Nachhaltiges Golfclub-Management ist ein Fall für Berechnungen. Und Zahlen sind ganz Christian Thiemanns Sache – neben dem Golfsport natürlich, in dem es der Ex-Tennisspieler selbst bis zum einstelligen Handicap gebracht hat. Wer den Besitzer und Betreiber des Golf- & Country Club Brunstorf in seinem Clubhaus im Großraum Hamburg trifft, erkennt schnell: Der Mann ist einerseits durch und durch Sportler, andererseits aber auch ein Geschäftsführer, der jeden Stein umdreht, wenn es um das Thema Wirtschaftlichkeit geht. Die Frage, ob sich nachhaltiges Management lohnt, lässt sich mit ihm, der neben einem 18-Löcher Championship-Platz auch einen 9-Löcher-Platz betreibt, also ganz wunderbar diskutieren.
INSERT_STEADY_NEWSLETTER_SIGNUP_HERE
„Die Qualität ist besser geworden, ich spare Diesel und ich habe keinen einzigen Mitarbeiter ausgestellt“, lautet seine erste Analyse, die das Thema Greenkeeping betrifft. In Brunstorf laufen inzwischen Elektro-Mäher auf den Fairways, die Thiemann anfänglich durchaus kritisch beäugt hat. Inzwischen ist er rundum zufrieden: „Wir sparen uns zirka 40 Stunden Mähaufwand pro Woche, ein Mitarbeiter kann in der Zwischenzeit etwas anderes machen.“ Vor allem bei Nässe profitiert er auch von den nur 21 Kilogramm Gewicht pro Elektro-Mäher, die kaum Fahrspuren hinterlassen und deshalb auch auf das Thema Qualität einzahlen.
„Besser wäre natürlich, wenn sie durch Solarstrom gespeist würden“, erkennt er selbstkritisch. Thiemann hat auch das Thema erneuerbare Energien unter die Lupe genommen, würde auf seiner Golfanlage am liebsten eine größere Solaranlage bauen. Nicht auf das Clubhausdach, sondern eben auf eine ungenutzte Fläche, bei insgesamt 110 Hektar Fläche ist schließlich genügend Platz. Genau hier ist der Brunstorfer Eigentümer aber auf eine größere Menge rechtlicher Rahmenbedingungen gestoßen, die den Vorgang erschweren. Dazu gehört ein geänderter Flächennutzungsplan. „Am Ende muss sich so eine externe Anlage in fünf bis sieben Jahren rechnen“, findet er. Grüner Strom sei ja wunderbar, lautet seine Analyse, aber die Golfanlage müsse am Ende auch wirtschaftlich überleben. „Ich überprüfe das alles, ein Ergebnis steht noch nicht fest.“
Flächenreduktion wirft Fragen auf
Seit seinem Einstieg als Betreiber der Golfanlage im Jahr 2006 hat Thiemann viele Lehren gezogen, die in vielerlei Hinsicht mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun haben. Flächenreduktion zum Beispiel ist für ihn nicht immer einfach. „Der Platz ist ganz wichtig und die Fairways müssen breit genug sein“, findet er. Der Konflikt zwischen der Erhöhung der Biodiversität durch die Ausweitung der Rough-Flächen und angemessenen Spielzeiten auf der anderen Seite, ist aus seiner Sicht noch nicht gelöst. Zumindest dann nicht, wenn man als Betreiber – wie in Brunstorf der Fall – mit relativ fetten Böden zu tun hat, auf denen das Rough dicht ist und der Grasanteil hoch.
Im Golf & Country Club Brunstorf mangelt es an Ausgleichsflächen aufgrund der 110 Hektar Gesamtgröße ohnehin nicht: Gerade an den spielabgewandten Seiten, also hinter den Abschlägen oder zwischen den Bahnen, finden sich Hecken, Wiesenflächen und sogar ein kleinerer Heidebereich. Die Wasserflächen sind in vielen Fällen naturnah gestaltet und zwischen Abschlägen und Fairways finden sich an den Seiten oftmals Bereiche, die nur maximal zweimal im Jahr gemäht werden.
Thiemann setzt beim Golf & Country Club Brunstorf außerdem auf sinnvolle Maßnahmen, welche die Themenbereiche Sport oder Events in Sachen Nachhaltigkeit aufwerten. Die Norddeutsche Wohnmobil-Open ist für ihn ein solches Projekt. Im dritten Jahr fand die Veranstaltung 2025 statt, inzwischen ist das Turnier innerhalb der Golfszene bei all‘ jenen, die auch ein Wohnmobil besitzen ein Renner. Aufgrund der Tatsache, dass die Caravans alle auf der Anlage parken und Thiemann morgens sogar einen Brötchen-Service anbietet, bleiben die Teilnehmer mit An- und Abreise bei drei Turnierrunden fast ausschließlich vor Ort, die Autos werden kaum bewegt. Für die Turnierrunde im GC Hoisdorf organisiert Thiemann einen Bus, so dass die Wohnmobil-Open nicht noch für zusätzliche Verkehrsbelastung im Umkreis sorgt.
Die Bilanz in Sachen Nachhaltigkeit ist für Thiemann, dessen Anlage mit mehr als 1000 Mitgliedern ein durchaus florierender Betrieb ist, klar: Das Thema hält er für wichtig und gut, die Kombination mit dem Faktor Wirtschaftlichkeit aber für entscheidend. Anderen Golfplatzbetreibern rät er vor allem eines: Der genaue Blick auf die Zahlen und Daten ist unerlässlich.







The Scandinavian Golf Club, Fotos Jacob Sjoman