„Wir sind in einer problematischen Situation, aber wir versuchen wieder in eine Position vor dem Zug zu kommen und nicht überrollt zu werden.“ Alexander De Vries, Nachhaltigkeitsberater des niederländischen Golfverbandes, ist offen, wenn es um die gegenwärtige Position von Golf in seinem Heimatland geht. “Der Golfsport wächst – aber die Anzahl der Plätze nimmt ab.“ Die Tatsache, dass trotz eines Anstiegs der Golfer um zirka 32.000 Spieler in den vergangenen fünf Jahren auf insgesamt rund 440.000 Personen, die Anzahl der Golfanlagen bei rund 250 stagnierte, hängt vor allem damit zusammen, dass in dem relativ kleinen europäischen Land das Thema „Landnutzung“ Probleme für den Golfsport bringt. Gerade Golfanlagen auf kommunalen Flächen blicken zunehmend der Tatsache ins Auge, dass Pachtverträge nicht verlängert werden, weil das Gelände stattdessen für den Wohnungsbau, Infrastruktur, Solaranlagen oder Überflutungsflächen genutzt wird.
Progressive Nachhaltigkeitsstrategie veröffentlicht
Der Niederländische Golfverband reagiert jetzt mit einer progressiven Nachhaltigkeitsstrategie, die den Golfsport auf Dauer besser innerhalb der Gesellschaft und gegenüber der Politik positionieren soll. „Wir versuchen hier eine grundlegende Verschiebung des Ansatzes weg von „Wir nehmen uns alles vom Planeten“. Stattdessen setzen wir auf einen Ansatz, der den Menschen und damit auch den Golfer als integralen Part des Ökosystems und dessen Unterstützer ansieht.“
Konkret bedeutet dies einen ambitionierten Plan bei den Nachhaltigkeitszielen des Verbandes:
- Der Wasserverbrauch auf Golfplätzen soll innerhalb von fünf Jahren um 30 Prozent reduziert werden.
- Bis 2023 ist der Pestizideinsatz auf Null zu reduzieren.
- Die Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität müssen verbessert werden.
- Die Zugänglichkeit für Golfanlagen soll verbessert werden.
- Der Abschluss einer Zertifizierung mit GEO soll von möglichst vielen Anlagen angegangen werden.
- Der Co2-Fußabdruck des Golfsports in den Niederlanden soll verringert werden.
Wer diese Ziele betrachtet, mag sich die Frage stellen, weshalb das niederländische Nachhaltigkeitskonzept an manchen Stellen – wie dem Verbot von Pflanzenschutzmitteln – sogar über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht. Die Gründe sind nach Ansicht von Alexander de Vries und seinem Kollegen Jannes Landkroon, der viel auf den Golfanlagen vor Ort unterwegs ist, klar.
„In den Niederlanden gibt es viel Druck auf den Golfsport. Druck von Seiten des Klimas, der Natur und aufgrund des Images von Golf.“ ·
- Der Klimawandel äußert sich in extremer Dürre, Überschwemmungen, schweren Stürmen und sogar einer steigenden Brandgefahr, was sich auf den Sport und die Landnutzung in den Niederlanden auswirkt.
- Biodiversität: Die Niederlande weisen, so De Vries, weltweit einen der schlechtesten Werte in Bezug auf die Biodiversität auf. Dazu gehört ein Rückgang der Insektenpopulationen um 76 % über einen Zeitraum von 27 Jahren. Golfplätze stehen vor der Herausforderung, zur Umkehrung dieses Trends beizutragen.
- Image: Während Golfer den Sport als natürlich und nachhaltig wahrnehmen, halten ihn zwei Drittel der Nicht-Golfer für nicht nachhaltig. Diese negative öffentliche Stimmung führt zu Druck durch Aktivisten und öffentlicher Kritik.
Das Nachhaltigkeits-Team des Niederländischen Golfverbandes hat seine Arbeit an der Umsetzung der Strategie bereits begonnen – und das, obwohl man die Strategie ohnehin früher veröffentlichen musste als geplant. Der Druck aus der Öffentlichkeit und von den Behörden, sei einfach zu groß geworden um noch weiter zu warten, lautet das Resümee der Nachhaltigkeits-Experten. Sie machen in den Clubs vor Ort durchaus gute Erfahrungen mit ihren Projekten.
Erste Veranstaltungen, bei denen Golfclubs für einen Tag einzelne Teile der Golfanlage schlossen und stattdessen für die breite Öffentlichkeit mit Familien-Aktivitäten und Informationen rund um das Thema Golf öffneten, „sind überraschend gut angenommen worden und auch die Club-Mitglieder standen voll dahinter“ resümiert Jannes Landkroon. Auch in Sachen Biodiversität forcieren nach seiner Erfahrung viele Golfanlagen ihre Anstrengungen.
Der Niederländische Golfverband hat dem Thema sehr hohe Priorität eingeräumt und unterstützt die Golfanlagen auf breiter Front. „Wir versuchen mit wissenschaftlichen Untersuchungen, Beratung, finanzieller Förderung und Best-Practice-Fällen weiterzuhelfen“, erklärt de Vries.
Wie zahlreiche andere europäische Golfverbände steht man aber auch hier vor der Herausforderung, verlässliche Daten im Hinblick auf den Verbrauch von Wasser und Pestiziden sowie biodiverse Flächen zu liefern. Hierfür soll nun eine nationale Plattform entwickelt werden. Gleichzeitig steigt der Verband starker im Bereich der Forschung ein und nützt hier vor allem die Verbindungen nach Skandinavien, wo mit NIBIO und STERF zwei anerkannte Forschungseinrichtungen sitzen.
Mit all‘ diesen Aktivitäten legt der niederländische Golfverband in Sachen Nachhaltigkeitsstrategie ein neues Tempo vor. „Wir hoffen, dass wir andere Golfverbände inspirieren können“, stellt de Vries fest. Ansonsten, so befürchtet er, könnte auch dort der Druck auf den Golfsport bald zu groß werden.








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