Luxus trifft Verantwortung: Die ESG-Transformation von Vilamoura
Auf den ersten Blick wirkt Vilamoura wie immer: Der Blick auf die Pinien des Old Course; die Qual der Wahl zwischen fünf 18-Löcher-Golfplätzen in Top-Pflegezustand; nach der Runde ein Spaziergang am Atlantik. So kennt man das portugiesische Golfparadies,30 Minuten vom Flughafen Faro entfernt. Aber dieser Eindruck von „Alles wie immer“ ist falsch – falsch im positiven Sinne. Die Golf-Destination Vilamoura steckt in einem tiefgreifenden Wandel – und zeigt der Golfbranche, dass nachhaltiger Tourismus in Kombination mit einem Spitzenprodukt ein Mehrwert für den Gast ist und ein wirtschaftlicher Vorteil für den Gastgeber ist
Details mit neuen Management-Zielen
„Alles ist anders“, sagt Susana Cavaco. „Es herrscht deutlich mehr Interesse an dem Thema ESG.“ Die Umweltingenieurin und Leiterin der ESG-Abteilung von Vilamoura kennt hier jedes Hotel, jedes Gebäude, jede Fläche. Seit 26 Jahren ist sie mit Themen wie Wasser oder Energie in Vilamoura befasst. Aber erst seit der Übernahme der fünf Golfplätze sowie diverser Hotels vor Ort durch das Unternehmen Details bestimmt eine an ESG-Kriterien orientierte Managementweise das Business vor Ort. „Im Board ist das Thema Nachhaltigkeit prinzipiell stark verankert – das macht die Durchführung von Projekten vor Ort um vieles leichter,“ erklärt Cavaco die wesentliche Änderung.
Dabei ist die Botschaft von Details klar: Vilamoura will man als internationale Luxusmarke neu positionieren, Destinationen wie Sotogrande in Spanien oder auch amerikanischen Resorts Konkurrenz machen. Hinter Details, mit CO-CEO Nuno Sepúlveda an der Spitze, stehen die Londoner Gesellschaft TDR Capital und die Arrow Global Group, die neue Investments steuern. Der Hafen wird gerade massiv erweitert, das Hyatt Regency Vilamoura hat eine komplette Renovierung hinter sich.
Während Susana mit ihrer Mitarbeiterin Ana Abegao, ebenfalls ESG-Managerin, mit ihrem Elektro-Wagen durch Vilamoura fährt, auf Solaranlagen oder neue Bepflanzungen zeigt, bekommt der Besucher ein Gefühl dafür, wie komplex die Umwandlung von Vilamoura ist. „Zuerst einmal haben wir angefangen die Daten zu sammeln“ erklärt sie. Ein schwieriges Unterfangen, das allerdings alternativlos ist, weil Details ein ESG-Reporting abliefert, inklusive der freiwilligen Scope-3-Emissionen. Mit Hilfe dieser Datensammlung, so Cavacos Ziel, werde man am Ende aber auch dokumentieren können, dass der nachhaltige Ansatz auch wirtschaftlich sinnvoll sei und Kosten spare. „Kurzfristig sieht man das nicht, weil jetzt erst einmal enorme Investitionen getätigt worden sind.“
Ein Teil davon ist schon beim Eingang ins Clubhaus des Old Course zu sehen: Sämtliche Pflanzen wurden erneuert, jetzt sind sie regional und wassersparend, Tröpfchenbewässerung ist überall. Beim Gang durchs Clubhaus folgt ein kurzes Resümee zu Energie und Einkaufsregeln: Weine gibt es hier nur noch aus Portugal, das Gemüse und Fleisch stammt überwiegend von Landwirten und Lieferanten aus der Region. Überall brennen LED-Leuchten, Spartasten in der Toilette sind eingebaut. Der Clubhausumbau hat die natürliche Luftzirkulation berücksichtigt, um Energie zu sparen. Plastikflaschen sind tabu. Die Liste der Projekte ist lang, sie ist auch keineswegs bereits abgearbeitet. „Wir arbeiten an allem, aber es geht Schritt für Schritt“ – die ESG-Leiterin weiß, dass nachhaltige Transformation Systematik und Geduld braucht.
Wie aber reagiert das Personal auf all‘ diese Änderungen? „Das ist Teil von Vilamoura“ – diesen Satz hört man oft und so manch‘ einer der Angestellten stellt dabei fest, dass nachhaltiger Tourismus eben auch ein großer Lernprozess sei. „Warum Handtücher aus Portugal teurer sind als importierte Handtücher, verstehe ich immer noch nicht“, resümiert Romeu Goncalves, Golf-Direktor des neuen Els Clubs.
Els-Club als neue Top-Anlage
Dieses Flaggschiff-Projekt von Vilamoura hat nur noch wenig Ähnlichkeit mit jener Golfanlage, auf der die DP World Tour 2022 die Portugal Masters spielte. Unter der Federführung von Ernie Els Design ist ein topmoderner 18-Löcher-Platz nach amerikanischem Vorbild entstanden. Auffallend lange Tees, breite, rollende Fairways und attraktive Grüns liegen zwischen natürlich gestalteten Rough-Flächen. Was früher einmal komplett ausgemähte Fläche war, ist nun eingesät mit regionalen Blumen- und Kräuterarten. Auch der zentrale Teich, der den Blick vom Clubhaus prägt, ist an allen Seiten bepflanzt. Schon jetzt hat man bei einem Monitoring 76 verschiedene Arten von Vögeln, Insekten und Schmetterlingen identifiziert. Otter sind hier zuhause – „unsere Mitglieder lieben es“, resümiert Goncalves. Preislich bewegt sich diese Mitgliedschaft auf einer Höhe mit vielen Top-Clubs in London. Qualitative Abstriche kann man sich hier nicht leisten.
