Das Dilemma der Golfbranche
Der IPBES-Bericht macht deutlich, wie stark Wirtschaft und Umwelt ineinandergreifen. Rund die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts hängt direkt oder indirekt von sogenannten Ökosystemleistungen ab – also den Leistungen der Natur, die wir oft als selbstverständlich betrachten: sauberes Wasser, fruchtbare Böden, Bestäubung, stabile klimatische Bedingungen. Auch der Golfsport profitiert in hohem Maß davon. Seine Attraktivität, ja seine Existenz, beruht auf gesunden Landschaften, intakten Wasserkreisläufen und einem stabilen Klima. Ohne sie gäbe es keine ästhetischen Spielbahnen, keine gepflegten Grüns, kein sanftes Mikroklima für ein angenehmes Spiel.
Doch der Bericht hält auch einen Spiegel vor: Wirtschaftliche Aktivität trägt massiv zum Verlust jener Ökosystemleistungen bei, von denen sie selbst abhängt. Golfplätze nutzen große Flächen, verbrauchen Wasser, Energie und in einigen Fällen Pflanzenschutzmittel – oft in Regionen, die ohnehin unter Druck stehen. Hinzu kommt die hohe Mobilität von Golfspielerinnen und -spielern weltweit, die durch Fernreisen zum Klimawandel beiträgt. Damit steht die Branche exemplarisch für das globale Dilemma: Sie profitiert von der Natur, gefährdet sie aber zugleich.
Wirtschaftlicher Erfolg und Biodiversität hängen zusammen
Der IPBES-Bericht warnt: Der Rückgang der biologischen Vielfalt ist kein entferntes Umweltproblem, sondern ein handfestes ökonomisches Risiko. Wenn Böden degradieren, Wasserquellen versiegen oder extreme Wetterereignisse zunehmen, trifft das auch die Golfwirtschaft unmittelbar. Ohne gesunde Böden, Sand, Gras, Wasser, Wärme und Licht ist Outdoor-Golf schlicht nicht möglich. Ganze Wertschöpfungsketten – vom Greenkeeping bis zum internationalen Golftourismus – hängen an diesen natürlichen Grundlagen.
Deshalb fordert IPBES, Biodiversitätsschutz müsse zentraler Bestandteil globaler Geschäftsmodelle werden. In der Golfbranche ist diese Einsicht teilweise bereits angekommen. Weltweit investieren Clubs und Betreiber zunehmend in naturnahe Gestaltung: Brachflächen werden ökologisch aufgewertet, Blühstreifen angelegt, Biotope gepflegt. Solche Maßnahmen verbessern nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch das landschaftliche Erlebnis – und damit indirekt die Attraktivität der Anlagen.
Doch der Bericht zeigt auch: Ohne ökonomische Anreize bleibt nachhaltiges Handeln oft Stückwerk. Fördermittel oder Umweltzertifikate sind ein Anfang, aber sie schaffen selten eine dauerhafte wirtschaftliche Basis. Der nächste Schritt besteht darin, Biodiversität messbar und damit bewertbar zu machen – als Teil von ESG-Strategien, Nachhaltigkeitsberichten oder neuen Einnahmemodellen.
Golfanlagen und ESG-Ziele von Unternehmen
Für Golfanlagen bietet sich hier die Möglichkeit ökologische Aufwertungsmaßnahmen umsetzen und dokumentieren lassen. Unternehmen, die Biodiversität in ihre Nachhaltigkeitsziele integrieren wollen, könnten solche Projekte unterstützen – und gleichzeitig Flächen für Klimaanpassung, CO₂-Bindung oder Artenvielfalt fördern.
Für die Branche eröffnet sich damit ein Zukunftsfeld: Biodiversität als Teil des Geschäftsmodells. Wer heute über nachhaltige Investitionen und neue Wertschöpfung nachdenkt, sollte die Potenziale jener Flächen mit einbeziehen, die jenseits der Fairways liegen. Die Golfplätze der Zukunft könnten so weit mehr sein als Orte des Sports – sie könnten Laborflächen für ökologische Resilienz und Pioniere einer naturbasierten Wirtschaft werden.
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Foto: Par Verlag