Ein perfektes Grün an der Küste Mauis. Wer das Bild vom Plantation Course des Kapalua Resorts sieht, bekommt Lust sofort loszuspielen. Nichts deutet darauf hin, dass der Golfbetrieb des weltbekannten Resorts gerade die wahrscheinlich größte Krise seiner Geschichte hinter sich hat. Nach einem kompletten Verbot der Wasserentnahme im September 2025 folgte die Schließung beider Plätze, gefolgt von der Absage des traditionellen Eröffnungsturniers The Sentry im Januar 2026.
„Der Zustand der Grasbestände war irgendwo zwischen Leben und Tod“, beschreibt Kevin Kammien, Senior Marketing Manager des Resorts, den Zustand der Golfplätze auf ihrem Tiefpunkt. Inzwischen ist die Wasserversorgung teilweise wieder gesichert. 60 Prozent der bisherigen Menge dürfen wieder verwendet werden. Management und Agronomie-Team unter Leitung von Andrew Rebman entschieden sich dafür, diese Wassermenge konzentriert für die Wiederherstellung des Plantation Courses aufzuwenden.
Die vergangenen Wochen sind für das Greenkeeping-Team eine komplett neue Erfahrung gewesen. „Für diese Art von Wiederbelebung gibt es kein Handbuch“, erklärt Kammien. „Das wird in der Schule nicht unterrichtet.“ Rebmans Team musste sich auf die eigenen Erfahrungswerte verlassen, auf das vorhandene Wissen über die Eigenheiten der Plätze und des Klimas vor Ort. Es war ein Trip ins Ungewissene.
31.540 Stecklinge angepflanzt
Und doch zeigte sich an dieser Stelle, wie ein Greenkeeping-Team von klugen Entscheidungen profitieren kann, die man in der Entscheidung getroffen hat. Im Falle des Kapalua Resorts, das von der weltbekannten Management-company Troon geführt wird, wurde ein Wechsel der Grassorten im Jahr 2019 zu einem Erfolgsfaktor. „Unsere Abschläge, Fairways und Roughs wurden 2019 auf Celebration-Bermudagras umgestellt, was maßgeblich zu unserer Erholung beigetragen hat. Unsere Grüns sind mit TifEagle-Bermudagras bepflanzt. Sowohl TifEagle als auch Celebration haben in den letzten 6 Jahren ein tiefes Wurzelsystem ausgebildet, und die Trockenheitstoleranz von Celebration hat sich während der Zeit der 100-prozentigen Wassereinschränkungen wirklich bewährt“, erklärt Kammien.
Zwei Grüns waren trotzdem verloren. „Unser Agronomie-Team entnahm 15.770 2-Zoll-Stecklinge aus unserer Baumschule und zog weitere 15.770, um die Grüns Nr. 1 und Nr. 8 neu zu begrünen – insgesamt also 31.540 Stecklinge! Das war ein unglaublich mühsamer, aber notwendiger Prozess,“ Kammien zieht noch immer den Hut vor seinen Mitarbeitern.
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So aufwändig der gesamte Prozess bis zur Wiedereröffnung des Plantation Courses war, so überraschend ist der jetzt hervorragende Zustand, den zuletzt ein Reporter des Fachmagazins Golf Digest bestätigte. Die schnelle Erholung war nach Aussagen des Management-Teams nur deshalb möglich, weil das Wasser-Management der Anlage inklusive der gesamten Beregnungs-Infrastruktur modernstem Standard entspricht. „Wir sind sehr effiziente Wassernutzer, wir verfügen über Wetterstationen in wissenschaftlicher Qualität, Bodenfeuchtemessgeräte und Erntesensoren“, erklärt Kammien. „ Jeder Bewässerungskopf hat seine eigene Niederschlagsrate, und die Laufzeiten basieren auf der täglichen Verdunstung, die von den Wetterstationen gemessen wird. Der zentrale Steuerungscomputer berechnet dann entsprechend die individuellen Laufzeiten der Sprinklerköpfe.“
Dass gleichzeitig kein einziger der 43 Mitarbeiter während der Schließung der Anlage entlassen wurde, trug ebenfalls dazu bei, dass bei der teilweisen Aufhebung der Wasserrestriktionen schnell wieder effizient gearbeitet werden konnte. Jeder von ihnen wurde anschließend fachübergreifend eingesetzt, um schnell Fortschritte zu erreichen.
Weitere Wassereinsparungen
Trotzdem hat das Management aus der Krise gelernt: Der Wasserbedarf der Plätze soll in Zukunft noch einmal sinken. Die beiden Golfplatzarchitekten Bill Coore und Ben Crenshaw waren bereits vor Ort, um gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort ein Konzept zur Verringerung der beregneten Flächen zu erarbeiten. Heimisches Gras, das nicht bewässert werden soll, wird in einigen Bereichen eine größere Rolle spielen. Gleichzeitig arbeitet das Resort gerade an einer Genehmigung für eine weitere Wasserquelle, um in Zukunft weniger abhängig von den Regularien von „Maui Land & Pineapple“ zu sein.
Rückblickend fällt es Kammien nach wie vor schwer zu verstehen, wie es auf einer Insel mit den Regenfällen Mauis zu einer derartigen Wasserkrise kommen kann, die inklusive der Turnierabsage auf wohl einen wirtschaftlichen Schaden von 50 Millionen Dollar für die Region angerichtet hat. „Das Pu’u Kukui Preserve liegt direkt oberhalb des Kapalua Golfplatzes und ist einer der regenreichsten Orte der Erde. Daher kann ich immer noch nicht ganz begreifen, dass dieses Jahr nicht genug Wasser für unsere Gemeinde vorhanden war“, stellt er zweifelnd fest.
Ratschläge für andere Golf-Resorts
Andrew Rebmans Ratschlag für andere Golf-Resortbetreiber ist deshalb klar: Nur mit der richtigen Vorbereitung lassen sich solche Krisen überhaupt überstehen. Regelmäßige Audits des Bewässerungssystems sind entscheidend, genauso wie dietägliche Anpassung des Wasserverbrauchs basierend auf Wetterdaten und Pflanzengesundheit. Und: Die konsequente Nutzung moderner Technologie zur Effizienzsteigerung ist alternativlos.
Für das Agronomie-Team des Kapalua Resorts sind die Arbeiten nicht beendet. Auch der Bay Course muss wieder in Schuss gebracht werden. Ein Blick auf die Fairways und Grüns des Plantation Courses zeigt aber: Es kann gelingen.







Foto: Petra Himmel