtigen. Neue Blütenwiesen entstehen bewusst außerhalb der Hauptspielflächen, etwa durch die Umwandlung wenig genutzter Areale oder die Erweiterung bestehender Wiesen. So werden ökologische und sportliche Interessen miteinander in Einklang gebracht.








