Es geht um Druck, um verpflichtende Gesetze um Daten und Kommunikation. Kurz gesagt: Im europäischen Greenkeeping-Sektor ist viel in Bewegung. Das zumindest ist der Eindruck des Betrachters, der nach zwei Tagen die Generalversammlung der FEGGA im portugiesischen Faro verlässt, jener Vereinigung, unter der sich alle europäischen Greenkeeperverbände versammeln.
Greenkeeperverbände stehen in vielen europäischen Golfnationen in der zweiten Reihe, ihre Bedeutung wird häufig unterschätzt. Tatsache ist, dass diese Berufsgruppe sehr viele Faktoren auf einer Golfanlage entscheidend beeinflusst: Die Qualität des Platzes, den Umgang mit Ressourcen wie Wasser oder Energie, auch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Ein Stimmungsbild aus der Branche erzählt also viel über den Zustand der gesamten Golfindustrie.
Daten im Fokus der Diskussion
Das Thema Datensammlung, egal ob beim Verbrauch von Wasser, Pflanzenschutzmitteln oder Düngern, bewegt die Gemüter, weil sich Besitzer oder Verantwortliche auf Golfanlage oft weigern, Auskünfte über ihren Verbrauch abzuliefern. Die Frage, wie man diesen Widerstand überwindet, ist inzwischen in allen europäischen Golf-Institutionen präsent. „Die Greenkeeperverbände müssen hier den Takt vorgeben“, fordert der Präsident der FEGGA, Joel Nunes, seine Kollegen auf und verweist auf die eigenen Erfahrungen in Portugal, das seit Jahren mit Wassermangel kämpft. „Die Diskussion um Wasser ist viel ruhiger und transparenter“ geworden, als man die Verbrauchsdaten der Golfindustrie vorlegen konnte.
Europaweit blickt die Greenkeeperbranche jedoch auf einen „Flickenteppich“ aus regionalen und nationalen Vorgaben, egal ob beim Wasserverbrauch oder beim Pestizideinsatz. Viele Greenkeeper würden einheitliche, EU-weite Standards für die Datenlieferung begrüßen, um Wettbewerbsnachteile auszugleichen – schließlich leiden Regionen mit Pestizidverboten unter dem Konkurrenzdruck durch Nachbarn, die noch Ausnahmegenehmigungen besitzen.
Dollarspot hält sich als Bedrohung Nummer 1 dabei hartnäckig auf Position 1 der Krankheiten, gegen die derzeit keine nicht-chemischen Mittel auf dem Markt verfügbar sind. Maria Strandberg, die Direktorin für Forschung beim skandinavischen Institut STERF wies zwar auf die vermehrten Forschungsbemühungen von STERF, R&A und USGA hin, betont aber, dass Wissen in diesem Bereich extrem schnell veraltet: „Das, was wir vor drei Jahren gelernt haben, kann heute schon nicht mehr relevant sein. Wir müssen kontinuierlich neues Wissen erwerben.“ Forschung wird für Golfverbände zu einem wesentlichen Element.
Zumindest beim Dollarspot macht die Diskussion klar: Der Pilz hat die Golfindustrie im Griff. Praxisbeispiele aus der belgischen Wallonie und anderen Regionen, die auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln komplett verzichten, machen auch klar, dass eine vollständig pflanzenschutzfreie Arbeit auf Golfplätzen ein hohes Maß an Wissen, Vorbereitung und Engagement erfordert. Trifft ein Pflanzenschutzmittelverbot auf eine unvorbereitete Golfindustrie, droht ein massives Qualitätsverbot auf den Plätzen.
Der Niederländische Golfverband hat im Rahmen seiner aktuell vorgelegten Nachhaltigkeitsstrategie nun den kompletten Ausstieg aus den Pflanzenschutzmitteln bis 2032 beschlossen. Nicht, weil die Regierung es fordert, „sondern weil der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln das gesamte Image der Golfbranche beschädigt“, wie Alexander de Vries, für das Thema Nachhaltigkeit im Verband zuständig, betont. Das aber kann man sich in dem Land nicht leisten. Golfplätze müssen inzwischen Wohnbau- oder Infrastrukturmaßnahmen weichen; der Wettbewerb um Flächen ist hoch. In diesem Umfeld muss die niederländische Golfbranche ihren Mehrwert für die Gesellschaft beweisen. „Sonst“, so die dunkle Ahnung von de Vries, schließen womöglich noch mehr Golfclubs.
Der Blick auf ganz Europa zeigt: Nur in Ländern mit klaren Konzepten, verbindlichen Vorgaben und einem guten Datenstamm verbessert sich die Ausgangslage der Golfindustrie. In Frankreich hat man laut Rémy Dorbeau, Präsident des dortigen Greenkeeperverbandes und als Direktor der RDGI für die komplette Transformation aller französischen Sportarten auf Gras zuständig, zumindest eine Übergangslösung im Umgang mit Ressourcen und Pestiziden herausgeholt. Aber auch Dorbeau macht klar: Nur vollständige und transparente Datensätze haben die französische Regierung zum Einlenken bewegt.
Rolle der EGA wird gestärkt
Angesichts der Komplexität der Aufgaben richtet sich der Blick vieler Greenkeeperorganisationen nach Lausanne, zum Sitz der European Golf Association. Der einstmals eher unbedeutende Verband, der sich auf die Organisation von europäischen Amateur-Turnieren konzentrierte, ist mit den EU-Gesetzen um Pestizide oder Renaturierung zu einer zentralen Figur der europäischen Golfindustrie geworden. In diversen Gremien und Arbeitsgruppen ringt die EGA mit Verbandsvertretern und Experten derzeit ebenfalls um Lösungen zum Thema Datensammlung. Auch auf EU-Ebene kann die Golfbranche gegenüber den Behörden nur argumentieren, wenn sie über ausreichende Daten verfügt.
Die Abstimmung über das Vorgehen beim Thema Daten sei „kein einfacher Prozess, wir befinden uns hier eher auf der strategischen Ebene“, machte Jonathan Smith für die EGA klar. Und die Voraussetzungen und Nöte der einzelnen Golfnationen seien eben komplett unterschiedlich. Allerdings zeigten die bisherigen Erfahrungen im Umgang mit den Behörden in Brüssel, dass klare Dokumentationen und Reporte der EGA zur Situation der europäischen Golfindustrie durchaus gehört würden.
„Ihr habt da eine Stimme, also nützt sie“, forderte John Kemp, Assistant Director für nachhaltige Entwicklung beim R&A, die Vorsitzenden der europäischen Greenkeeperverbände auf, sich in diesen Prozess einzubringen. „An der Bereitstellung von Daten geht kein Weg mehr vorbei“, resümierte auch Martin Nilsson, der für die FEGGA die Diskussionen in der EGA und mit der EU führt, seine Erfahrungen mit Brüssel. „Bedauerlicherweise hilft Druck an dieser Stelle“ lautet seine Einschätzung. Womöglich liefern am Ende nur fixe Verpflichtungen ein gutes Reporting. „Dann wissen eben alle, dass sie nicht auskommen.“
Regulierung oder Freiwilligkeit – diese Grundsatzfrage trifft Europas Gesetzgebung auf so vielen Ebenen. Aber wer die Stimmung bei der FEGGA Konferenz genau verfolgte, stellt fest: Zumindest bei den Greenkeeperverbänden festigt sich die Einsicht, dass die verpflichtende Abgabe von Daten etwa zu Wasserverbrauch und Pestizideinsatz alternativlos ist, um auf Dauer einen ordentlichen Umgang mit der EU, nationalen und regionalen Behörden zu ermöglichen.










