Dollarspot, Wassermanagement und CO2-Sequestrierung – das sind die drei großen Themen, mit denen die International Turfgrass Research Initiative jetzt in die wissenschaftliche Kollaboration von STERF, R&A und USGA startet. Bei einem Kick-Off Event am 24. Februar stellten die Wissenschaftler der drei ersten Teams, die mit einem Forschungsstipendium ausgestattet wurden, ihre Projekte vor. Nach einem aufwändigen Auswahlprozess hatte sie sich im vergangenen Jahr gegen andere Wissenschaftler durchgesetzt.
Satellitendaten für die Beregnung
Unter der Leitung von Qiyu Zhou von der NC State University wird sich ein Team mit fünf weiteren Forschern von insgesamt vier Universitäten mit möglichen Innovationen bei der Erfassung von Satellitendaten befassen. Diese sollen dazu beitragen, den Wasserverbrauch und damit auch die Wasserkosten auf Golfplätzen zu senken. Entstehen sollen Bodenfeuchtigkeits-Pläne mit hoher Auflösung, die bis in eine Tiefe von drei Metern reichen. Daneben soll die Effizienz von Präzisions-Beregnung gegen konventionelle Beregnungsmethoden gesetzt werden.
CO2-Gehalt des Bodens und CO2-Emissionen bei der Pflege
Der Wissenschaftler Robert Kempster übernimmt die Leitung des Projektes „Wege in eine klimapositive Zukunft des Golfsports“ von Michael Bekken, der nach Dublin für ein Forschungsprojekt wechselt. Ziel des Projektes ist es laut Kempster einerseits ein global gültiges Vorgehen zur Bestimmung des CO2-Gehalts im Boden von Golfplätzen zu entwickeln. In einem zweiten Schritt soll dann eine ebenfalls gültige Berechnungsgrundlage für die Ermittlung der CO2-Emissionen eines Golfplatzes bestimmt werden. Daraus ergibt sich laut Kempster dann im besten Fall eine klare Handlungsanweisung wie die CO2-Emissionen bei der Golfplatzpflege verringert werden können.
Dollarspot
Paul Koch von der University of Wisconsin-Michigan forscht mit seinem Team zur zunehmend problematischen Rasenkrankheit Dollarspot. Nachdem Dollarspor laut Koch inzwischen die Rasenkrankheit mit dem größten wirtschaftlichen Einfluss auf Golfplätze in den USA ist und auch in Europa zunehmend grassiert, geht es hier um die Entwicklung neuer Strategien zur Behandlung – ohne den Einsatz traditioneller Fungizide.
Qualität und Akzeptanz des Golfplatzes
Alle drei Forschungsprojekte treffen einen Nerv der Golfindustrie, da sie einerseits die Qualität der Spielflächen und damit die Attraktivität des Golfsports behandeln, im Falle des Themas CO2 aber auch wesentlich mit der Akzeptanz des Golfsports in der breiten Öffentlichkeit zu tun haben. Dass sich mit R&A, USGA und STERF drei der wichtigsten Organisationen im Golfsport zu einer Forschungsinitiative zusammentun, ist neu. Diese Premiere aber unterstreicht die Notwendigkeit einer Bündelung der wissenschaftlichen Kräfte, wie Bruno Hedlund, Vorsitzender von STERF, dem Scandinavian Turfgrass Institute klarmachte: „Wie waren uns alle einig, dass die Herausforderungen durch den Klimawandel, den Mangel an Ressourcen und die Biodiversitäts-Verluste einen globalen Ansatz brauchen, um eine nachhaltige Vorgehensweise des Golfsektors in der Zukunft zu sichern.“
Zu diesem Zweck hat sich offenbar ein Teil der Forschungselite zusammengetan. „Wir haben hier die besten Dollarspot-Forscher der ganzen Welt versammelt“, resümierte Maria Strandberg als Direktorin für Forschung und Entwicklung bei STERF, und wies auch auf die Exzellenz der beiden anderen Projektgruppen hin, die alle standortübergreifend in mehreren Ländern und mit mehreren Universitäten arbeiten werden.
Ein Ansatz, den auch John Kemp, Vize-Direktor der Abteilung Nachhaltigkeit beim R&A für entscheidend hält: „Diese globale Forschung ist von kritischer Bedeutung für die gesamte Golfindustrie“, hielt er fest und wies darauf hin, wie wichtig es sei, auch immer die Frage zu stellen, welche Qualität der Golfer auf einer Golfanlage zum Beispiel bei der Einsparung von Wasser oder beim Auftreten von Dollarspot akzeptiere.
Angesichts von Wasserkosten, die auf Golfplätzen in einzelnen Teilen der Welt bereits die Millionen-Dollar-Grenze für 18 Löcher deutlich überschreiten und Dollarspot längst ein globales Problem ist, werden die Ergebnisse der drei Projekte wohl weltweit viel Beachtung finden. „Diese Forschungsprojekte sind für uns alle ziemlich aufregend“, bemerkte denn auch Cole Thompson, Direktor für Rasen und Umweltforschung bei der USGA, in Richtung der Stipendiaten.
Mehrjährige Forschungsdauer
Wie immer bei Forschungsprojekten, die hohen Maßstäben entsprechen müssen, wird sich die Bekanntgabe der Ergebnisse noch eine Weile ziehen. Die ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen sind für 2027 geplant, die letzten für 2029. Aber auch das wurde im Rahmen der Kick-Off-Sitzung der ITRI-Initiative klar: Solides Datenmaterial ist die Grundlage, die geschaffen werden muss, um am Ende die richtigen Schlüsse ziehen zu können.
Innerhalb der Golfindustrie selbst werden in den kommenden Wochen und Monaten kaum Clubmanager, Präsidenten, Golflehrer oder Golfer von den drei Projekten Notiz nehmen. Die Suche nach den Schlüsseln für die Zukunft der Golfbranche findet nicht auf der großen Bühne, sondern eher im Verborgenen statt. Das ändert nichts an ihrer Bedeutung.
Die drei Projekte im Detail:
Pathways to a climate positive future for golf, Michal Becken, Ph.D., Norwegian Institute of Bioeconomy Research (NIBIO)
Integrating alternative strategies to improve the sustainable management of dollar spot, Paul Koch Ph. D., University of Wisconsin-Madison
Leveraging Satellite Data for Water Conservation on Golf Course Fairway, Qiyu Zhou, Ph.D., North Carolina State University.
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Fotos: Petra Himmel