Der Golfplatz: Multifunktional und wertvoll
Der Begriff klingt abstrakt: Multifunktionale Infrastruktur. Gemeint sind damit – unter anderem – die Golfplätze in Berlin und Brandenburg. Der Begriff taucht nicht nur im „Masterplan Wasser“ auf, den die Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt erarbeitet hat, sondern auch in der Nationalen Wasserstrategie der Bundesregierung. Golfplätze als Teil der multifunktionalen Infrastruktur – das heißt, diese Grünflächen sind mehr als nur ein Sportplatz.
Das sogenannte Schwammstadt-Prinzip bildet dabei einen wichtigen Ausgangspunkt: Nicht-versiegelte, begrünte Flächen nehmen Regenwasser auf wie ein Schwamm. Selbst bei Starkregen wirken Golfplätze wie ein grosser Puffer, weil sie über ihre Teiche und Wasserhindernisse Regenwasser quasi zwischenlagern und nicht sofort an die Kanalisation abgeben. Gerade in städtischen Bereichen wie etwa in der Umgebung des GC Gatow, in Berlin-Wannsee oder auch auf der Golfanlage Pankow sorgt dieser Schwammeffekt von Golfanlagen dafür, dass bei Starkregen die Kanalisation nicht überfordert wird oder gar Überschwemmungen in bewohnten Gebieten auftreten.
Fairways und Roughs lassen die Feuchtigkeit langsam im Boden versickern. Das führt auch zur Stabilisierung des Grundwasserspiegels. Ein gesunder Boden auf dem Golfplatz wirkt gleichzeitig noch wie ein natürlicher Filter für Schadstoffe, bevor das Wasser ins Grundwasser gelangt. Je weniger Dünger oder Pestizide verwendet werden, je höher die Artenvielfalt in den Roughbereichen ist, desto besser ist die Filterfunktion des Golfplatzes.
Pflanzen, Boden und Wasser – all‘ das fügt sich letztendlich zusammen zu Funktion drei: Jeder Golfplatz ist auch eine lokale Kühlinsel, die gerade in städtischen Gebieten wie eine natürliche Klimaanlage funktioniert. Durch die Verdunstung von Pflanzen und Wasser entsteht Kaltluft, die sich über die Golfanlage legt. Hinzu kommt, dass gerade Großbäume oder breite und lange Hecken obendrein noch Schatten gewähren. Alles in allem sorgen Golfplätze auf diese Art und Weise für einen besseren Luftaustausch und senken die Temperaturen gerade auch in angrenzenden Wohngebieten.
Wieso ist all‘ das für Golfer relevant, kann man an dieser Stelle fragen. Der Grund ist einfach: Nachdem das Thema Wasser im Großraum Berlin-Brandenburg stark im Fokus ist, weil die Region als ausgesprochen niederschlagsarm gilt und außerdem Konflikte um die Verwendung von Wasser zwischen Landwirtschaft und Industrie weiterhin bestehen, ist es für Golfanlagen wichtig ihren eigenen Nutzen zu verdeutlichen. Der bezieht sich eben nicht nur auf die Tatsache, dass sie eine Sportfläche bieten, sondern auch auf Themen wie Klima- und Grundwasserregulierung oder Verbesserung der Grünflächen.
Der Diskussion um Golfplätze als potentielle „Wasserverschwender“ setzt man auf diese Weise Argumente dagegen. Dabei hat sich, wie etwa Ariane Fränkle, Geschäftsführerin der von der Golfanlage Gross Kienitz feststellt, die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden im Rahmen des Thema Wassermanagements in den vergangenen Jahren ohnehin stark verbessert. „Wir konnten bei uns feststellen, dass die Informationen zum Umgang mit dem Thema Wasser sehr dankbar angenommen worden sind.“ Der Austausch mit den Behörden, so ihr Fazit funktioniere gut, gerade auch, wenn man proaktiv auf diese zugehe.
Damit beschreibt die Geschäftsführerin einen Trend, der deutschlandweit festzustellen ist: Die Vergabe von Wasserentnahmerechten bleibt zwar ein kritisches Thema und Golfplätze müssen sich mittel- bis langfristig darauf einstellen, nur noch gesammeltes Wasser zu verwenden, gleichzeitig wird aber auch die positive Rolle der großen Grünflächen in anderen Bereichen erkannt.
Letzteres ist eine Chance für die Golfanlagen: Als „multifunktionale Infrastruktur“ ist man zwar einerseits Sportplatz, gleichzeitig aber eben auch noch Klimaanlage, Grundwasserspeicher und Retentionsfläche. Diese Vielfalt steigert ihren Wert.









Old Course Vilamoura (Foto: J. Hogg)