Eigene Kläranlage sichert Wasserversorgung
Auch die Wasserversorgung für die Beregnung des Platzes muss gesichert sein – ein in Portugal nicht einfaches Thema. „Wir werden das Wasser für alle fünf Golfplätze in Zukunft aus Vilamouras eigener Kläranlage beziehen“, erklärt Susana zufrieden. Damit schaffen die Investoren Zukunftssicherheit für ihre Geldanlagen. In wasserarmen Ländern wie Portugal entscheidet die Verfügbarkeit der Bewässerung über den Profit von Golfanlagen. Wasser gilt unter Golf-Experten als die wichtigste und am stärksten bedrohte Ressource in vielen Golf-Nationen.
Fünf Autominuten entfernt, im Hilton Vilamoura Cascais, hat das Thema Wasser eine besonders Bedeutung: „Die Wasserfälle sind Teil unserer Identität“, erklärt Direktor Miguel Afonso Dos Santos mit Blick in den Innenhof des 5-Sterne-Hotels, in dem nur noch einige sehr kleine Wasserfälle zu sehen sind. In allen anderen Wasserrinnen stehen jetzt Pflanzen und vermischen sich zu einer beeindruckenden grünen Landschaft. „Das Besuchererlebnis muss außergewöhnlich sein, aber wir kommunizieren eben auch, dass wir Wasser sparen, viel mit der lokalen Community arbeiten, uns um das Thema Abfall kümmern.“ Das Hotel ist bei Green Key zertifiziert. Das, so stellt Dos Santos fest, schätze der Kunde, allerdings sei im Markt keine Bereitschaft für ein nachhaltiges Produkt mehr zu zahlen.
Preiserhöhungen sind machbar, wenn der Kunde das Gefühl von Qualitätserhöhung hat. Auf dem Old Course von Vilamoura lässt sich das derzeit gut erleben. Das Greenfee für eine Runde Golf ist für einen externen Gast auf rund 330 Euro gestiegen. Einen Nachfrageeinbruch hat es trotzdem nicht gegeben. „Wir hatten dadurch die Möglichkeit stark in die Qualität zu investieren“, resümiert sowohl Golf-Direktor Ricardo Lopes als auch Superintendent João Goulão.
Greenkeeper des Jahres bei 59Awards
Abschlagzeiten gibt es nur noch alle zwölf Minuten. Eine High-End-Beregnungsanlage mit neuen Pumpen war ebenso wie der Ankauf einer komplett neuen elektrischen Buggy-Flotte eine der Hauptinvestitionen. Die Reduzierung des Lärms durch Greenkeeping-Maschinen verbessert das Urlaubserlebnis, weshalb nach und nach auch alle Mähfahrzeuge auf Elektro umgestellt werden. Feuchtigkeitssensoren, Solarpaneelen auf diversen Gebäuden, dazu die Umstellung auf biologische Produkte gegen Schädlinge und Unkräuter – auch hier ist die Transformation voll in Gange. Superintendent Goulão ist dabei bester Dinge: Er ist vor kurzem bei den 59Awards führender internationaler Golfclubs zum Greenkeeper des Jahres gewählt worden. Mit Blick auf die perfekten Fairways und Grüns weiß man warum.
Biosphere, Green Key und GEO
Die Kommunikation all‘ dieser Änderungen ist dem Unternehmen Details wichtig. Egal ob Green Key bei den Hotels, GEO bei den Golfplätzen oder Biosphere für die gesamte Destination – Zertifizierungen als Nachweis der Anstrengungen sind wichtig. Vilamoura sollen sie als portugiesischen Marktführer im nachhaltigen Tourismus positionieren. Zukunftsorientierter Tourismus berücksichtige den Schutz der Natur als Basis, erklärt der erfahrene Hotelier Dos Santos. Am Ende suche der Tourist eben auch ein authentisches Urlaubs-Erlebnis in Portugal. Das könne man nur bieten, wenn die Pinien, die Vögel, Pflanzen und die Salzwiesen Ria Formosa vor der Küste von Vilamoura noch intakt seien.
Den Angestellten von Vilamoura gibt man diese Botschaft übrigens jeden Monat bei einem ESG-Event mit auf den Weg. Mal wird die Earth-Hour gefeiert, mal findet ein Pflanztag statt. Der Earth-Day ist inzwischen auch ein fixer Programmpunkt für die Gäste. Wenn abends alle Lichter ausgemacht werden, um Energie zu sparen, findet das bei vielen Besuchern positives Feedback. „Wir binden das Thema ESG inzwischen auf allen Ebenen ein“, zieht Susana Cavaco ein Fazit.
Im europäischen Golftourismus sendet Details als Betreiber von inzwischen 19 Hotels und zwölf Golfplätzen und damit größter Anbieter im portugiesischen Hospitality- und Golfsektor eine wichtige Botschaft: Tourismus hat Zukunft, wenn er nachhaltig ist.
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