Biodiversitäts-Lexikon: R wie Rote Liste
Die Rote Liste gefährdeter Arten gilt als das wichtigste globale Barometer für den Zustand der Natur und wird häufig auch als Inventar des Aussterbens bezeichnet. Grundsätzlich handelt es sich dabei um ein wissenschaftliches Gutachten, das den Gefährdungsstatus von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten bewertet. International wird sie von der IUCN (International Union for Conservation of Nature), der Weltnaturschutzunion, herausgegeben. Seit ihrer Gründung im Jahr 1964 hat sie sich zur umfassendsten Informationsquelle über das globale Aussterberisiko entwickelt. Dabei geht es nicht allein um die reine Aufzählung bedrohter Arten, sondern bei Regierungen und Organisationen auch darum, Schutzmaßnahmen zu priorisieren und Gesetze zum Erhalt der Biodiversität auf den Weg zu bringen.
Unter Golfanlagenbetreibern galt das Auftauchen einer Rote Liste-Art lange Zeit als eher schwierig, weil immer wieder die Befürchtung auftauchte, der Golfplatz könne dann in Teilen geschlossen oder Umbaumaßnahmen verhindert werden. Gleichzeitig rechnete man oft mit besonders harten Auflagen der Behörden für den Betrieb des Platzes oder zumindest den Bereich, in dem die Rote Liste-Art aufgetauch war.
Inzwischen hat sich diese Einschätzung geändert: Golfanlagen, die Rote Liste-Arten nachweisen können, dokumentieren, dass sie hier vorbildliche Lebensräume für Tiere oder Pflanzen zur Verfügung stellen. Damit können sie bei Naturschutzorganisationen punkten, weil das Artensterben international besorgniserregende Ausmaße angenommen hat. Von den bisher mehr als 172.600 durch die IUCN untersuchten Arten sind aktuell über 48.600 Arten vom Aussterben bedroht. Das bedeutet: Fast ein Drittel (28 %) der wissenschaftlich erfassten Arten weltweit steht vor dem Verschwinden.
Besonders kritisch ist die Lage bei folgenden Gruppen:
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Amphibien: Mit ca. 41 % die am stärksten gefährdete Wirbeltiergruppe.
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Haie und Rochen: Rund 37 % der Arten sind bedroht, primär durch Überfischung.
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Riffbildende Korallen: Etwa 33 % leiden massiv unter der Erwärmung der Ozeane.
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Säugetiere: Hier gelten ca. 26 % als gefährdet.
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Nadelbäume: Rund 34 % der Arten sind weltweit unter Druck.
Die IUCN unterteilt die Arten deshalb in acht unterschiedliche Arten. Weit verbreitete und häufige Arten laufen unter nicht gefährdet oder Least Concert. EX steht für Extinct oder Ausgestorben. Dabei werden Arten, deren Vorkommen sich erholt, auch wieder in positivere Kategorien umsortiert.
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Foto: Petra Himmel