Es ist eine Premiere in England: Erstmals schafft eine Naturschutzorganisation eine Position für eine Ökologin, die sich mit Golfplätzen befasst. Erstmals trägt eine Gruppe von Golfanlagen einen Teil der Finanzierung bei. Das Projekt trägt den Namen Greener Golf 2025 Nature Recovery Pilot Project. Kooperationspartner sind der Leicestershire und Rutland Wildlife Trust und das Greener Golf Network aus der Grafschaft Leicestershire.
Begonnen hat ihre gemeinsame Geschichte im September 2021, als ein paar Idealisten die erste Konferenz des Greener Golf Network veranstalteten und der damalige CEO des Wildlife Trust die Eröffnungsrede hielt. Seitdem ist das Greener Golf Network gewachsen. Das Netzwerk selbst liefert eine dieser Geschichten von Menschen im Golfsport, die fest davon überzeugt sind, dass mit dem richtigen Engagement die Begeisterung anderer Golfer für das Thema Umweltschutz und Natur unvermeidlich ist; die daran glauben, dass der Golfsport als Gemeinschaft funktioniert.
Vor kurzem hat das Greener Golf Network seine fünfte Konferenz abgehalten. 21 Golfanlagen waren vertreten, dazu Vertreter von Wasserunternehmen, von England Golf, vom RSPB und aus der Industrie. Was die Vertreter des Golfsports zusammenhält, ist die Frage, wie sie alle besser mit ihren Ressourcen umgehen und einen positiven Beitrag für die Umwelt leisten können.
Am 14. April 2025 rücken sie der Beantwortung dieser Frage ein ganzes Stück näher: Dann nämlich beginnt Dr. Hannah Sellers, die gerade ihren Doktortitel in Ökologie bekommen hat, als leitender Manager für den Leicestershire and Rutland Wildlife Trust zu arbeiten. Finanziert wird ihre Stelle durch den Trust selbst und 14 Golfclubs aus der Grafschaft Leicestershire, die erkannt haben, dass praktische Arbeit am Thema Nachhaltigkeit letztendlich die Zukunft von Golfanlagen sichert. „Das ist ein echter Vertrauensbeweis des Wildlife Trusts für uns“, stellt Bob Roberts fest, der zu den Initiatoren des Greener Golf Networks gehört und Chairman des Board of Directors ist. „Der Großteil der Kosten für die Position wird von ihnen getragen.“
Für die Golfanlagen bedeutet diese Kooperation auch den vorläufigen Höhepunkt ihrer eigenen Entwicklung. „Wir hatten zwar von Anfang an Kontakt zum Wildlife Trust, aber wir haben für uns erkannt, dass wir mehr wollten als nur den individuellen Austausch mit Mitarbeitern“, so Roberts. „Wir wollten einen gemeinsamen Ansatz mit einer langfristigen Strategie.“ Die Ökologin Sellers wird nun als Ansprechpartnerin für die 14 Clubs über Fördermittel informieren, wichtigen Input bei Themen wie Biodiversität, Wasser oder Energieeinsparung geben.
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Die Kooperation, die in dieser Form in Großbritannien einmalig ist, könnte Modellcharakter haben. Eine Gruppe Clubs und Golfanlagenbetreiber gibt die Verantwortung für ein Thema an eine externe Umweltorganisation ab und bezahlt sie auch dafür. Sie macht den Weg frei für unabhängige Bewertung, vielleicht auch kritische Kommentare. Gleichzeitig eröffnet sie sich damit aber auch Chancen, weil sie die Expertise von Außen einholt und daraus lernen kann. Die Umweltschutzorganisation hat auf der anderen Seite die Möglichkeit durch ihre Expertise die Entwicklung enorm großer Flächen positiv zu beeinflussen.
Wird das Greener Golf 2025 Nature Recovery Pilot Project zu einem Erfolg, so könnte es ähnliche Projekte nach sich ziehen. Interessant ist das Projekt auch deshalb, weil es nicht von einem Verband oder einer Landesvertretung an die Golfclubs übertragen wurde, sondern aus dem Engagement der Golfanlagen selbst entstanden ist. Ein Grassroot-Projekt, das Maßstäbe setzt.