Erste Golf Biodivers-Resultate in Escheburg und Wulfsmühle
Golf Biodivers startet in die zweite Hälfte der insgesamt sechsjährigen Projektphase. Die Golfanlage Wulfsmühle und der GC Escheburg gehören zu jenen 16 Projektteilnehmern, bei denen im Rahmen des bundesweiten Forschungsprojektes Golf Biodivers 2023 standardisiert auf drei Hektar Fläche Aufwertungsmaßnahmen entlang von Waldsäumen oder in Roughbereichen vorgenommen wurden. Nach einem ersten Monitoring zum Start des Projektes wird nun im Rahmen einer zweiten Erhebung festgestellt, ob die Aufwertungsmaßnahmen für eine Erhöhung der Artenvielfalt erfolgreich waren.
Dabei gilt: Jede Golfanlage hat ihre speziellen Eigenheiten, was die Landschaft, den Boden, die Vegetation und das Mikroklima betrifft. Während der GC Escheburg auf weitgehend flachem Gelände vor allem durch seine extrem vielen Knicks auffällt, ist bei der Golfanlage Wulfsmühle die Nähe zum Überschwemmungsgebiet des Flusses Pinnau eine Besonderheit.
Das Saatgut für das Projekt Golf Biodivers wurde für jede Golfanlage speziell zugeschnitten. Nach einer umfassenden Analyse der Fläche legte ein Team der Universität Kiel, eine von vier an dem Forschungsprojekt beteiligten Universitäten, außerdem die genauen Maßnahmen für beide Golfanlagen fest.
Bereits vor dem zweiten Monitoring, das auf der Golfanlage Wulfsmühle in diesem Jahr, im GC Escheburg 2027 erfolgen soll, sind die ersten Ergebnisse bei der Erhebung von Fauna und Flora klar. In Escheburg hat man zum Beispiel die Wildbienenart „Kleine Glockenblumen-Scherenbiene“ (Chelostoma campanularum) identifiziert. Die winzige Biene ist – wie der Name schon verrät – auf Glockenblumen spezialisiert und nistet z.B. in löchrigem Totholz. Daneben, so die Doktorandin Pia Tappe, „wurden mindestens 29 Vogelarten mit Brutverdacht auf dem Golfplatz festgestellt und 15 weitere Arten, die entweder auf dem Golfplatz oder in direkter Umgebung brüten. Die meisten sind typische Siedlungs-, Feld- und Waldvogelarten. Die Goldammer zum Beispiel ist ein Vogel, der in mit Hecken und Knicks strukturierten Wiesen und Feldstrukturen brütet und daher mit Sicherheit von der Knickstrukturierung auf dem Golfplatz profitiert.“
Damit hat der GC Escheburg, Deutschlands Golfanlage mit den meisten Knicks, nun einen Beleg für seine erfolgreiche Naturschutzarbeit an der Hand. Das zweite Monitoring im Jahr 2027 resultiert im Idealfall in einer Erhöhung der Artenvielfalt. Schließlich liegt zwischen den beiden Reportings die dreijährige Aufwertungsphase auf den Flächen. Diese beinhaltet vor allem auch die verbesserte Mahd der Wiesen.
Wasservögel in Gut Wulfsmühle
Die Auswertung des ersten Monitorings für die Golfanlage Gut Wulfsmühle kam allein auf 51 Vogelarten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Golfanlage oder in der direkten Nachbarschaft brüten. Darunter waren – für Pia Tappe von der Universität Kiel wenig überraschend – einige Vögel der Binnengewässer wie die Stockente oder das Blässhuhn.
Besonders interessant für viele Golfer in Wulfsmühle dürfte der Nachweis des Eisvogels sein, der durch seine bunten Farben spektakulärer ist als viele andere mitteleuropäische Vogelarten. Die Pinnau, die über den Golfplatz verläuft und über Abbruchkanten als mögliche Brutgrundlage verfügt, bietet für ihn einen passenden Lebensraum.
Spannend für die Golfplatzbetreiber wird das zweite Monitoring auf jeden Fall. Schließlich hat man sowohl auf der Golfanlage Wulfsmühle als auch in Escheburg durch die Teilnahme am Forschungsprojekt Golf Biodivers, das vom Deutschen Golf Verband in Kooperation mit den vier Universitäten in Kiel, Freiburg, Münster und München durchgeführt wird, auch auf eine intensive Pflege der Aufwertungsfläche verzichtet. Der eine oder andere Blühstreifen zwischen den Bahnen, so Christina Druve, Betreiberin der Wulfsmühle, sei von Golfern beanstandet worden, die Probleme mit einer geraden Flugbahn hatten. Das allerdings hat Druve, die sich seit langem für die Vereinbarkeit des Golfsports mit dem Faktor Umweltschutz engagiert, nicht weiter beeindruckt: „Der Golfplatz hat schon optisch durch das Projekt gewonnen.“
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